S-Bahn-Schütze von Unterföhring: Das Urteil ist gefallen

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Eine ungewöhnliche Freundschaft entwickelt sich zwischen Martha (l.) und Vicky.  

Viel Beifall für Paradiso

Neue Bühne thematisiert Alterseinsamkeit

Einsamkeit im Alter, Verfall, Endstation Pflegeheim – aus diesen traurigen Themen hat die österreichische Autorin Lida Winiewicz ein höchst unterhaltsames und dabei tiefgründiges Theaterstück gemacht. „Paradiso“ sorgt derzeit an der Neuen Bühne Bruck für ein volles Haus und begeisterte Zuschauer.

Fürstenfeldbruck „Paradiso“ ist ein Zwei-Frauen-Stück. Da ist Martha, über 80, herrisch, vereinsamt und wohlhabend, eine ehemalige Schuldirektorin, die jeden Tag auf einer Parkbank sitzt und Enten füttert. Und da ist Vicky, eine arbeitslose und ebenfalls einsame Krankenschwester, die sich eines Tages unaufgefordert dazusetzt. Martha ist zunächst misstrauisch, aber bald streiten beide genüsslich miteinander. Die Darstellerinnen hauen sich die Boshaftigkeiten um die Ohren, dass es eine reine Freude ist, ihnen dabei zuzusehen. Die pointenreichen, vor Schlagfertigkeit strotzenden Dialoge offenbaren Verletzlichkeiten und unangenehme Wahrheiten – und sind dabei so witzig, dass man trotzdem lacht.

Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Bald trägt Vicky keine selbstgestrickten Jacken mehr, sondern schicke, teure Klamotten. Und Martha lässt sich mitreißen in einen späten Strudel von Lebensgenuss. Der Zuschauer sieht all dies und gibt sich trotzdem keinen Illusionen hin, denn er weiß schon, wie es ausgehen wird. Die allererste Szene nimmt den traurigen Schluss vorweg.

„Paradiso“ spielt mit Gegensätzen. Hier die humanistisch bewanderte Bildungsbürgerin, die selbst im unpassendsten Moment noch Grammatik und Ausdrucksweise ihres Gegenübers korrigiert. Dort die zupackende Pragmatikerin, die zwar kein Latein kann, aber trotzdem ihren Stolz hat und weiß, wie man überlebt. Schleichend und unvermeidlich ist der Wandel der Abhängigkeiten zwischen den beiden Frauen und schließlich der Sieg der jüngeren Generation über die ältere.

Ellen Kießling-Kretz, eine Veteranin der Neuen Bühne Bruck, hat in der Vergangenheit immer wieder in schrulligen Oma-Rollen brilliert. So ist sie auch für den Part der grantigen Alten in „Paradiso“ die denkbar beste Besetzung. Marion Nitsch, die in Bruck zuletzt in Philipp Jeschecks Inszenierung von „Elektra“ zu sehen war, schafft den überzeugenden Gegenpart. Unter Harald Molochers feinfühliger Regie laufen beide zur Hochform auf und genießen es sichtlich, dieses schmerzhafte und doch warmherzige Stück lebendig werden zu lassen. (Ulrike Osman)

Weitere Vorstellungen

von „Paradiso“ an der Neuen Bühne Bruck finden statt am Freitag, 2. März (20 Uhr), Sonntag, 4. März (19 Uhr), Samstag, 10. März (20 Uhr) sowie am Sonntag, 11. März, (19 Uhr).

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