SCF-Insolvenz abgewendet

OB rettet Pleite-Club mit Geld aus Stadtkasse

Der SC Fürstenfeldbruck ist gerettet. Neben Sponsoren gibt die Stadtverwaltung nochmal 30 000 Euro, um das Insolvenzverfahren abzuwenden – eine Entscheidung von OB Raff. Nach seinem Alleingang hagelt es Kritik von den Stadträten.

Fürstenfeldbruck – „Dem aktuellen Vorstand des SC Fürstenfeldbruck ist es in letzter Minute gelungen, die als notwendig erachtete Summe zur Sanierung des Vereins aufzubringen“, verkündete der Münchner Rechtsanwalt Oliver Schartl gestern nach einem Termin am Amtsgericht. „In den kommenden Wochen wird nun versucht, mit den Gläubigern, insbesondere dem Finanzamt Fürstenfeldbruck, außergerichtliche Vergleiche zu schließen.“ Ist die Zahlungsunfähigkeit des Vereins abgewendet, ist auch der Insolvenzantrag vom Tisch.

Ausschlaggebend für die Abwendung der drohenden Pleite des Fußball-Bezirksligisten ist die Zusage von Brucks OB Erich Raff (CSU), mit 30 000 Euro die noch fehlende Summe zu den geforderten 100 000 Euro beizusteuern. Das Geld stammt aus laufenden Pflegeverträgen für den Unterhalt des Stadions. Pro Jahr sind 10 000 Euro vereinbart – die Stadt zahlt jetzt quasi für drei Jahre im Voraus. Die weiteren 70 000 Euro setzen sich aus Spenden sowie Geldern von Sponsoren zusammen, die SCF-Präsident Jakob Ettner in den letzten Tagen gesammelt hat.

Ob die Stadt dem SCF nochmals Geld geben sollte, wurde in den Stadtratsfraktionen kontrovers diskutiert. Umso mehr verwundert die Politiker nun Raffs Alleingang. Die Reaktionen reichen von sprachlos bis verärgert. Jan Halbauer (Grüne) kündigt eine formelle Prüfung des Vorgangs an. „Die Frage ist, ob der OB da zu mutig war.“ Für Raffs Vorgehen hat Halbauer kein Verständnis. „Ich bin baff, ich hätte erwartet, dass zumindest die Fraktionsvorsitzenden informiert werden.“ Mehrmals sei das Thema von der Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzungen genommen worden. „In ein schwarzes Loch Geld reinschütten, macht keinen Sinn.“

Auch Klaus Wollenberg (FDP) ist fassungslos. „Das ist unmöglich, dieser Alleingang ist nicht lobenswert.“ Da stelle sich die Frage, ob Raff seine Kompetenz überschritten habe. Verstehen kann Wollenberg den Schritt. Bei einer Insolvenz erleide die Stadt einen höheren Verlust. Doch im Gegenzug für die Finanzspritze fordert Wollenberg Mitspracherechte: „Wenn die Stadt dem SCF unter die Arme greift, muss sie ab sofort ein Mitwirkungsrecht bei den Finanzen haben.“ Ein städtischer Mitarbeiter oder ein Repräsentant müsse als Aufpasser alle Ausgaben absegnen.

Die Hopplahopp-Entscheidung des OB stört auch Philipp Heimerl (SPD). Sicher sei Hilfe für die Jugendlichen, Trainer und Ehrenamtlichen wichtig. Doch der Verein habe massive Probleme mit den Finanzen und dem Verantwortungsbewusstsein. Den Verantwortlichen fehle die Einsicht. „Die neue Vereinsführung wirkt nicht stabil und solide.“

Die Brucker Bürgervereinigung (BBV) ist in dieser Frage gespalten. Fraktionschef Thommy Beer: „Es ist in Ordnung, wenn man dem Verein ein allerletztes Mal unter die Arme greift.“ Aber jetzt müsse endlich Ruhe einkehren.

Auch die CSU wurde vom Alleingang des Parteikollegen überrascht. Die Summe liege im Entscheidungsspielraum des OB, sagt Fraktionssprecher Andreas Lohde. Daher sei es in Ordnung, gerade um noch größeren finanziellen Schaden von der Stadt abzuwenden. Die Leidensgrenze bei seinen Stadtratskollegen sei aber erreicht. „Man kann einen Verein aufgrund von Misswirtschaft nicht besser behandeln als andere, die ordentlich wirtschaften.“ Maßgeblich sei nun, den SCF auf ordentliche Füße zu stellen. Jan Halbauer fordert eine Mitgliederversammlung mit Aussprache und ein Konzept.

SCF-Präsident Ettner ist derweil erleichtert. „Ich bin nur noch müde.“ Die persönlichen Angriffe in den vergangenen Monaten hätten ihm weh getan. „Mir ist jedenfalls nicht nach Feiern zumute nach dieser monatelangen Schlammschlacht.“ Er hoffe nur, dass sich die Vereinsmitglieder von einigen Leuten distanzieren, so Ettner.

Den Termin für die nach der Satzung längst überfällige Jahreshauptversammlung benannte Ettner noch nicht. Er wolle erst einmal Kräfte für die Gläubiger-Gesprächesammeln. Wenn alles in trockenen Tüchern sei, werde die Versammlung terminiert.

Ettner soll unbestätigten Angaben zufolge die von ihm zusammengebrachten Gelder von seiner Wiederwahl abhängig gemacht haben. Das löst bei den um seine Ablösung bemühten Vorgängern neuen Unmut aus. Ex-Präsident Albrecht Huber: „Das ist ja wie bei Putin.“ Er und die Retter-Crew um die Stadträte Karl Danke (BBV) und Markus Droth (CSU) wollen am Samstag über das weitere Vorgehen beraten. Klar ist für Huber: „Ettner muss sich eindeutig zum Verein bekennen.“

Das war die Online-Erstmeldung.

(Ingrid Zeilinger und Peter Loder)

Kommentar: 

Mögen sich die einen diebisch darüber freuen, mit einem Last-Minute-Akt die Pleite im 99. Jahr des Vereinsbestehens verhindert zu haben. Und mag es auch sein, dass die Rettung des SC Fürstenfeldbruck nur durch eine Zuschussvorauszahlung möglich gemacht wird. In der öffentlichen Wahrnehmung bleibt es die indirekte Sanierung eines Vereins auf Kosten der Steuerzahler. Und nicht nur das hinterlässt ein schales G’schmäckle. Unter Umgehung demokratischer Abstimmungspraktiken hat ein sport-affiner OB dank seiner Machtfülle die Existenz eines Clubs gerettet, der schon seit Jahrzehnten mit mehr oder weniger durchschaubaren Aktionen und Bilanzen das Fußballvolk verblüfft. 

Zweifellos wäre eine Insolvenz dem Rathaus im Hinblick auf die etwas ungereimte Finanzierung des Kunstrasens noch teurer zu stehen gekommen. Doch das Risiko ist weiterhin unkalkulierbar. Zumal keiner weiß, wie berechenbar ein Präsident ist, der längst schon fällige Zuschussauszahlung durch den Bayerischen Landessportverband verzögert und einstige Funktionärskollegen mit Strafanzeigen überzogen hat. Nebenkriegsschauplätze angesichts einer Vereinsstruktur, bei der Schlammschlachten Gen-bedingt sind. Schön wäre es, in drei Jahren (oder schon zum Jubiläum 2019) schreiben zu können: Ein grundsolide geführter Verein, dessen sportliche Zukunft an glorreiche vergangene Zeiten anknüpft. Schwer vorstellbare Zeilen – außer vielleicht im Märchenbuch. Peter Loder

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