Harald Molocher

Neue Führung

Harald Molocher verlässt die Neue Bühne Bruck: Rückblick auf 35 Jahre mutiges Theater

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An der Neuen Bühne Bruck ist eine neue Zeit angebrochen. Harald Molocher, Gründer und Intendant, hat das Haus verlassen. Mutig, und manchmal unbequem, baute er ein überregional erfolgreiches Theater auf, in dem Laien mit Regieprofis arbeiten.

Fürstenfeldbruck – Still und leise ist an der Neuen Bühne Bruck (NBB) eine Ära zu Ende gegangen. Harald Molocher, Gründer und 35 Jahre lang Intendant des Theaters im Veranstaltungsforum, hat sich zurückgezogen. Aber nicht, weil er kürzer treten will. Molocher macht nach wie vor Theater – nur nicht mehr in Bruck.

Von der Leidenschaft fürs Schauspiel ist der 65-Jährige besessen, seit er als Achtklässler am Gymnasium in Weilheim in die Theatergruppe kam. Dort blieb er bis zum Abitur. „Und dann“, sagt der Mann der klaren Worte, „habe ich nicht die Eier gehabt, an die Falckenberg zu gehen.“

Statt sich also an der renommierten Münchner Schauspielschule zu bewerben, wurde er Lehrer und landete 1981 am Graf-Rasso-Gymnasium. Dort unterrichtete er Sport, Sozialkunde, Kunst, Psychologie und, natürlich, Theater. Das Rasso-Gymnasium war auch die Geburtsstätte eines Ensembles, das seit 38 Jahren als Theater 5 bekannt ist.

Zusammenarbeit mit Profis

Ihm gehörte Molocher aber nur kurze Zeit an, bevor es ihn zu Höherem trieb. Er wollte keine Stücke, die von Laien gespielt und inszeniert werden. Er wollte, dass Amateurschauspieler mit Profi-Regisseuren arbeiten – was ihm nach der Gründung der NBB auch konsequent gelang.

Nicht nur Mainstream: Molocher inszenierte und spielte 1985 „Mensch Meier“ von Franz Xaver Kroetz.

Was aber war es, das die Profis faszinierte an der kleinen, zunächst heimatlosen Bühne? Die ihre Stücke erst in der Schulturnhalle aufführte, dann in einem gemieteten Zelt und schließlich – das damals höchste der Gefühle – in einem Keller in der Malchinger Straße. „Es gab bei uns keine Vorgaben“, sagt Molocher. „Keine Hierarchien von Schauspielern, die unbedingt besetzt werden mussten. Bei uns konnten die Profis sich ausprobieren. Wir sind ihnen an den Lippen gehangen, haben alles gemacht, was sie wollten.“ Wenn ein Rudolf Danker eine Probe bis drei Uhr morgens durchzog – es wurde klaglos mitgemacht.

Furore gemacht

Hinzu kam, dass Molocher auch Stoffe zeigte, an die größere Häuser sich nicht herantrauten. Johanna Liebeneiner, „die große Johanna Liebeneiner“, wie Molocher sie nennt, inszenierte bei ihm „Kalte Hände“ von Thomas Baum, ein Stück über sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie. Bei einem renommierten Theater in München war das Stück als „zu prekär“ abgelehnt worden. „Bei uns hat es Furore gemacht“, erinnert sich Molocher.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bühne schon ihre endgültige Heimat im Haus 11 des Veranstaltungsforums gefunden. Der Umzug dorthin war in punkto Räumlichkeiten ein gewaltiger Aufstieg – im wahrsten Sinne des Wortes. Es ging aus dem Keller in ein echtes Theater.

Dennoch fiel Molocher und seinem Ensemble der Wechsel nicht leicht. „Es war, als würde man aus einer sehr gemütlichen Drei-Zimmer-Wohnung in ein Einfamilienhaus ziehen.“ Die Umstellung war gewaltig, und ausstattungsmäßig fehlte es an allen Ecken und Enden. „Wir hatten nur 20 Scheinwerfer, brauchten plötzlich aber 70 oder 80.“ Vieles zahlte er aus eigener Tasche, nicht zuletzt 100 Sperrsitze aus einem alten Kino.

Immer ehrlich

Selbstbewusst tritt Molocher nicht nur auf der Bühne auf, wie hier 1989 als Woyczeck.

Die Hoffnung, dass vom Budget des Veranstaltungsforums „ein paar Brotkrümchen“ für die Neue Bühne abfallen würden, erfüllte sich eher nicht. Molocher war nie jemand, der sich einschmeichelte. „Ich bin nicht immer angenehm. Aber ich bin immer ehrlich.“ Nun hat der 65-Jährige einen Schlussstrich gezogen. Nicht, weil er von seinem überregional erfolgreichen Theater genug hätte. Sondern, weil er sich gemeinsam mit seiner Frau einen Traum erfüllt hat. Die beiden haben sich als Alterssitz einen Vierseithof in Mittelfanken gekauft, 150 Kilometer von Bruck entfernt. Ein Jahr lang hat Molocher versucht, die Bühne aus der Ferne zu leiten. Er musste feststellen: „Es geht einfach nicht.“

In seiner neuen Heimat haben sich neue Türen geöffnet. Längst ist der leidenschaftliche Theatermann wieder Intendant – und zwar der Altmühlsee-Festspiele in Muhr am See. Und kürzlich stand er in Augsburg mal wieder selbst auf der Bühne, in der Rolle des Miller in Schillers „Kabale und Liebe“.

Die Neue Bühne, sein über sich selbst hinausgewachsenes Baby, hat er mit gutem Gefühl zurückgelassen, denn er hat volles Vertrauen in das neue Führungsduo Alexander Schmiedel und Philip Schultheiß. Beide kennt er bereits aus Schulzeiten. „Die Bühne ist bei ihnen gut aufgehoben.“

Neue Führung mit neuen Plänen

Die neuen Chefs der Neuen Bühne, Alexander Schmiedel und Philip Schultheiß, haben mit der Inszenierung von „Effie Briest“ bereits einen ersten Erfolg gelandet. Für die erste Jahreshälfte 2020 sind weitere spannende Projekte geplant – sogar der Broadway kommt nach Bruck: „Zweifel“, ein preisgekröntes Stück des New Yorker Autors John Patrick Shanley, feiert im Februar Premiere an der NBB. Es geht um ein heißes Eisen: einen Missbrauchsverdacht in einer kirchlichen Einrichtung, der – obwohl er unbewiesen bleibt – gravierende Folgen hat. Ab März steht die Theaterversion von Thomas Manns Roman „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ auf dem Programm. Regie führen wird Tim Freudensprung, der als Laiendarsteller an der NBB angefangen, inzwischen ein Schauspielstudium an der Universität der Künste in Berlin absolviert und ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater in der Tasche hat. Auch für die Herbstsaison hat das neue Führungs-Duo schon „etliche Ideen“, wie Schmiedel verrät. Eine wichtige Änderung ist bereits beschlossen: Künftig soll es pro Spielzeit ein – von Erwachsenen gespieltes – Kinderstück geben. Dafür wird die Zahl der Erwachsenenstücke von fünf auf vier reduziert.

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