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Zusätzliche Info-Schilder sollen umstrittene Straßennamen in ihren historischen Kontext einordnen. Die Ersten wurden jetzt montiert. 

Fürstenfeldbruck

NS-Straßennamen: Zusatzschilder hängen

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Sechs Jahre wurde in der Kreisstadt gestritten, wie mit aus der Nazi-Zeit belasteten Straßennamen umgegangen werden soll. Die Lösung: Kleine Infotafeln unter den betroffenen Straßenschildern. Jetzt wurden die ersten offiziellen Tafeln montiert.

Fürstenfeldbruck – Im April 2018 hatte der Stadtrat bereits mehrheitlich beschlossen, dass Straßen wie die Wernher-von-Braun-, die Hindenburg- und die Langbehnstraße nicht umbenannt werden sollen, sondern die genannten Personen mit Hilfe von Infotafeln erklärt und historisch eingeordnet werden. Ein Arbeitskreis hat schließlich die Texte für die Zusatzschilder erarbeitet. Die Text-Vorschläge wurden im April 2019 vom Stadtrat abgesegnet – gegen den Widerstand der SPD, die weiter eine Umbenennung der Straßen forderte.

Einen Zusatz ohne weitere personenbezogene Angaben sollten die Straßenschilder der Ederer-, Eschenauer-, Von-Gravenreuth-, Josef-Priller-, Zenetti- und Lützowstraße erhalten. Diese wurden schon angebracht. Darauf ist zum Beispiel folgender Text zu lesen: „Die Benennung der Straßen in diesem Gebiet nach Luftwaffenoffizieren des Zweiten Weltkriegs erfolgte 1962 und entsprach dem damaligen Traditionsverständnis in Gesellschaft und Bundeswehr. Sie ist heute umstritten.“

Weitere Schilder folgen

Größere Hinweistafeln mit ausführlicheren, auf die jeweilige Person zugeschnittenen Beiträge sind für die Straßenschilder der Wernher-von-Braun-, der Hindenburg- und der Langbehnstraße vorgesehen. Diese sind allerdings noch nicht montiert. Dabei wird auf die Verbindung zum Nationalsozialismus beziehungsweise zu antisemitischem und rassistischem Gedankengut hingewiesen. Während die Langbehnstraße erst im Zuge der Umgestaltung im Rahmen der Dorferneuerung Zusatzschilder erhalten wird, sind die anderen bereits beauftragt.

Zügiges Vorgehen

Mit der Anbringung der Infotafeln könnte ein jahrelanger Streit in der großen Kreisstadt vorerst sein Ende finden. Zwischenzeitlicher Höhepunkt der Auseinandersetzung war der Dezember 2018. Damals hatte Oberbürgermeister Erich Raff eigenmächtig Zusatzschilder an den umstrittenen Straßen anbringen lassen, obwohl die vom Stadtrat beauftragte Arbeitsgruppe gerade dabei war, die Text dafür zu erarbeiten. Raff begründete sein Vorgehen damit, dass von den Bürgern ein zügiges Vorgehen gewünscht werde und das für ihn wichtiger sei als Stadtratsbeschlüsse.

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Daraufhin schalteten Stadträte der Grünen und der SPD die Kommunalaufsicht ein und drohten dem Oberbürgermeister mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Raff lenkte schließlich ein und ließ die Schilder wieder entfernen. Kritik war aber nicht am Vorgehen des Stadtoberhaupts entsprungen, sondern auch an den Texten, die auf den Infotafeln zu lesen waren. So waren dort auch inhaltliche Fehler zu finden. Die Debatte hatte sich ursprünglich nur an der Wernher-von-Braun-Straße entfacht. Nach dem Raketenwissenschaftler und SS-Offizier war im nahen Friedberg ein Gymnasium benannt. Als von Brauns tiefere Verstrickung mit den Vernichtungs- und Arbeitsprogrammen der Nazis aufkam, wurde das Gymnasium 2014 schließlich umbenannt.

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