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Mr. Punch & Mrs. Judy werden dargestellt von Alexander Schmiedel (ist seit Jahren bei der NBB) und Barbara Galli- Jescheck. Sie spielt zum ersten Mal an der Neuen Bühne. 

Premiere an der Neuen Bühne Bruck 

Wie Liebe in Eifersucht und Gewalt umschlägt

Fürstenfeldbruck – Die Beziehung der beiden startet wie eine Wirbelwind-Romanze, aber schon von der ersten Sekunde an ist alles falsch. Er ist übergriffig, sie bedürftig. Die junge Liebe wird zum Einstieg in eine Spirale von Eifersucht und Kontrolle, Erniedrigung und Gewalt. Überspitzt, temporeich und skurril ist die Geschichte des aktuellen Stücks an der Neuen Bühne Bruck (NBB): „Mr. Punch und Mrs. Judy“.

Bewusst hat Autorin Debbie Isitt Punch und Judy, die Protagonisten des traditionellen englischen Kasperletheaters, zu ihren Hauptfiguren gemacht. Dieser Punch hat selbst als Handpuppe einen Hang zum Draufhauen. In Menschengestalt wird er zum Prototypen des häuslichen Gewalttäters, der in Judy ein ebenso typisches Opfer findet – alles schönreden, alles verzeihen, es war nur ein Ausrutscher, eigentlich ist Punch ein wunderbarer Mensch.

Meisterlich gelingt es der Inszenierung von Felix Ebner, die Brutalität darzustellen, ohne sie zu zeigen. „Punch“ Alexander Schmiedel prügelt einen Boxsack, „Judy“ Barbara Galli-Jescheck taumelt, wankt und stürzt, wie von Schlägen getroffen, durch eine Tanzeinlage, die ihr bei der Premiere Szenenapplaus einbrachte.

Während Schmiedel für NBB-Fans ein alter Bekannter ist, stand seine Partnerin vorher noch nie in Bruck auf der Bühne. Als Ehefrau des langjährigen NBB-Regisseurs Philipp Jescheck verfolgt sie die Entwicklung des Theaters jedoch schon seit Jahren. Beide Darsteller leben ihre Rollen mit jeder Faser. Schmiedel schreit und tobt und schafft es immer wieder, sich perfide als der provozierte, drangsalierte Ehemann darzustellen.

Galli-Jescheck beherrscht alle Nuancen der naiven, langmütigen und endlich doch aufbegehrenden Ehefrau, die schließlich den Schritt wagt und Hilfe sucht. An dieser Stelle wird deutlich, dass das Stück ein gutes Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat. So kalt und gleichgültig, wie Judy bei Anwalt, Arzt und Sozialamt behandelt wird, würde heute wohl kein Opfer häuslicher Gewalt mehr abgefertigt.

Die Produktion stand unter keinem guten Stern. Nachdem der vorgesehene Regisseur kurzfristig wegen einer anderen Verpflichtung abgesprungen war, suchte Theaterleiter Harald Molocher händeringend nach einem Ersatz – und fand ihn passenderweise in Felix Ebner, der in England studiert und sich in der dortigen Theaterszene umgetan hat. „Er hatte zu dem Stück gleich eine Affinität“, so Molocher. Das merkt man der Inszenierung an, die verstörende und grotesk-komische Elemente kombiniert und dabei ein stimmiges Ganzes ergibt. 

von Ulrike Osman 

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