„Wir dienen unmittelbar und ausschließlich der christlichen Nächstenliebe“: Das ist das Leitbild der Ökumenischen Nachbarschaftshilfe Fürstenfeldbruck und Emmering, die ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Danach handeln auch Geschäftsführerin Marlene Gnam und Vereinsvorsitzender Rainer Goretzki. foto: peter weber

In Bruck

So entstand die Nachbarschaftshilfe

Fürstenfeldbruck – Mütter dürfen bekanntlich nicht krank werden, aber manchmal tun sie es eben doch. Dann muss jemand die Kinder betreuen, die Familie leiten und mittags etwas Warmes auf den Tisch bringen. Nicht nur diese Aufgaben übernahmen 1969 in Bruck schon Ehrenamtliche. Auch heute werden sie gebraucht.

Damals setzten sich freiwillige Helfer der evangelischen Erlöserkirche und der katholischen Gemeinde St. Bernhard für ihre Mitmenschen ein. Aus dieser Initiative wurde 1976 ein Verein: die Ökumenische Nachbarschaftshilfe Fürstenfeldbruck, zu der acht Jahre später Emmering hinzukam. In diesem Monat feiert der Verein sein 40-jähriges Jubiläum. „Das war so richtig Nachbarschaftshilfe damals, in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes“, sagt Rainer Goretzki (75), evangelischer Pfarrer im Ruhestand und seit 20 Jahren Vorsitzender des Vereins.

Wer helfen wollte, packte einfach an. „Es wurde nicht auf die Konfession geschaut.“ Zunächst liefen die Fäden bei einer Ordensschwester des Theresianums zusammen, die extra für das Projekt Nachbarschafthilfe abgestellt war. Mit der Vereinsgründung entstand eine Sozialstation, die sich schwerpunktmäßig der Krankenpflege widmete, bald mit Hilfe einer fest angestellten Krankenschwester.

Schon damals wurden auch der Kinderpark als Betreuungsangebot, eine Hausaufgabenhilfe und ein psychosozialer Arbeitskreis aufgebaut. „Mit der Verwaltung fing es ganz klein an“, erzählt Geschäftsführerin Marlene Gnam. Eine einzige Mitarbeiterin kümmerte sich um das Büro und half nebenbei noch im Kinderpark. Die Geschäftsstelle umfasste zwei Zimmer in einem Häuschen neben dem Klinikum, später zog sie in die ehemalige Stadtbücherei an der Philipp-Weiß-Straße. Erste hauptamtliche Geschäftsführerin wurde CSU-Stadträtin Beate Hollenbach, die maßgeblich an der strukturellen Entwicklung mitwirkte. 1997 fand die Nachbarschaftshilfe ihr endgültiges Zuhause am Sulzbogen im Stadtteilzentrum West – wenn auch die ersten Jahre ohne eigene Möbel. Man behalf sich mit ausgemusterten Stücken, die von Firmen gespendet wurden. „Uns war es wichtig, nicht viel Geld in solche Dinge zu stecken“, sagt Marlene Gnam. „Wie’s halt so ist im sozialen Bereich.“

Direkt unter den Büros betreibt die Nachbarschaftshilfe eine Tagespflegeeinrichtung für Senioren. Die Nachfrage ist so groß, dass es mittlerweile eine Warteliste gibt. Insgesamt werden 150 ältere Menschen ambulant gepflegt und betreut. Am anderen Ende der Altersskala besuchen 500 Kinder die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung der Nachbarschaftshilfe, die an allen Brucker Grundschulen vertreten ist und seit einigen Jahren auch eine Ferienbetreuung anbietet. Außerdem ist sie Träger des LiB-Mehrgenerationenhauses als Treffpunkt für Jung und Alt.

Zu kämpfen haben vor allem die Mitarbeiter in der Pflege, und zwar mit den ständig steigenden bürokratischen Anforderungen, wie Marlene Gnam beklagt. Die Zeit für den Papierkram würde man lieber den Patienten widmen. Ein weiteres Problem ist die Personalknappheit. Die 25 Festangestellten werden von einem Vielfachen an Geringverdienern und Ehrenamtlichen unterstützt – insgesamt kommt die Nachbarschaftshilfe so auf rund 200 Mitarbeitende. Das sind fast so viele, wie der Verein Mitglieder hat. Derzeit gehören ihm 250 Menschen an. (os)

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