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Hier gehört sie hin: Seit sie zehn Jahre alt ist, spielt Kirsten Ruhwandl (50) an der Orgel. Die Brucker kennen sie aus der Erlöserkirche.

Eine Frau voller Überraschungen

Die Organistin mit dem Faible für Rap

Fürstenfeldbruck – Schon als Zehnjährige saß Kirsten Ruhwandl an der Orgel. Damals war die Kantorin ihrer Heimatgemeinde schwanger geworden – eine Vertretung musste her. Also bekam die Pfarrerstochter einen Crashkurs am Kircheninstrument. Ihr beruflicher Weg war vorgezeichnet.

Kirsten Ruhwandl hatte schon als Kind Klavier gespielt, studierte später Musik und landete bald nach dem Abschluss in Fürstenfeldbruck. Inzwischen gibt Kirsten Ruhwandl seit fast 25 Jahren in der Erlöserkirche den Ton an.

Die 50-Jährige ist Kantorin und leitet den Posaunen-, den Gospel- und den Motettenchor. Sie arbeitet mit Kindern, gestaltet den musikalischen Rahmen unzähliger Gottesdienste, ist Ansprechpartnerin für alle neben- und ehrenamtlichen evangelischen Kirchenmusiker im Dekanatsbezirk und nimmt Prüfungen ab.

Als Auszeichnung für ihr Engagement wurde Ruhwandl nun im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes zur Kirchenmusikdirektorin ernannt. Von den rund 120 hauptamtlichen evangelischen Kirchenmusikern in Bayern tragen derzeit nur 51 diesen Ehrentitel. Voraussetzung ist neben hervorragender Arbeit vor Ort auch der Einsatz über die eigene Region hinaus. Ausgewählt werden die Geehrten von einem Fachgremium unter Vorsitz des Landeskirchenmusikdirektors.

70 Stunden Arbeit in der Woche

Kirsten Ruhwandl – bescheiden, unkompliziert, unverkrampft – hat nicht bewusst auf den Titel hingearbeitet. „Natürlich ist es schön, so eine Anerkennung zu bekommen“, sagt sie und nimmt einen Schluck schwarzen Tee, der ihr an diesem Tag gegen das wetterbedingte Kopfweh helfen soll. „Aber ich bin kein Karrieremensch, ich will nichts mehr werden.“

Bruck kann und will sie nicht verlassen, auch wenn sie eine A-Musikerin auf einer B-Stelle ist, wie es im Kirchenjargon heißt. Ihr Mann und die vier Kinder, der Hund, die Enten, Hühner, Kaninchen und Schildkröten, das Haus und der große Garten, seit einigen Jahren auch die Eltern – „mein gesamtes soziales Umfeld ist hier“.

Stagnation ist dennoch kein Thema, dazu ist ihre Arbeit viel zu abwechslungsreich. Ruhwandl und ihre Formationen bereichern nicht nur Gottesdienste, sondern auch öffentliche Anlässe in der Stadt. Dabei verzichtet sie bewusst darauf, als Sahnehäubchen Profis von auswärts zu engagieren. „Mein Job ist die Breitenarbeit.“ Ruhwandls Ehrgeiz besteht darin, mit ihren Laienmusikern das bestmögliche Niveau zu erreichen – auch, um neben den vielen hochkarätigen Kulturereignissen in der Region München und in Bruck selber bestehen zu können. „Es ist ja unglaublich, was hier los ist.“ Ihre Arbeit genießt sie auch deshalb, „weil ganz viel zurückkommt“. Dass sie sich manchmal 70 Stunden in der Woche reinhängt, dass der Spagat zwischen Job und Familie ihr für andere Interessen keine Zeit lässt – das ist halt so.

Selbst hört sie wenn dann Rap

An diesem Tag aber ist es ungewöhnlich ruhig im Haus. Drei der vier Kinder – 17, 15, 13 und neun Jahre alt – sind auf einer Konzertreise mit dem Jugend-Jazzorchester Blue Strings. Alle Sprösslinge mussten ein Instrument lernen, darauf hat Kirsten Ruhwandl bestanden. Auch, weil sie weiß, wie gut einem die Musik durch die Pubertät hilft. Sie selber kann privat kaum Musik hören, ohne dass die Schalter im Kopf anfangen zu arbeiten. Also tut sie’s nicht – höchstens mal ein bisschen Rap.

Oder lieber gleich ein Hörbuch, am liebsten Science Fiction. „Ich bin ein großer Star-Trek-Fan“, verrät sie. Und dann ist da noch die Modelleisenbahn, die seit 20 Jahren unausgepackt auf dem Dachboden liegt. Aber dafür ist eben keine Zeit. Schnell noch die letzte Tasse Tee heruntergestürzt, rein in die Jacke, rauf aufs Fahrrad – und ab zur Pfarrerdienstbesprechung.

von Ulrike Osman

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