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Diese Foto wurde von einem Pendler aufgenommen. Zu sehen sind die Obdachlosen, die in Schlafsäcken im Parkdeck schlafen.

Pendler fühlten sich belästigt

Obdachlose lagern im Parkdeck am Bahnhof

Fürstenfeldbruck – Auf der Suche nach geeigneten Schlafplätzen sind Menschen ohne Obdach kreativ – und nicht gerade wählerisch.

Eine Gruppe hatte das teilweise überdachte Parkdeck am Bahnhof als Unterkunft entdeckt. Passanten und Pendlern, die spätabends von der S-Bahn kamen, fanden das gar nicht komisch. Viele fühlten sich belästigt, auch die Polizei wurde eingeschalten. Doch die Inspektion war machtlos, wie Inspektionssprecher Michael Fischer erklärte. Den Beamten seien die Vorkommnisse bekannt. „Doch solange die Wohnsitzlosen nicht straffällig werden, haben wir keine Handhabe.“

Nach Erkenntnissen der Polizei nächtigte die Gruppe zeitweise auch in einem alten Auto, dann wieder auf Matrazen im Freien. Es handelte sich um zwei bis vier Slowaken, die sich zuvor Abrisshäuser und Garagen als Übergangswohnungen gesucht hätten. Etliche Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und ähnlichen Delikten seien bei der Brucker Inspektion schon eingegangen. „Doch keiner fühlt sich zuständig“, klagt Fischer. Die Inspektion könne nur die Anzeigen der Bürger aufnehmen und weiterleiten. Aber weder die Ausländerbehörde im Landratsamt noch die Staatsanwaltschaft sei tätig geworden.

Während die Obdachlosen und ihre teilweise ekligen Hinterlassenschaften für diese Behörden offenbar kleine Fische sind, klagt der Polizeisprecher von einem „Kampf gegen Windmühlen“. Zwar will eine Tagblatt-Leserin „Randale am Parkdeck“ beobachtet haben, doch konkrete Straftaten hat die Polizei bislang keine registriert. Im Brucker Rathaus war das Ordnungsamt aber mittlerweile auf die jungen Slowaken aufmerksam geworden.

Beamte haben dem Parkdeck-Trio einen Besuch und sie aufgefordert, den Open-Air-Schlafplatz zu räumen. Die jungen Männer wurden an die Münchner Bahnhofsmission verwiesen. Grundsätzlich, so Rathaus-Sprecherin Susanna Reichlmaier, stelle das Übernachten auf öffentlich gewidmeten Flächen rechtlich eine unerlaubte Sondernutzung dar. Weshalb die Stadt in diesem Fall auch von ihrem Hausrecht Gebracht gemacht habe.

Im Fall der drei Obdachlosen aus dem EU-Land Slowakei habe sich ferner herausgestellt, dass sie von Seiten der Stadt keine sozialen Leistungen zu erwarten haben und das Rathaus auch nicht für ihre Unterbringen in einem Obdachlosenheim zuständig sei. „Sie haben hier nicht ihren Lebensmittelpunkt und bemühen sich auch nicht darum“, so Reichlmaier. Gegenüber den prüfenden Beamten hätten die Ausländer angegeben, dass sich nicht auf Arbeitssuche wären, sondern in Bruck vom Betteln leben wollten. Mittlerweile haben die Slowaken nach Erkenntnissen der Behörden das Stadtgebiet verlassen.

lo

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