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In diesem Haus Auf der Lände kommen junge obdachlose Menschen unter.

Immer mehr Jugendliche auf der Straße

Neue Unterkunft für junge Obdachlose

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Ab sofort gibt es eine neue Unterkunft für jugendliche Obdachlose samt Beratungsstelle und Hilfsangeboten. Sitz ist in Fürstenfeldbruck Auf der Lände 11. Hintergrund ist eine erschreckende Entwicklung.

Fürstenfeldbruck – Die Zahl der jungen, tatsächlich obdachlosen Menschen steigt auch in der Region Bruck. Die Caritas und der Landkreis Fürstenfeldbruck sehen Handlungsbedarf. Sie haben daher eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die zum 1. Januar in Kraft trat.

Demnach schafft die Caritas mit finanzieller Unterstützung durch den Landkreis eine Anlaufstelle in der Brucker Innenstadt. Es handelt sich um eine Vier-Zimmer-Wohnung Auf der Lände 11, die die Stadt zur Verfügung stellt. Zwei Räume werden mit Einzelbetten ausgestattet, ein Zimmer mit einem Einzelbett und einem Notbett. Außerdem gibt es ein Büro für eine sozialpädagogische Fachkraft, die die jungen Leute beraten soll, eine Küche sowie einen Garten. Ziel letztlich ist es, jungen Leuten aus der Obdachlosigkeit herauszuhelfen, wobei das Problemfeld nicht allein die Wohnungssuche ist.

Denn betroffen sind vor allem junge Erwachsene, die prekären Familienverhältnissen entstammen. Obdachlos wurden sie häufig, weil sie aufgrund von häuslicher Gewalt oder unüberwindbaren Streitigkeiten nicht mehr bei ihrer Familie leben konnten. Ohne finanzielle und persönliche Unterstützung durch die Eltern scheitern viele junge Leute im Angesicht solcher Probleme. Oftmals, so heißt es in der Vereinbarung zwischen Caritas und Landkreis, müssten die jungen Leute bestimmte Arbeitstugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Durchhaltevermögen erst erlernen oder neu einüben.

Hintergrund des neuen Hauses ist die Entwicklung der vergangenen Jahre: Im Jahr 2012 wurden im Landkreis Fürstenfeldbruck 26 junge akut wohnungslose junge Erwachsene im Alter von 18 bis 27 Jahren gezählt. Im Jahr 2014 waren es schon 149, im Jahr 2015 sogar 199 Personen. Die genaueren Umstände konnten im Jahr 2014 bei 70 Personen analysiert werden und im Jahr 2015 bei 98 jungen Obdachlosen – inwieweit die Behörden Auskünfte bekommen, hängt auch von den Betroffenen selbst ab.

Die größte Gruppe stellen demnach die 18- bis 21-Jährigen. Nach Nationalitäten aufgeschlüsselt waren im Jahr 2015 54 Obdachlose deutscher Herkunft. 17 stammten aus anderen EU-Staaten, neun aus sonstigen. 18 waren Asylbewerber.

Neben der neuen Stelle gibt es bereits Einrichtungen für Obdachlose, für die eigentlich die Kommunen verantwortlich sind. Der Landkreis ist von Gesetzes wegen her für die Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten zuständig.

So gibt es seit 1995 die KAP (kurz für „Kapuzinerstraße“) der Caritas, eine Notschlafstelle mit acht Plätzen, einer Teestube, Kleiderkammer, Waschmöglichkeiten und einer Beratungsstelle. Auch hier wurden in der Vergangenheit junge obdachlose Erwachsene untergebracht. Allerdings ist das Klientel in der KAP in der Regel älter. Für junge Menschen mit hohem Schutzbedarf stelle die KAP aber nicht das geeignete Umfeld dar, heißt es in der Vereinbarung – insbesondere nicht für junge Frauen, die häufiger von Obdachlosigkeit betroffen sind als früher angenommen.

Das KAP soll in absehbarer Zeitin das frühere Hotel in der Hasenheide umziehen. Der alte Standort wird dann aufgegeben – das Haus wird wohl abgerissen und neuer Wohnbebauung weichen. Neben der KAP gibt es im Landkreis außerdem die Fachstelle Wohnen, die helfen soll, drohende Obdachlosigkeit und drohenden Wohnungsverlust schon zu verhindern, bevor er real wird – sprich, präventiv tätig zu werden.

Der Landkreis lässt sich die neue Kooperation für Jugendliche mit der Caritas im Jahr um die 120 000 Euro kosten. Damit sollen im Wesentlichen die Personalkosten getragen werden. Kosten der Unterbringung leisten die Kommunen, aus denen die Betroffenen stammen.

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