Valetin Wendebourg ist jetzt Pfarrer in der evangelischen Erlöserkirche. Begeistert ist er von den Musikgruppen. foto: pw

Erlöserkirche

Neuer Pfarrer entdeckt Fürstenfeldbruck

Valentin Wendebourg hat das Thema Glauben und Religion stets kritisch hinterfragt. Diese Auseinandersetzung hat ihn auf dem Weg zum Pfarrer begleitet. 

Fürstenfeldbruck – Seine Erfahrungen will er in der Erlöserkirche einbringen – durch neue Impulse und das Lernen von anderen Glaubensrichtungen.

Seit März ist Valentin Wendebourg an der evangelischen Erlöserkirche – seiner ersten Pfarrstelle. „Ich bin dabei, Fürstenfeldbruck zu entdecken, erzählt der 32-Jährige: groß und schlank, dunkle Jeans, weißes Hemd und dunkles Sakko. Er stammt aus einer norddeutschen Pfarrerfamilie – das verrät sein Zungenschlag – und ist in Bayern aufgewachsen.

Dass Vater und Großvater Pfarrer sind, bedeute nicht zwangsläufig, dass man diese Familientradition fortsetze. Seine drei Geschwister haben weltliche Berufe ergriffen, Wendebourg entschied sich anders. „Es ist eine schöne Tradition, die ich gerne gewählt habe.“

Bewusst wurde ihm das in seiner Zeit bei der Bundeswehr. Denn dort wurde er mit einem kirchenkritischen Umfeld konfrontiert. Er merkte, dass Glaube für viele Menschen nicht selbstverständlich ist. „Der Glaube prägt einen ganz anderen Blick auf das Leben.“ Besonders in einer Welt, in der Befehl und Gehorsam an der Tagesordnung stehen, fragte Wendebourg sich immer wieder, ob es neben blindem Vertrauen nicht noch eine andere Norm gibt. Er fand sie in der Religion. „Während dieser Zeit habe ich mich entschieden, Theologie zu studieren.“

Auch auf die Religion warf er einen kritischen Blick – beim Philosophie- und Geschichtsstudium in Tübingen, Berlin und Göttingen, aber auch im Ausland. In Japan setzte er sich mit der fernöstlichen Religion des Shintoismus und Buddhismus auseinander, besuchte Klöster und Meditationen. Nur so könne man verstehen, warum die Gesellschaft so anders sei.

Sein Vikariat führte ihn nach Berlin-Kreuzberg. „Es war spannend, etwas ganz anderes.“ Wendebourg erlebte ein Umfeld, in dem Kirche bei vielen keine Rolle spielt. Er sah das als Chance, Neugier auf Kirche zu wecken. Als einer von vielen Anbietern musste man erfinderisch sein.

„Wir haben Gottesdienste in Markthallen gefeiert und über Facebook eingeladen. Es gab ein Obdachlosen-Frühstück, zu dem viele kamen.“ Gerade die soziale Armut machte ihm den diakonischen Auftrag bewusst: sich um die Menschen kümmern die wirklich Hilfe brauchen. Wendebourg besuchte auch die modernen amerikanischen Kirchen, die in Bars und Kinos Gottesdienste feierten. „Ich wollte schauen, warum die Menschen dorthin gehen.“

Um den Schnittpunkt zwischen Kirche und Politik kennenzulernen, ging der 32-Jährige ein Jahr zur Europäischen Vertretung der Evangelischen Kirche Deutschlands nach Brüssel. Er präsentierte das Reformationsjahr und lernte die politische Rolle der Kirche kennen. „Die Kirche soll ihre Stimme erheben, aber sie darf keine Forderungen stellen, die Pfarrer und Gläubige nicht einlösen können.“

All seine Erfahrungen will Wendebourg in Bruck einbringen. „Eine Kirchengemeinde mit irrem Musikprogramm ist schon was tolles“, sagt der passionierte Sänger, Geiger und Bratschist. Die vielen Gruppen will er mehr einbinden. „Gottesdienste leben stark von der Musik.“ Ein weiterer Schwerpunkt sind Kinder und Familien. Hier will Wendebourg mit seinem Team ein Gesamtkonzept erarbeiten.

In der Amperstadt schätzt er die religiöse Vielfalt. Kontakte sind bereits geknüpft, auch die rumänisch-orthodoxe Osternacht hat der 32-Jährige zufällig miterlebt. Gerade in Sachen Beteiligung könne man viel von der Freien Evangelischen Gemeinde lernen. „Da steht ein Schlagzeug am Altar – warum nicht auch bei uns.“ Auch die gewachsene Ökumene will er mit seinem neuen katholischen Kollegen Otto Gäng fortführen.

Mit seiner Ehefrau ist Valentin Wendebourg nach Bruck gezogen. Er genießt die Erholung in der Natur und das kulturelle Angebot in Fürstenfeld. Viel Zeit hat er dazu noch nicht. Er muss erst alles kennenlernen, um zu sehen, welche Impulse er setzen kann. Auch hier wird er sein Wirken kritisch hinterfragen und seinen eigenen Weg gehen. „Wenn man aus so einer Tradition kommt, möchte man Dinge nicht einfach übernehmen, weil sie schon immer so waren.“ (imu)

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