Völlig offen und auch mit Humor erzählt Felix Benneckenstein den Zehntklässlern des Viscardi-Gymnasiums von seinem Leben in der rechtsextremen Szene. Foto: gol

Zu Gast im Viscardi-Gymnasium

Ein Nazi-Aussteiger packt aus

Fürstenfeldbruck - Der Ausstieg aus der Neonazi-Szene ist schwierig. Felix Benneckenstein hat es geschafft und die Aussteigerhilfe Bayern gegründet. Nun war der 30-Jährige im Viscardi-Gymnasium zu Gast und gab Einblicke in die rechtsextreme Szene.

Seine Vergangenheit ist Benneckenstein nicht anzusehen. Er trägt mittellange Haare, eine graue Sweatshirt-Jacke und ein grünes T-Shirt. In Dorfen geboren und aufgewachsen, rutschte er mit 14 Jahren in die Neonazi-Szene.

Als Benneckenstein nach Erding zog, gab es zwischen seiner neuen Clique und den Jugendlichen aus dem Jugendzentrum (JUZ) öfter Rivalitäten. „Da fiel dann schon ab und zu die Bezeichnung die Türken aus’m JUZ“, erzählt er den Zehntklässlern, die ihm interessiert zuhören. Zu der Zeit hatten diese Aussagen für ihn aber noch keinen rechten Hintergrund. Er selbst hatte in Dorfen einen multikulturellen Freundeskreis.

Irgendwann verbreitete sich dann rechte Musik in der Clique, so der 30-Jährige. Auch er fühlte sich davon angesprochen und fing an, sich mit den Ideologien der Neonazis auseinanderzusetzen. Er zog nach München, schloss sich der Kameradschaftsszene an. Dort begann er, rechte Musik zu machen und marschierte bei Demonstrationen mit.

Als er seine jetzige Frau Heidi kennenlernte, kamen ihm das erste mal Zweifel an der Szene. Heidi stammt aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck und aus einer Familie von treuen Nazis. Als Felix und Heidi 2008 ein Paar wurden, begannen sie über einen Ausstieg nachzudenken. Dann wurde Heidi schwanger. „Wir haben viel nachgedacht und wollten nicht, dass unser Kind mit solchen Ideologien aufwächst“, sagt Felix Benneckenstein. Nachdem Heidi eine Fehlgeburt hatte, war jedoch der Grund auszusteigen, erstmal verschwunden.

Dann kam Benneckenstein ins Gefängnis, unter anderem wegen Beleidigung. Dort saß er Tür an Tür mit Abschiebehäftlingen. In der Zeit erlebte er das Leid und die Probleme der Flüchtlinge. Diese Erfahrung brachte Benneckenstein zum Nachdenken.

Im selben Jahr geriet er in eine Schlägerei zweier Neonazigruppen. Er entschied sich, bei der Polizei auszusagen und zog einen endgültigen Schlusstrich. Zusammen mit Heidi kontaktierte er die Aussteigerhilfe Exit. Das Paar zog in eine gemeinsame Wohnung und brach den Kontakt mit den alten Kameraden ab.

Nach dem Ausstieg gründete Benneckenstein die Aussteigerhilfe Bayern, die in Kooperation mit Exit-Deutschland Ausstiegswillige begleitet. Mit der rechten Szene will er nichts mehr zu tun haben. „Wenn man erst mal den Abstand schafft und einen klaren Kopf bekommt, dann will man nicht mehr zurück.“

von Lana Gottwald

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