„Das íst richtiges Recycling“: Wolfgang Lastner von Pelz Berchtold in Fürstenfeldbruck hat das Label „We prefur“ etabliert.

We Prefur

Pelz-Recycling setzt sich durch

  • VonStephanie Hartl
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Plastik-Artikeln droht das Aus – doch das wird erst in einigen Jahren greifen. An anderer Front werden in Sachen Recycling bereits längst Nägel mit Köpfen gemacht, nämlich bei den Kürschnern.

Fürstenfelbruck – Seit zwei Jahren gibt es das Label „we prefur“ mittlerweile. Das ist eine Kombination des englischen „we prefer“, also „wir bevorzugen“ und „fur“ für Pelz.

Dahinter steckt folgende Idee: Pelze von heimischen Wildtieren, die sonst entsorgt werden würden, werden abgezogen und zugerichtet – wie das Aufbereiten im Fachjargon heißt – und von den Designern dann in ihren Werkstätten verarbeitet. Mäntel, Jacken und Accessoires wie Muffs, Handtaschen, Kappen und Pelzschmuck – der Palette, was man mit den Fellen von Marder, Rotfuchs, Bisam und Co. alles machen kann sind keine Grenzen gesetzt. „Das ist richtiges Recycling, das ist die Zukunft“, sagt Wolfgang Lastner, Inhaber von Pelz Berchtold in Fürstenfeldbruck, Vizepräsident im Landesverband und Mitiniator von we prefur.

Begonnen hatte alles mit einem Anruf. Vor zehn Jahren meldete sich ein Jäger bei Lastner und fragte nach, ob man denn die Felle der bei der Jagd erlegten Tiere nicht ebenfalls so modisch aufbereiten könnte wie die Ware, die man etwa aus dem Ausland, vor allem aus China, bezieht. Diese Felle werden nämlich ansonsten zu knapp 90 Prozent entsorgt. Lastner besprach das im Landesverband und aus der Idee wurde schließlich Realität. Doch es dauerte, bis alles umgesetzt werden konnte. Patente, Fachanwälte, Entwurf des Labels mit dem Rotfuchs, Lizenzen – all das musste erst erledigt sein, bis man mit „we prefur“ an den Start gehen konnte. „Es wird aber nicht mehr geschossen deswegen, also kein Tier extra für diese Felle getötet“, betont Lastner. Die Felle werden in Rastatt (Baden-Württemberg) gesammelt, bei der Fellwechsel GmbH. Dort werden sie in Containern gekühlt gelagert. Jedes Fell bekommt eine siebenstellige Nummer, anhand der ein lückenloser Nachweis vorliegt, wo das Tier erlegt wurde, sprich, wo es herkommt. „Wir können alles zurückverfolgen“, so Lastner. Der Initiator der GmbH, Andreas Leppmann, hatte auch die deutschen Jagdausrüstungs-Firmen mit seiner Idee begeistern können. Eine der größten Firmen, die Blaser GmbH, entschloss sich zu dem Schritt, ihren Kunden Jacken und Westen mit Fellen aus deutscher Jagd anzubieten als Alternative zu chinesischem Kunststoff.

Und langsam kam der Stein ins Rollen. Anfangs gab es noch Gegenwind aus der Branche, wie Lastner berichtet. Doch der hat sich gelegt. Von den 80 Mitgliedern des deutschen Landesverbands der Kürschner haben sich mittlerweile 30 bereits zertifizieren lassen, das Label „we prefur“ zu vertreiben. Und: machbar ist alles, betont der Chef von Pelz Berchtold. „Da sind wir sehr flexibel.“

Erstaunlich sei auch, dass inzwischen viele junge Leute in seinem Laden etwa anfertigen lassen. „Das hätte ich nie gedacht.“ Aber gerade diese Generation achte eben sehr genau darauf, wo ein Produkt herkommt. „Das Regionale, die kurzen Wege – das ist wichtig“, sagt auch Lastner. Er wirbt in seinem Laden mit Flyern für das neue Label, erklärt der Kundschaft, was es damit auf sich hat und erntet haufenweise positive Rückmeldungen. Die lange Arbeit und die viele Zeit, die in die Vorbereitung von „we prefur“ gesteckt wurden – das hat sich gelohnt.

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