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Engelbert Jais im umgebauten Schlachthof.

In der Brucker Hasenheide

Schlachthof kurz vor der Wiedereröffnung

Der Schlachthof Hasenheide kann seinen Betrieb wohl schon im Januar wieder aufnehmen. Bei einem Ortstermin gaben Vertreter von Landratsamt, der Regierung von Oberbayern und vom Landesamt für Lebensmittelgesundheit mündlich grünes Licht für einen Neustart.

Fürstenfeldbruck – Der schriftliche Bescheid steht zwar noch aus, doch die Erleichterung ist den Geschäftsführern Engelbert Jais, Bernhard Huber und Hermann Eberle schon jetzt ins Gesicht geschrieben. „Wir haben immerhin rund 100 000 Euro in den tierschutzrelevanten Bereich und auch in den operativen Betrieb investiert, um alle Auflagen zu erfüllen“, sagt der Chef der Metzgerinnung, Engelbert Jais.

Dass die Umbaumaßnahmen innerhalb so kurzer Zeit durchgezogen werden konnten, verdankt die Schlachthofmannschaft vor allem drei Schlossereibetrieben und einem Sanitärfachbetrieb aus der Region: „Die betreffenden Firmen sind uns tatkräftig zur Seite gestanden, ohne sie hätten wir es nicht gestemmt“, betont Huber. Mit einem neuen Team, bestehend aus neun Metzgermeistern und drei Gesellen, dem Tierschutzbeauftragten Markus Wagner und Betriebsleiter Thomas Winnacker, sollen erste Schlachtungen bereits im Januar 2018 durchgeführt werden. Zwei Veterinäre werden an den Schlachttagen stets gleichzeitig vor Ort sein, ebenfalls der Tierschutzbeauftragte.

„Diese Einrichtung ist für uns regionale Metzger von vitaler Bedeutung.“

Zu den baulichen Verbesserungen gehört die Überdachung der Anlieferstelle. Bevor die Tiere in die fünf Warteboxen laufen, werden sie vom Veterinär und dem Tierschutzbeauftragten bei einer Lebendbeschau auf Transportverletzungen oder sonstige Auffälligkeiten überprüft. „Die Auftriebwege mussten im 135-Grad-Winkel gehalten sein, damit die Tiere bequem durch die Gänge gehen können“, sagt Jais. „Besonders rund um die Boxen mit den beweglichen Gattern waren die Schlosser gefragt, denn auch der Weg von der jeweiligen Box hin zum Tötebereich muss im 135-Grad-Winkel zurückzulegen sein“, erklärt Bernhard Huber.

Jeweils nur ein Rind betritt nach dem Rundtrieb die neue Tötebox. „Ist das Tier in diesem Bereich, wird eine Wand als Sichtschutz heruntergelassen. Das nächste Tier sieht den Tötungsvorgang nicht“, betont Jais. Zudem ist die Tötebox individuell auf die Größe des Schlachttieres anpassbar und der Kopf wird vor dem Bolzenschuss fixiert.

Der Schlachtkörper kann anschließend mit einem Auswerfer aus der Box herausgeschoben werden, danach wird das Tier zum Ansetzen des Stichs und Ausbluten an einem Haken hochgezogen.

Schlachthof Fürstenfeldbruck wurde wegen Verstößen gegen Tierschutz geschlossen

Auch bei den Schweinen findet vor der Tötung eine Vereinzelung statt. Auch ein Sichtschutz ist gegeben. „Derjenige Metzger, der das jeweilige Tier sticht, kontrolliert auch, ob es wirklich tot ist“, erklärt Jais.

Ebenfalls neu im Schlachthof ist eine sogenannter BU-Raum. Er dient der bakteriologischen Untersuchung, falls bei der Fleischbeschau Auffälligkeiten entdeckt wurden. Auch dieser Bereich war zulassungsrelevant für einen Neustart des Schlachthofs.

Die Tötungsinstrumente wurden überwiegend neu angeschafft oder einer Wartung unterzogen. Metzger, die hier schlachten, müssen nach dem neuen internen Regelwerk arbeiten und entsprechende Schulungen besuchen. „Unser Tierschutzkonzept hat die Regierung Oberbayern bei ihrer Zulassungsbegehung überzeugt“, freut sich Engelbert Jais. Das Schlachthofteam atmet auf, denn: „Diese Einrichtung ist für uns regionale Metzger von vitaler Bedeutung. Nur mit ihr können wir für unsere Endkunden eine geschlossene Produktionskette sicherstellen und selbstverständlich streben wir auch unsere Bio-Zulassung wieder an“, betont der Innungsmeister aus Luttenwang.

Der Schlachthof Fürstenfeldbruck war geschlossen worden, nachdem die Soko Tierschutz mit verdeckt gedrehtem Videomaterial massive Verstöße gegen den Tierschutz öffentlich gemacht hatte. Schon bald aber bemühten sich neue Verantwortliche auch vor dem Hintergrund kurzer Transportwege um den Neustart – unter dem neuen Namen „Schlachthof Hasenheide“.

Zwei neue Gesichter im Schlachthof Fürstenfeldbruck

Markus Wagner aus Gernlinden ist Diplomlandwirt und Tierschutzbeauftragter des Schlachthof Hasenheide. Der 32-Jährige sagt: „Es darf hier keine Tierquälereien mehr geben, die Tiere müssen langsam und schonend der Schlachtung zugeführt werden. Thomas Winnacker, der neue Betriebsleiter, ist Metzgermeister. Er arbeitete zuletzt bei „Landfrau“ in Emmering und beim Schlachthof Landshut am Schlachtband. „Ich komme aus der Bioschiene und lege größten Wert auf Regionalität und das Tierwohl“, betont der 46-Jährige.

von Angi Kiener

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