+
Wenn er abschalten will, steigt Andreas Vogelmeier auf eines seiner zwei Motorräder. In seiner legeren Freizeitkleidung ist der 47-Jährige dann nicht mehr als Militärdekan zu erkennen.

Fürstenfeldbruck

Neuer Militärpfarrer am Fliegerhorst mit rasantem Hobby

  • schließen

Er ist ein Spätberufener, sagt Militärdekan Andreas Vogelmeier über sich. Und nicht weit weg von seinem einstigen Traumberuf Soldat. Der Priester, der für sein Leben gern Motorrad fährt, kümmert sich um das Seelenleben seiner Soldaten – vom persönlichen Gespräch bis zur Taufe im Auslandseinsatz.

FürstenfeldbruckEs sind die Begegnungen mit Menschen, die seinen Beruf so besonders machen, erzählt Andreas Vogelmeier. Der 47-Jährige sitzt in Jeans und Karo-Hemd im ökumenischen Besprechungszimmer, einem kleinen Raum im katholischen Militärpfarramt des Fliegerhorstes. Dass man einen Priester vor sich hat, ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Auch die Soldaten würden schon mal fragen, wann der Pfarrer komme, erzählt Vogelmeier und lächelt verschmitzt. „Dann sage ich, der Pfarrer ist schon da.“

Seit Januar am Fliegerhorst

Seit Januar ist der 47-Jährige am Fliegerhorst, bis Mai war er zeitweise noch an seiner vorherigen Stelle in Bad Reichenhall. Zu offiziellen Anlässen trage er schon Priestergewand oder die Uniform, sagt er. Im Alltag hält er es legerer. Denn trotz seines Amtes als Militärdekan ist er nicht Teil der strengen Hierarchie der Bundeswehr, kennt aber die Lebenswelt der Soldaten. Vor allem aus den Auslandseinsätzen. „Wir teilen alles: Heimweh, Hunger, Essen, Staub.“

Vogelmeiers Vater war Offizier, er selbst hat Wehrdienst geleistet. So konnte er die Frage seines Ausbilders, ob er sich die Militärseelsorge vorstellen könne, rasch mit Ja beantworten. „Die Bundeswehr prägt auch im Positiven“, findet der Pfarrer. „Man hat mit vielen Menschen zu tun, die die Kirche vielleicht schon verloren hat.“ Denn egal ob es um zu wenig Anerkennung, die Trennung von der Freundin, den eigenen Glauben oder eine Lebenskrise geht – die Menschen kommen zum Pfarrer, wenn ihnen etwas auf der Seele liegt. Hauptsächlich seien es Männer, sagt Vogelmeier. Männer, an die die Kirche außerhalb der Kaserne nur schwer rankommt. Doch gerade die Zeit bei der Bundeswehr bringe viele zum Nachdenken. Immer wieder entsteht durch einen Auslandseinsatz oder das persönliche Umfeld der Wunsch, getauft zu werden oder zum katholischen Glauben zu konvertieren.

Taufe im Kriegsgebiet

Unvergessen für den neuen Militärdekan bleibt eine Taufe mitten im Kriegsgebiet in Afghanistan im Oktober 2011. Vogelmeier hatte den Soldaten innerhalb von zwei Wochen vorbereitet. „Ich wurde im Hubschrauber eingeflogen. Sein ganzer Einsatzzug war dabei, und hat die Taufe und Firmung bei untergehender Sonne in der Wüste mitgefeiert.“

Solche Begegnungen und Erlebnisse bestätigen ihn in seiner Berufswahl. Denn vor seiner Berufung hat Vogelmeier acht Jahre in München und Berlin Trompete und Klavier studiert. „Da habe ich schon gemerkt, dass ich in Gedanken nicht mehr bei der Musik bin.“ Die Kirche war ihm nicht fremd, schließlich war er 17 Jahre Ministrant und die Heimatgemeinde war seine zweite Familie. Auch Liturgie begeisterte ihn. „Doch Pfarrer wollte ich nie werden.“ Denn seine vier Traumberufe waren Feuerwehrmann, Soldat, Polizist und Sanitäter. Dann aber waren es Erlebnisse mit Menschen in seiner Heimatgemeinde, die den Gedanken reifen ließen, Priester zu werden. Seine Mutter habe es immer geahnt, sein Vater ihn ebenfalls unterstützt.

Priesterweihe in München

Vogelmeier begann im Studienhaus St. Lambert in Lantershofen das Studium auf dem dritten Bildungsweg. 2005 wurde er in München zum Priester geweiht. Nach fünf Jahren als Diakon und Kaplan in Pfarreien wechselte er zunächst nach Stetten am kalten Markt und fünf Jahre darauf zu den Gebirgsjägern nach Bad Reichenhall. „All meine Träume führten dahin, wo ich jetzt bin“, sagt er in der Rückschau. Denn er ist seit Jahren bei der Feuerwehr engagiert, fuhr schon als Diakon im Rettungswagen mit und hatte auch Aktionen mit der Polizei. „Ich kann alles verwirklichen.“

Hobby Motorrad

Als er die Nachfolge von Alfons Hutter als Stellvertreter des Leitenden Militärdekans antreten sollte, wechselte Andreas Vogelmeier nach Fursty. Er kümmert sich neben der Seelsorge und Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Bestattungen sowie die Familienbetreuung auch um den lebenskundlichen Unterricht. Dreimal war Vogelmeier im Auslandseinsatz: in Afghanistan, auf dem Balkan und im Irak. Auch er stößt bisweilen an seine Grenzen. „Ich habe auch nicht immer Antworten.“ Doch er habe Rituale entwickelt, um mit diesen Situationen umzugehen. Völlig cool bleiben könne man aber nicht, denn es gehe um Menschen. „Doch man darf auch nicht jedes Mal mit sterben.“

Zum Abschalten setzt er sich auf eines seiner zwei Motorräder – ein Hobby, das er mit vielen Soldaten teilt. Nächstes Jahr plant er ein Motorradwochenende, auch Segnungen hat er schon gemacht. Gerne hätte er mehr Zeit für seine weiteren Hobbys, etwa die Jagd oder die Modelleisenbahn. Und auch bei der Feuerwehr will er sich eines Tages wieder engagieren, um einem weiteren seiner vier einstigen Traumberufe näher zu kommen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ausgelassene Partystimmung auf dem „Electric Summer“-Festival
Die Premiere des ersten „Electric Summer“-Festivals in Mammendorf ist laut dem Veranstalter Manuel Mrasek mehr als geglückt.
Ausgelassene Partystimmung auf dem „Electric Summer“-Festival
24-Jähriger schlägt mit Hammer um sich, randaliert und greift Polizisten an
Ein 24-Jähriger ist am Sonntagabend in Germering völlig ausgerastet. Er schlug mit einem Hammer um sich und griff am Ende sogar Polizisten an. 
24-Jähriger schlägt mit Hammer um sich, randaliert und greift Polizisten an
Zeuge verfolgt Flüchtige mit dem Fahrrad: Polizei schnappt diebisches Trio
Mit Hilfe  mehrerer Zeugen ist es der Polizei gelungen, drei junge Männer zu schnappen. Sie hatten versucht, in ein Bekleidungsgeschäft in Bruck einzusteigen - und haben …
Zeuge verfolgt Flüchtige mit dem Fahrrad: Polizei schnappt diebisches Trio
Blaulichtticker: Betrunken auf der Autobahn unterwegs
Rund um die Uhr sind Polizei und Feuerwehr im Landkreis Fürstenfeldbruck einsatzbereit. Wohin sie unterwegs sind und warum, erfahren Sie im Blaulicht-Ticker.
Blaulichtticker: Betrunken auf der Autobahn unterwegs

Kommentare