+
Raff, bei der Vereidigung

Aus dem Stadtrat

OB vereidigt und Vize gewählt

  • schließen

Großes Stühlerücken in der Führungsriege der Stadt: Nach der Vereidigung von OB Erich Raff (CSU) wurde auch der Posten des Vize-Bürgermeisters neu besetzt. Außerdem trat ein Stadtrat zurück und zwei neue kamen dazu.

Fürstenfeldbruck – Es war ein äußerst knappes Ergebnis: Mit 22 zu 18 Stimmen hat der Stadtrat Christian Götz von der Brucker Bürgervereinigung (BBV) als neuen stellvertretenden Bürgermeister gewählt. BBV-Fraktionsvorsitzender Klaus Quinten hatte ihn in der jüngsten Sitzung des Gremiums vorgeschlagen.

Wollenberg, enttäuscht.

Den Kürzeren zog dagegen Klaus Wollenberg (FDP), den sich OB Erich Raff und die CSU eigentlich als Stellvertreter gewünscht hatten. Der von Franz Neuhierl (Freie Wähler) vorgeschlagene Kandidat bekam nur 18 von 40 Stimmen. Raff hatte sich in der Sitzung nicht mehr zu seinem Wunschkandidaten geäußert. Abgestimmt wurde in geheimer Wahl in der Kabine.

Götz (47), der seit drei Jahren im Stadtrat sitzt, freute sich über den Sieg. „Ich bin gespannt“, sagte der Biologe und dreifache Vater am gestrigen Mittwoch auf Tagblatt-Nachfrage. Er hoffe, dass er seine Kompetenzen im Bereich Umwelt, Kultur und junge Familien einbringen könne. Er wolle auch auf die jungen Brucker zugehen. „Wir müssen an der katastrophalen Beteiligung bei der OB-Wahl arbeiten.“ Der Zusammenarbeit mit OB Raff sehe er positiv entgegen. „Ich glaube, dass wir persönlich gut auskommen könnten.“ Nun ist Götz bis 30. April 2020 gewählt.

Klaus Wollenberg zeigte sich am Mittwoch enttäuscht. „Es wäre schön gewesen, wenn es geklappt hätte.“ Nach Tagblatt-Informationen hatten BBV, SPD und Grüne im Vorfeld einige Hebel in Bewegung gesetzt, um den von ihnen favorisierten Götz als Vize durchzuboxen. Als Dritte Bürgermeisterin bleibt weiterhin Karin Geißler (Grüne) im Amt. Damit ist die Stadtspitze schwarz-blau-grün.

Wie angekündigt auf eigenen Wunsch aus dem Gremium ausgeschieden ist in der jüngsten Sitzung Axel Lämmle (46) von der SPD. „Ich muss nun andere Prioritäten setzen, und das sind meine Kinder“, sagte der im weißen Hemd und Hosenträgern erschienene SPDler.

Lämmle, mit Plakat

15 Jahre lang saß der „alte Wilde“, wie er sich selbst bezeichnet, im Stadtrat. „Es waren die 15 schönsten und schlimmsten. Ich entschuldige mich auch bei all denen, denen ich zu nahegetreten bin.“ Aber Leidenschaft für eine Sache bedeute manchmal auch, dass man streiten müsse.

SPD und CSU bedankten sich für die Zusammenarbeit. Von Stadtrat Florian Weber, Ortsvorsitzender der Partei „Die Partei“, bekam Lämmle für seinen Rücktritt ein Plakat. Die „Entpolitisierung von Lämmle“ sei ein Punkt auf der Partei-Agenda und damit schon vor 2020 abgehakt, freute sich Weber.

Doch der „alte Wilde“ widersprach. Er sei lediglich aus dem Gremium ausgetreten, keineswegs entpolitisiert, so Lämmle, der zweimal für die Sozialdemokraten als OB-Kandidat angetreten und sieben Jahre lang Fraktionsvorsitzender der Brucker SPD war. Seinen Platz im Stadtrat nimmt Mirko Pötzsch (50) ein, der bereits in der vorherigen Wahlperiode für sechs Jahre im Stadtrat gesessen hatte. Er übernimmt auch den Posten als Verkehrsreferent.

Die BBV, mit Vize Götz (Mitte)

Das Amt des Sportreferenten, das Erich Raff mit seiner Wahl zum OB abgeben muss, bekleidet bis zur Stadtrats-Neuwahl 2020 Martin Kellerer (CSU). Weil Raff nun OB ist, musste für ihn außerdem ein CSU-Stadtrat nachrücken. Karlheinz Stoklossa (75) verzichtete. Deshalb rückte nun der Nächste auf der Liste nach – der Elektromechaniker Peter Glockzin.

Raff selbst wurde in der jüngsten Sitzung von Dritter Bürgermeisterin Karin Geißler vereidigt. Die Amtskette hängte er sich nur kurz um. Danach verschwand das Stück wieder in der hölzernen Schachtel, in der es gut verwahrt wird. 

Kommentar: 

„Das ist der Anfang der Zukunft“ – möge dieser Satz, der einer Stadträtin in der jüngsten Sitzung der Kommunalpolitiker entwischte, sich hoffentlich nicht bewahrheiten. Denn er war ihr herausgerutscht, nachdem sich einige der Stadträte wie im Kindergarten gezofft hatten. Der eine unterstellte der anderen, sie sei nicht vorbereitet, woraufhin diese ihre Abneigung gegenüber dem Kollegen zum Ausdruck brachte. Dann mischte sich der Dritte ein und so weiter. Eine unverständliche Streiterei. Schließlich sollten die Stadträte jetzt den Wahlkampf-Modus ausschalten und die Stadt gemeinsam mit dem OB und seinem Stellvertreter wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Bruck braucht jetzt fähige Entscheider, die sich auf das Wesentliche – nämlich ihre Aufgabe, im Wohle der Stadt zu handeln – konzentrieren. Und nicht auf Kindergarten-Zankereien. Zusammenhalt statt Zwist ist angesagt. (Verena Usleber)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Judenmörder“: Die dunkle Vergangenheit der Brucker Polizeischule
Kaum jemand wusste über die dunkle NS-Vergangenheit der Polizeischule in Fürstenfeldbruck Bescheid - bis der Gröbenzeller Historiker Sven Deppisch (35) mit seiner …
„Judenmörder“: Die dunkle Vergangenheit der Brucker Polizeischule
Jugendliche prügeln Mann (63) aus der S3 - mutige Zeugin macht Handyfotos
Am Dienstagabend kam es in einer S3 am Hauptbahnhof zu einer brutalen Tat. Mehrere Jugendliche attackierten einen 63-Jährigen.
Jugendliche prügeln Mann (63) aus der S3 - mutige Zeugin macht Handyfotos
Proteststürme auf der Johannishöhe
Ein erster Vorentwurf für den Straßenausbau der Johannishöhe liegt auf dem Tisch. Der sieht einen Gehweg auf ganzer Länge und eine fünf Meter breite Straße vor. Im …
Proteststürme auf der Johannishöhe
Zwei Wortmeldungen, dann war’s schon vorbei
Entweder sie haben sich noch nicht vom Schock über die Kosten der Wassernetzsanierung erholt. Oder aber die Allinger sind trotz allem ganz zufrieden mit ihrer Gemeinde. …
Zwei Wortmeldungen, dann war’s schon vorbei

Kommentare