Beim Festakt: die amtierende Geschäftsführerin Marlene Gnam (l.). Rechts Pfarrer a. D. Rainer Goretzki neben Vize-Landrat Schmetz und Bürgermeister Raff. Foto: weber

In Bruck

Nachbarschaftshilfe feiert: 40 Jahre Füreinander und Miteinander

Fürstenfeldbruck – „Miteinander – Füreinander“: So lautet das Motto der Nachbarschaftshilfe in Bruck und Emmering. Seit nunmehr 40 Jahren besteht das organisierte Angebot, und das wurde jetzt gebührend gefeiert.

Nach einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Bernhard-Kirche lud der Vorstand zahlreiche Gäste, Freunde und Mitglieder des im April 1976 gegründeten Vereins „Ökumenische Nachbarschaftshilfe mit Sozialdienst e. V. Fürstenfeldbruck und Emmering“ in den Pfarrsaal der katholischen Pfarrei ein. Es gab viel Lob von Seiten der Festredner. In seiner Begrüßungsrede rief der erste Vorsitzende, Pfarrer a. D. Rainer Goretzki, schlaglichtartig einige Akzente des 40-jährigen Bestehens in Erinnerung.

Tun, was uns eint

Am Anfang stand das Ehrenamt, zitierte Goretzki ein Gründungsmitglied von 1969. „Wir wollten das tun, was sonst keiner machte, und wir wollten andere dazu anregen, dem Nachbarn aus irgendwelchen momentanen Verlegenheiten zu helfen.“

15 katholische und evangelische Gemeindemitglieder riefen unter dem Leitsatz: „einer trage des anderen Last“, die ökumenische Nachbarschaftshilfe damals ins Leben. Von Anfang an stand fest, dass die Arbeit ökumenisch sein sollte. „Tun, was uns eint“, erinnerte Goretzki an den Leitgedanken der Arbeit, die alle Hilfesuchenden ohne Rücksicht auf Konfession, Rasse und Weltanschauung erfahren sollten. Bald schon reichte die ehrenamtliche Tätigkeit allein nicht mehr aus, sodass sich 1976 der Verein gründete.

Pflege einst ein Tabu

Die Stadt und der Landkreis profitieren sehr von dieser segensreichen Einrichtung, stellte der stellvertretende Landrat Ulrich Schmetz in seinem Grußwort fest. Neben der ambulanten Pflege habe sich das Tagespflegeangebot zum Kerngeschäft entwickelt. Doch nicht nur die ältere Generation stehe im Fokus der Nachbarschaftshilfe, sondern längst gebe es auch eine Vielzahl von Angeboten für Kinder, so die Mittagsbetreuung für 500 Kinder in Bruck und Emmering oder auch die Hausaufgabenbetreuung.

„Die Stadt ist wirklich stolz auf diese Einrichtung“, sagte Bürgermeister Erich Raff. Dass die Nachbarschaftshilfe so erfolgreich arbeite, sei allen beteiligten Personen, den Kirchengemeinden und Institutionen zu verdanken. Nur so könne ein breitgefächertes soziales Netz funktionieren.

Auf über 30 Jahre Erfahrung in der Nachbarschaftshilfe blickte die erste hauptamtliche Geschäftsführerin des Vereins, Beate Hollenbach, zurück. Sie erinnerte an die Zeit, als die Pflege noch ein Tabu-Thema war. „Kommen Sie nicht mit Dienstauto mit Logo und in Dienstkleidung“, schilderte sie die damaligen Ängste in der Bevölkerung. Denn: Was könnten die Kinder, die Nachbarn denken?

Die Dokumentation

Ein Drittel der Arbeitszeit entfiel auf die Pflegedokumentation, erzählte sie. „Eigentlich wollten wir Menschen pflegen und nicht die Bürokratie“, so Hollenbach. Auch sei es nie einfach gewesen, zwischen wirtschaftlichen Erwägungen und sozialem Engagement eine Balance zu finden. Es sei für sie eine Ehre gewesen, nach jahrelanger Zusammenarbeit in die Fußstapfen von Hollenbach zu treten, die „wirklich nicht klein waren“, sagte die amtierende Geschäftsführerin Marlene Gnam. Die Nachbarschaftshilfe war in den Anfängen nicht irgendein „Hausfrauending mit Helfersyndrom“, so Gnam, sondern dahinter standen wirklich „gestandene Männer“. Das wünsche sie sich auch heute für die Nachbarschaftshilfe, die Verankerung in der Gesellschaft. (Dieter Metzler)

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