Gericht spricht Urteil

Opfer flüchtet nackt vor brutalem Intensivtäter

Daheim spielt er ständig am Computer. Um seinen Sohn kümmert er sich nicht. Doch wenn er sich aufrafft, etwas zu tun, wird es gefährlich. Der 19-Jährige ist Einbrecher und Räuber. Seine Opfer weinen und zittern, wenn sie an ihn denken.

Fürstenfeldbruck – Er war gerade aus einem dreiwöchigen Dauerarrest entlassen worden, den er verbüßte, weil er in eine Wohnung eingebrochen war, da ging der 19-Jährige wieder auf Diebestour. Diesmal stieg er in ein Firmengelände in der Kreisstadt ein. Mit Hilfe eines Gummihammers schlug er die Glastür ein und erbeutete eine Geldkassette mit 300 Euro. Prompt landete der junge Mann deshalb wieder vor dem Jugendschöffengericht.

Urteil: Drei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung

Dieses Mal kam er nicht mit wenigen Wochen hinter Gittern davon. Er wurde zu einer dreijährigen Jugendstrafe ohne Bewährung verurteilt. Bei dem Einbruch war es nämlich nicht geblieben. Viel schlimmer: Der 19-Jährige hat zusammen mit einem Komplizen einen Homosexuellen überfallen und ausgeraubt. Die beiden jungen Männer hatten über eine Kontaktbörse für Schwule im Internet mit ihrem Opfer Kontakt aufgenommen. An einem Abend im Dezember 2016 besuchten sie den 28-Jährigen.

Man unterhielt sich. Doch dann kippte die Stimmung. Der Komplize des Angeklagten hatte im Schrank des Bruckers eine Jacke entdeckt, die ihm sehr gefiel. Als der Brucker ihm diese nicht überlassen wollte, schlug ihm der Komplize ein Glas ins Gesicht. Der 28-Jährige schrie um Hilfe. Darauf hagelte es weitere Schläge. Der 19-Jährige bedrohte den Homosexuellen außerdem: „Ich steche dich ab.“ Die Angreifer erleichterten ihr Opfer außerdem um 20 Euro und sein Handy. Nackt und blutend, konnte der 28-Jährige schließlich zu Nachbarn fliehen.

Überfall am S-Bahnhof aus heiterem Himmel

Der 19-Jährige und sein Kumpel legten bald darauf noch eine Schippe zu. Anfang 2017 überfielen sie wieder einen Brucker – diesmal am Bahnhof. Der 25-Jährige saß dort nach Feierabend und wartete auf die S-Bahn. Aus heiterem Himmel hielt ihm der Kumpan des Angeklagten ein Messer an die Brust und forderte Geld. Der 19-Jährige selbst drohte, das Opfer auf die Gleise zu werfen. Der 25-Jährige gab den Angreifern sofort seine ganze Barschaft, die aus einem 20-Euro-Schein bestand. Trotzdem folgte das rabiate Duo dem Brucker auch noch in die einfahrende S-Bahn, um ihn weiter einzuschüchtern. Fahrscheine hatten die beiden natürlich nicht.

Die große juristische Frage war nun, wie der 19-Jährige für die gemeinschaftlich begangenen schweren räuberische Erpressungen, die gefährliche Körperverletzung, die Diebstähle, die Sachbeschädigung und das Schwarzfahren zu bestrafen sei. Sein Verteidiger machte sich für eine zweijährige Jugendstrafe stark, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. So hatte der Urteilsspruch des Münchner Amtsgerichtes für den Komplizen des Brucker Angeklagten gelautet.

„Sie haben das Leben von zwei Menschen nachhaltig verändert und zwar zum Schlechteren“

Doch der Staatsanwalt plädierte sogar für drei Jahre und sechs Monate ohne Bewährung. Auch das Gericht sah keinerlei Voraussetzung für eine Bewährungsstrafe, unter anderem da keine günstige Sozialprognose gegeben sei. Zwar arbeitet der 19-Jährige, jedoch nur an zwei Tagen in der Woche. Und dies obwohl er eigentlich den Unterhalt für den eineinhalb Jahre alten Sohn bezahlen müsste.

Das Gericht beließ es bei einer Jugendstrafe von drei Jahren. „Sie haben das Leben von zwei Menschen nachhaltig verändert und zwar zum Schlechteren“, fasste die Richterin in ihrer Urteilsbegründung zusammen.  sus

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