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Neue Bühne begeistert mit absurder Killer-Komödie

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Von: Ulrike Osman

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Zwei Profikiller an der Grenze: Während der unerfahrene Gus (Judith Gebele) Fragen stellt, will Ben (Gerhard Jilka) lieber Zeitung lesen und auf Anweisungen warten.
Zwei Profikiller an der Grenze: Während der unerfahrene Gus (Judith Gebele) Fragen stellt, will Ben (Gerhard Jilka) lieber Zeitung lesen und auf Anweisungen warten. © Peter weber

Absurde Zeiten, absurdes Theater: Mit ihrem neuen Stück „Der stumme Diener“ unter der Regie von Ralph Hüttig feiert die Neue Bühne Bruck (NBB) einen der meistgespielten englischen Dramatiker.

Fürstenfeldbruck - Harold Pinter (1930-2008) schrieb den Einakter 1957 –noch unter dem Eindruck des Dritten Reiches – rund um die Themen Hierarchie und Obrigkeit, Gehorsam und Abstumpfung.Fürstenfeldbruck – Ben (Gerhard Jilka) und Gus (Judith Gebele) sind Profikiller. Von einem unbekannten Auftraggeber werden sie durchs Land geschickt, erwarten an einem angegebenen Ort ihr nächstes Opfer, schlagen zu, hauen wieder ab. Und warten auf den nächsten Auftrag. Dieses Mal sitzen die beiden im Keller eines geschlossenen Cafés. Doch plötzlich treffen per Speiseaufzug – auch stummer Diener genannt – Bestellungen ein, auf die sie reagieren müssen.

Es geht in Pinters Stück nicht darum, ob die beiden geschnappt werden. Oder darum, wer ihnen warum die Mordaufträge gibt. Es geht nicht um Nachvollziehbares, Erklärbares, Logisches, sondern um eine undurchschaubare Welt voller Abgründe, in der man irgendwie funktionieren muss und am besten nicht zu viele Fragen stellt.

In Nervensägen-Manier

Das aber tut Gus im bester Nervensäge-Manier und bringt den cholerischen Ben damit zuverlässig zum Explodieren. Winzige Gesten kündigen an, dass es gleich wieder knallen wird. Gus ficht das nicht weiter an. Lieber bewundert er das schöne Geschirr, das sie in dem fensterlosen Kellerloch vorgefunden haben. Dann wieder wundert er sich darüber, dass der Spülkasten der Toilette so langsam vollläuft. Ben will am liebsten nur zum x-ten Mal seine Zeitung lesen.

Stellenweise erinnern die beiden an ein altes Ehepaar, das sich wie eine hängengebliebene Schallplatte in den immer gleichen Dialogen verfängt und über Banalitäten in Streit gerät. Heißt es „Zünd den Kessel an“ oder „Setz den Kessel auf“? Man zünde doch das Gas an, nicht den Kessel, argumentiert Gus. „Aber ein Kessel ist kein Hut“, brüllt Ben zurück. Und wo bleibt denn nun der Tee?

Schurken -Duo

Das Schurken-Duo bietet Paraderollen für die beiden wohlbekannten NBB-Darsteller, Jilka überzeugte bereits als Hitler in „Er ist wieder da“, als SS-Mann in „Rosa Winkel“ und füllt auch die Rolle des brutalen Auftragsmörders aus bis in die Fingerspitzen – und zwar ohne optische Unterstützung durch sein Kostüm, einem dandyhaften Anzug mit Leopardenmuster.

Die immer wieder großartige Judith Gebele verkörpert den jüngeren Gus als unruhig herumtigernden Nachwuchs-Gangster, der nach dem Mord gerne noch zum Fußball gehen würde. Da man in Birmingham ist, vielleicht spielt Aston Villa? „Die spielen auswärts“, brüllt Ben.

Das Stück ist eine Komödie. Trotz des beklemmenden Themas und der trostlosen Atmosphäre, die das Bühnenbild vermittelt, gibt es viel zu lachen. Und das tat das Premierenpublikum, bevor es die Darsteller und Regisseur Ralf Hüttig (im Aston-Villa-Trikot!) mit heftigem Beifall verabschiedete.

Nächste Termine:

26. November (20 Uhr), 12. Dezember. (19 Uhr), 17. und 18. Dezember (20 Uhr). Karten unter www.buehne-bruck.de.

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