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Der Liedermacher Jakob Heymann hat in diesem Jahr den Wettbewerb gewonnen.

In Fürstenfeld

Paulaner Solo – ein Muss für die Nachwuchskabarettisten

Das Paulaner Solo im Stadtsaal gehört längst zu den festen Terminen im Brucker Veranstaltungskalender. Bei dem Kabarett-Wettstreit stehen die Künstler mittlerweile regelmäßig vor ausverkauftem Haus – heuer zum zehnten Mal. 

Fürstenfeldbruck – Kein Zweifel, Bruck hat sich als Glücksgriff für die Veranstalter erwiesen. Mehr noch – ohne das Veranstaltungsforum würde es den Nachwuchswettbewerb womöglich gar nicht mehr geben.

Bis 2005 wurde das Paulaner Solo an wechselnden Orten in München ausgetragen. Dann geriet die Zusammenarbeit zwischen der Brauerei und der für die Organisation verantwortlichen Agentur ins Stocken. Als man in Bruck zufällig davon erfuhr, legte das Veranstaltungsforum ein neues Konzept für den Wettbewerb vor – der Rest ist Geschichte.

Eine wichtige Neuerung bestand darin, dass nicht mehr ausschließlich Publikumspreise vergeben, sondern eine Jury eingeführt wurde. Dies nicht etwa, weil man dem Geschmack der Zuschauer misstraute, sondern weil man den Heimvorteil für regionale Künstler ausschalten wollte. Die hatten bei den Vorrunden meistens eine ganze Reihe von Unterstützern dabei, die für sie stimmten. „Künstler, die von weit her kamen, hatten kaum Chancen“, erinnert sich Christine Hochenbleicher, stellvertretende Leiterin des Veranstaltungsforums.

Mittlerweile küren Jury und Publikum jeweils einen Vorrundensieger, der ins Finale geschickt wird. Dort gibt es ebenfalls einen zusätzlichen Publikumspreis. „Interessant war immer, inwieweit sich Publikum und Jury einig waren“, sagt Harry Stadlmayer, Verkaufsleiter Gastronomie Bayern bei der Paulaner Brauerei und für den Wettbewerb zuständig. „In zehn Veranstaltungen war das sechsmal der Fall.“ Manchmal gingen die Geschmäcker auch weit auseinander – und dann wurde es mitunter heftig. Stadlmayer erinnert sich an eine Veranstaltung, bei der die Bekanntgabe des Jury-Siegers vom Publikum mit Buh-Rufen und Pfiffen quittiert wurde.

Ein andermal hätten die Besucher beinahe auf dem Trockenen gesessen. Die Zapfanlage war ausgefallen, das Bier musste auf Tabletts aus dem Restaurant in den Saal geschleppt werden. „So etwas ist natürlich bei einem Brauerei-Wettbewerb recht peinlich“, so Hochenbleicher.

Um die Veranstaltung abwechslungsreicher zu gestalten, können seit 2013 auch Künstler aus den Sparten Kleinkunst und Comedy teilnehmen. „Herausfordernd ist vor allem die Vorauswahl aus gut 60 – manchmal auch skurrilen – Bewerbungen“, berichtet Hochenbleicher. Zwei Tage lang streitet eine Fach-Jury darüber, wer in den Vorrunden auf die Bühne darf.

Insgesamt ist das Kabarett unpolitischer geworden, haben die Veranstalter beobachtet. Vielleicht, weil es „immer weniger Politiker mit wirklichen Ecken und Kanten gibt“, vermutet Stadlmayer. Die Schwerpunkte liegen bei Stand-Up-Comedy und Musikkabarett, auch Poetry Slam gewinnt immer mehr an Bedeutung. Bedauerlich findet es Hochenbleicher, dass weibliche Teilnehmer immer noch unterrepräsentiert sind. „Dafür sind die wenigen Frauen dann aber richtig gut.“

Eine von ihnen – Nadja Maleh – wird am Freitag ab 20 Uhr, auf der Bühne des Stadtsaals stehen und gemeinsam mit den ehemaligen Preisträgern Heinrich del Core, Michael Feindler, Thomas Lötscher und Moderator Chris Boettcher die Jubiläumsshow bestreiten. Christine Hochenbleicher freut sich auf das Wiedersehen mit den Künstlern. „Die meisten Teilnehmer waren sehr herzliche Menschen.“ (Ulrike Osman)

Restkarten

gibt es noch im Vorverkauf und an der Abendkasse.

Für die Paulaner Brauerei organisiert Harry Stadlmayer den Kabarettisten-Wettstreit. Eine große Aufgabe, bei der auch mal was schief geht, wie er verrät. 

-Herr, Stadlmayer, was ist die größte Herausforderung bei der Organisation des Wettbewerbs? 

Über diesen langen Zeitraum die Sponsoring-Gelder von der Geschäftsführung genehmigt zu bekommen. Immer genügend Kugelschreiber für den Publikumspreis zu liefern. Und vor allem das jährliche Casting der Bewerber. Das macht aber Gott sei Dank immer Christine Hochenbleicher vom Veranstaltungsforum zusammen mit Rosa Wagner von der gleichnamigen Puchheimer Künstleragentur. 

-Bekannte Namen unter den Gewinnern des Paulaner Solo sind Dr. Eckart von Hirschhausen, Maxi Schafroth, Heinrich del Core – wer noch? 

Aus der Zeit in München muss man natürlich Preisträger wie Django Asül, Helmut Schleich und auch Martina Schwarzmann anführen, die 2004 allerdings „nur“ Zweite wurde. In Bruck zählen Archie Clapp und Stefan Leonhardsberger dazu – beide ebenfalls zweitplatziert. Nadja Maleh war nach ihrem Sieg in 2009 oft in der „Grünwald FreitagsComedy“ im Bayerischen Fernsehen zu sehen. Und De Frau Kühne, unsere Siegerin 2016, ist im Rheinland eine regionale Größe. 

-Und was war die größte Panne? 

Es gab zwei große Pannen meinerseits. Wir überreichen den Preisträgern immer symbolische Riesen-Schecks, auf denen das Preisgeld steht. Vor einigen Jahren hat niemand die Schecks überprüft, und die Geschäftsführung hat auch brav unterschrieben. Leider haben die Zahlen in Buchstabenform nicht mit den Ziffern übereingestimmt und das Datum war auch vom Vorjahr. Das zweite Ereignis war heuer anlässlich der Bekanntgabe des Publikumspreises. Christine Hochenbleicher hatte mir das Ergebnis auf dem Weg zur Bühne mitgeteilt und den Abstimmungszettel gegeben. 

Als alle Jury-Preise überreicht waren, sollte ich das Mikro von Moderator Michi Altinger nehmen und den Publikums-Sieger bekannt geben. Im Saal saßen 600 gespannte Besucher. In der Hektik hatte ich das Ergebnis nicht mehr im Gedächtnis, und den Zettel habe ich fieberhaft in allen Taschen gesucht. Da ich nur eine Hand frei hatte, habe ich dem Michi – statt ihm das Mikro abzunehmen – alle meine Unterlagen in die Hand gedrückt, um weiter meine Taschen durchsuchen zu können. Das Publikum war sich nicht sicher, ob das nicht auch ein Teil des Programms war. Die Lacher hatte ich auf meiner Seite. (os)

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