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Fleischtheke beim Jais: Peter Schmid (l.) kauft bei Andreas Jais am Bauernmarkt ein. Schmid sagt: „Ich meide keinen Erzeuger, der beim Brucker Schlachthof schlachten ließ.“

Nach dem Schlachthof-Skandal 

Verbraucher vertrauen regionalen Metzgern

Der Brucker Schlachthof war Gesprächsthema Nummer eins am Samstag beim Einkauf auf dem Brucker Bauernmarkt. Was sagen Verkäufer und Käufer dazu, dass der Schlachthof nach Tierschutzverstößen geschlossen ist? Haben die Verbraucher noch Vertrauen in die Erzeuger aus der Region?

Peter Weh schlachtet noch selbst und ist vom Schlachthofskandal nicht direkt betroffen.

Fürstenfeldbruck – Beim Stand von Peter Weh aus Albertshofen läuft das Geschäft trotz der aktuellen Diskussionen um den Brucker Schlachthof gut. Er verkauft Bratwürste aus eigener EU-zertifizierter Schlachtung – er verwurstet das Fleisch von Kaninchen, Reh und Hirsch selbst und ist als Direktvermarkter nicht vom Schlachthofskandal betroffen. Negative Reaktionen seitens der Verbraucher? Fehlanzeige: „Ich habe von meinen Kunden gar nichts wegen dem Schlachthof erzählt bekommen“, sagt er.

Ex-Schlachthof-Chef Max Keil bekommt Drohanrufe

Max Keil, ehemaliger Geschäftsführer des Schlachthofes, erfährt Rückhalt von Kundin Maria Fischer-Kouniadi.

Ganz anders zwei Schritte weiter: Gleich neben seinem Würstlstand verkauft der bisherige Schlachthof-Geschäftsführer Max Keil Kartoffeln seines Biolandbetriebes. Doch er tütet an diesem Samstag – nach der Liquidierung des Fürstenfeldbrucker Schlachthofes – nicht nur Bioknollen ein: Er zeigt Präsenz, entzieht sich nicht seiner Verantwortung. Einer Kundin, die ihm ihr Vertrauen ausspricht, erzählt er, dass er mittlerweile Hunderte von Drohanrufen erhalten hat. „Teilweise konnte ich die Telefonnummern der Anrufer vom Display ablesen, ich habe sie aber nicht notiert“, sagt Keil.

„Ich habe Vertrauen zu Dir, zu Deiner Arbeit – als ich den Namen Max Keil im Zusammenhang mit dem Schlachthof hörte, habe ich das Ganze gar nicht mit Dir in Verbindung gebracht“, sagt Maria Fischer-Kouniadi. Sie ist seit über 20 Jahren treue Bauernmarkt-Kundin. „Ich habe selten jemanden erlebt, der so menschlich und ehrlich ist wie der Max Keil. Und er war sicher auch ein guter Schlachthofchef“, betont sie.

Geht es der Soko Tierschutz gar nicht ums Tierwohl?

„Die regionalen Betriebe müssen die Suppe auslöffeln“, sagt Sebastian Best, während er Susanne Engelmann Spargel verkauft.

Beim direkten Kontakt mit den Verbrauchern erfährt der Puchheimer Biobauer Keil Rückendeckung: „Einer hat mir kondoliert, weil er mein Lebenswerk zerstört sah“, sagt Keil. Viele versetzen sich in seine Lage und empfinden nach. „Unsere Kunden haben keine vorgefertigte Meinung, sie sind sensibel, aufgeklärt und denken mit“, weiß Keil. Derzeit lassen Metzger in einem kleinen Landsberger Schlachthof oder in St. Ottilien schlachten.

„Die von Soko Tierschutz hätten doch zu den Verantwortlichen gehen können und nicht gleich an die Öffentlichkeit; dann hätte Tierleid verhindert werden können – vielleicht ging es denen gar nicht ums Tierwohl, sondern um das medienwirksame Aufdecken eines Skandals“, spekuliert Sebastian Best vom Spargel- und Erdbeerbetrieb Wolf. Und: Die Betriebe Jais, Unglert und Zimmermann, die am Bauernmarkt ihre Produkte verkaufen, hätten in gutem Glauben beim Brucker Schlachthof die Tiere angeliefert: „Die können nichts dafür und müssen jetzt die Suppe auslöffeln“, meint Best.

Fest installierte Kamera im Schlachthof Fürstenfeldbruck

An der Bauernmarkt-Theke der Metzgerei Jais verkauft Juniorchef Andreas Jais. Er sagt: „Der Brucker Schlachthof muss erhalten bleiben, die Vorfälle müssen aufgearbeitet und Probleme aus der Welt geschafft werden.“ Dafür wolle man sich seitens der Metzger mit Fachwissen einbringen. Man denke über eine fest installierte Kamera im Schlachthof nach, die den laufenden Betrieb überwachen könnte. Sein Vater, Innungsobermeister Engelbert Jais, hat angekündigt, sich für einen Neuanfang einsetzen und mit anderen Metzgern Verantwortung im Brucker Schlachthof übernehmen zu wollen – falls der Betrieb wieder aufgenommen wird.

Kunde Peter Schmid aus Bruck sagt: „Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass im Brucker Schlachthof so etwas passiert ist.“ Er will auch künftig keinen Direktvermarkter meiden, aber er betont auch: „Die Kontrollen im Schlachthof müssen verbessert werden – das haben die Tiere und natürlich auch die Verbraucher, die gerne mehr fürs Tierwohl und für gutes Fleisch bezahlen, verdient.“

Schlachthof-Skandal Fürstenfeldbruck: Tierschützer fordern harte Strafen

Die Soko Tierschutz hat gegen einen sofortigen Neuanfang beim Fürstenfeldbrucker Schlachthof demonstriert. An einem Infostand an der Brucker Hauptstraße kamen die Tierschützer ins Gespräch mit den Bürgern.

von Angi Kiener

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