+
In der Fliegerhorstkirche hat Alfons Hutter Gottesdienste gefeiert, Ehen geschlossen und Kinder getauft. Der Militär-Dekan war immer für seine Soldaten da. 

Im Gespräch mit Alfons Hutter

Offizierschule der Luftwaffe: Der Soldaten-Seelsorger nimmt Abschied

  • schließen

Ob im Ausland oder an der Offizierschule: Wenn Soldaten ein offenes Ohr suchen, ist Militärdekan Alfons Hutter da. Nun nimmt der katholische Seelsorger Abschied von Fursty. Ganz verlässt er die Militärseelsorge aber nicht.

Fürstenfeldbruck – Wenn Alfons Hutter über das Fliegerhorst-Gelände läuft, muss er viele grüßen. Ob Personal oder Offizieranwärter – fast jeder kennt den Mann mit schwarzem Hut und runder Brille. Er pflegt den Kontakt zu allen. Seine Devise: „Ein einfacher Soldat ist ihm genauso wichtig wie ein General.“ Respekt, der allerorts gewürdigt wird.

Wenn der 65-Jährige im lebenskundlichen Unterricht die Soldaten in seiner offenen und direkten Art in ethischen Fragen berät, hören die Flugschüler zu. Er beantworte Fragen, will sie darauf einstellen, was sie im Auslandseinsatz erwartet. „Sie sagen oft, Pfarrer, lass’ den Film sausen, ich will dich hören“, erzählt Hutter. Denn er war in Afghanistan und erzählt von seinen Erfahrungen. Und auf das, was die jungen Menschen erwartet. „Da sind Leute dabei, die waren noch nie länger als eine Woche von ihrer Freundin getrennt.“

Seit 17 Jahren ist Alfons Hutter Militärdekan, zeitweise war er stellvertretender Wehrbereichs-Dekan für Bayern. Zur Militärseelsorge kam er durch seinen Eichstätter Heimatbischof Walter Mixa. Er habe gemeint, das sei doch etwas für ihn, erinnert sich der Seelsorger. „Die suchten einen älteren Pfarrer.“ Er war damals 48 Jahre und sagte zu. „Ich hatte nicht viel Zeit zum Nachdenken.“

Vier Jahre war Hutter in Mittenwald, sechs in Amberg, bevor er an den Fliegerhorst kam. Es war der erste Kontakt zum Militär. „Ich habe ein Jahr gebraucht mit den Dienstgraden.“ Die seien für ihn auch nicht wichtig. Er spricht die Soldaten mit ihrem Vornamen an.

In Fursty kommen sie mit allen Problemen zum Pfarrer: Beziehungs-Aus, ein Todesfall in der Familie oder anderes. „Das allerwichtigste ist Zuhören“, sagt Hutter. „Ich gebe es an Gott ab.“ Er betet mit den Soldaten, egal ob Christ oder Atheist. Viele Sorgen seiner Schützlinge nimmt Hutter mit, wenn er zum Gebet in Fursty raus in die Natur geht. Die Zeit schaufelt er sich frei. „Ich habe bei der Bundeswehr das Beten neu gelernt“, sagt er. Mit seinen eigenen Methoden. „Ich habe schon viel im Wald gesungen.“

Viermal war Alfons Hutter im Auslandseinsatz – dreimal in Afghanistan und einmal im Kosovo. Dort lebt er gemeinsam mit den Soldaten in einem goldenen Käfig, wie er es ausdrückt. Rückzugsmöglichkeiten gibt es keine. „Aber das schweißt zusammen.“ Der Seelsorger betreut die Soldaten in einer Ausnahmesituation. Sie müssen den Verlust eines Kameraden verkraften oder töten selbst einen Menschen. Hutter hört zu, spendet Trost und ist um das seelische Wohl seiner Schützlinge bemüht.

„Ich habe bei der Bundeswehr das Beten neu gelernt“

Dazu nutzt er eine Methode, die manche erst lernen mussten. Er richtete eine Schreibwerkstatt ein, mit schönem Briefpapier und guten Stiften. Hier konnten die Männer ihrer Freundin einen Brief schreiben. Der eine oder andere muss das in einer Zeit von WhatsApp und SMS erst lernen. Doch das Angebot wurde stets angenommen. Und die Freude war riesig, wenn eine Antwort oder gar ein Päckchen aus der Heimat gekommen sei.

Doch wie steckt ein Pfarrer, der ein Fels in der Brandung ist, all die schrecklichen Erlebnisse weg?

„Seelsorge ist keine Einbahnstraße“, sagt Hutter. „Ich kann mit den Kameraden reden.“ Mit evangelischen Kollegen und dem psychosozialen Netzwerk, das sich monatlich trifft. Er bekomme viel zurück. Hutter erinnert sich an ein Attentat bei seinem Afghanistan-Einsatz, in dem sich die Soldaten um ihn kümmerten. „Wie geht’s dem Pfarrer, holt’s ihm mal ein Bier“, hieß es.

Neben Unterricht und Auslandseinsatz organisiert Hutter die Familienbetreuung, bei der die Soldaten mit ihren Liebsten einige Tage abseits der Kaserne verbringen können. Er hält Gottesdienste in der Fliegerhorstkirche, tauft Kinder und schließt Ehen. Zu den monatlichen ökumenischen Morgenimpulsen kommen inzwischen 35 Gäste – anfangs waren es sieben.

Mit 65 Jahren ist Hutters Zeit auf Fursty vorbei. Der Abschiedsgottesdienst ist morgen. Ab Dezember ist er Gemeindepfarrer im fränkischen Thalmässing – seinem Heimatlandkreis. Er betreut 400 Katholiken unter 5000 Einwohnern. In Gedanken richtet er schon sein Pfarrhaus ein. Ganz lässt ihn die Militärseelsorge nicht los. 75 Prozent seiner Zeit ist er freigestellt – als Ansprechpartner für die Militärseelsorger in Deutschland. Er wird zu Besprechungen fahren, Seminare halten und auch in die Rückkehrerseminare eingebunden sein, in denen die Soldaten ihren Auslandsaufenthalt aufarbeiten können.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

B 2: Baustellenampel bremst West-Pendler aus
Autofahrer müssen sich auf dem Westast der B2 auf Beeinträchtigungen einstellen: In Mammendorf wird gebaut, daher wird die Bundesstraße im Ort immer wieder halbseitig …
B 2: Baustellenampel bremst West-Pendler aus
Luke aus Wenigmünchen
Über die Geburt ihres ersten Kindes freuen sich Laura und Thomas Hengl aus Wenigmünchen. Ihr Sohn Luke Ferdinand kam jetzt im Brucker Klinikum zur Welt. Der Bub wurde …
Luke aus Wenigmünchen
Langsam formieren sich die Kandidaten
Wer tritt für das Bürgermeisteramt in Egenhofen an? Noch halten sich diejenigen, die als Kandidaten gehandelt werden, sehr bedeckt. Vier Namen sind derzeit im Ort zu …
Langsam formieren sich die Kandidaten
Gefängnisstrafe nach Trunkenheitsfahrt
Ein Mülltonnenhäuschen zerlegt, einen Zaun beschädigt und zwei Autos gerammt – das war im April die Bilanz einer Trunkenheitsfahrt durch Geltendorf.
Gefängnisstrafe nach Trunkenheitsfahrt

Kommentare