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Norbert Waller war ein geschickter Handwerker und Sportschütze. 

Nachruf für Norbert Waller

Seine Radl-Werkstatt im Keller war ein Geheimtipp

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Norbert Waller aus Fürstenfeldbruck war weit über die Region hinaus bekannt als Fachmann für ganz besondere Gefährte: Saxonette. Nun ist er sehr plötzlich verstorben. 

Fürstenfeldbruck – Lange vor dem E-Bike gab es schon einen Fahrradtyp, bei dem der Fahrer nicht allein auf Muskelkraft angewiesen war. Saxonette nannte sich das Gefährt, benannt nach dem Zweitakt-Benzinmotor, mit dem es ausgerüstet war. Mechaniker, die sich mit diesen Rädern auskennen, gibt es nur wenige. Norbert Waller war einer von ihnen.

Der Brucker war weit über die Region hinaus als Fachmann für Saxonetten bekannt – seine Kunden kamen bis aus Österreich. Wallers Radl-Werkstatt mit angeschlossenem Verkaufsraum im Keller seines Wohnhauses galt als Geheimtipp. Es gab für ihn keine hoffnungslosen Fälle. „Er hat keinen Kunden weggeschickt, egal, wie alt und kaputt das Fahrrad war“, erzählt Wallers Frau Angelika. Manchmal hat sie ihm dabei zugeschaut, wie er Schaltgruppen oder Bremssysteme reparierte. „Er hat so präzise gearbeitet wie ein Chirurg“, erinnert sie sich.

Selbst war der 1963 geborene Brucker allerdings kein großer Radler. Lieber fuhr er Motorrad oder düste mit seiner Frau im Motorboot über die Donau. Auch seine beruflichen Wurzeln lagen im PS-Bereich. Waller absolvierte nach der Hauptschule West eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und ging anschließend als Zeitsoldat für zwölf Jahre zur Bundeswehr. Auf Fursty machte er seinen Meister und lernte, neben dem Pkw so ziemlich alle Fahrzeugtypen zu fahren – auch Lkw und Schwertransporter.

Seine große Liebe traf er auf einem Faschingsball in Schwabing

Seine große Liebe Angelika traf Waller 1988 auf einem Faschingsball in München-Schwabing. Den damals 24-Jährigen erwischte es sofort – und doch ging er an diesem Abend ohne die Telefonnummer der komplett in Rosa gekleideten Pink Lady nach Hause, die ihn so fasziniert hatte. Nur die rosa Tüllschleife aus ihrem Haar nahm er mit – ein Souvenir, das er Zeit seines Lebens aufbewahrt hat. Die Telefonnummer der Lady bekam er in den folgenden Tagen mit einiger Anstrengung dann auch noch heraus.

Bereits im September desselben Jahres zog das junge Paar zusammen in eine Wohnung in Fürstenfeldbruck. Geheiratet wurde am 22. Januar 1998 – auf den Tag genau zehn Jahre nach ihrer ersten Begegnung. Wenige Monate später kam Sohn Stefan auf die Welt.

Am Morgen seines Todes ging er noch zum Bäcker

Es gab nichts, was die Familie auf Norbert Wallers plötzlichen Tod mit nur 56 Jahren hätte vorbereiten können. Schwerwiegende gesundheitliche Probleme hatte er nicht. Am Morgen seines Todestags ging er wie gewohnt zum Bäcker und legte seiner Mutter eine Tüte Semmeln vor die Tür. Als er später nicht wie gewohnt sein Geschäft öffnete, fanden ihn seine Angehörigen leblos in der Werkstatt, wo er offenbar mit einem schweren Herzinfarkt zusammengebrochen war.

Im Bekannten- und Kundenkreis ist die Erschütterung über seinen frühen Tod groß. Für viele war der geschickte Handwerker und Sportschütze mehr als nur der Fachmann, der ihre Räder wieder flottmachte. „Er hat sich die Sorgen der Leute angehört und nahm sich immer Zeit für ein Gespräch, egal, wie viel Arbeit er hatte“, sagt Angelika Waller. Viele Menschen haben ihr geschrieben, dass sie einen Freund verloren haben. 

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