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Sicher und geborgen sollen Buben und Mädchen in Kindertagesstätten sein. 

In Fürstenfeldbruck

Personalmangel: Brandbrief an Kita-Leitung

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Mitarbeiter der Stiftung Kinderhilfe schlagen Alarm: Wegen Personalmangels fühlen sie sich nicht mehr in der Lage, die Verantwortung für die Situation in mehreren Gruppen in der heilpädagogischen Tagesstätte zu übernehmen. Sie haben eine so genannte Überlastungsanzeige an die Geschäftsleitung geschickt – kurz: einen Brandbrief.

Fürstenfeldbruck– In mehreren Gruppen der heilpädagogischen Tagesstätte an der Feldstraße in Fürstenfeldbruck komme es seit September zu einer „erheblichen Arbeitsüberlastung“, heißt es in dem Schreiben, das dem Tagblatt vorliegt. Die Mitarbeiter beklagen darin ungeplanten Personalausfall, unbesetzte Stellen in der Abteilung und einen erhöhten Arbeitsanfall bei Standardaufgaben.

Letztere unterscheiden sich in dieser Tagesstätte natürlich von der in anderen Kitas. Denn in der Heilpädagogik werden Kinder mit ernsthaften Verhaltensauffälligkeiten betreut. Um die Gruppen mit je neun Mädchen und Buben kümmern sich im Optimalfall je zwei Fachkräfte, eine Hilfskraft sowie ein Praktikant. Die Kinder sollen so früh wie möglich Hilfe bekommen, um ihnen später ein Leben in der Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen, so das Ziel.

Im einzelnen führen die Mitarbeiter nun auf, dass es keine Vertretungen gebe, beziehungsweise dass Vertretungen nur schwer organisierbar seien. Dies trete ein, wenn eine Fachkraft ausfalle, etwa bei Krankheit, Urlaub, Besprechungen und arbeitsbezogenen Terminen wie etwa auch Messebesuchen. In einer der Gruppen sei eine Fachkraft in der turbulenten Schluss- und Anziehphase am Ende des Tages stets alleine.

Bufdi- und FSJ-Stellen (Freiwilliges Soziales Jahr) seien unbesetzt. Die Mitarbeiter führen zudem an, dass die Arbeitsbelastung durch die intensive Betreuung vieler Kinder gestiegen sei. In den Gruppen befänden sich viele Kinder, die gewickelt werden müssten.

Die Mitarbeiter sprechen von „starken Fremdaggressionen“ und von Weglauftendenzen. Viele Kinder könnten Gefahren nicht richtig einschätzen, viele seien sehr unselbstständig. „Aufgrund des Betreuungsschlüssels ist die Gruppe nicht qualitativ sicher und produktiv zu führen“, heißt es in dem Brandbrief.

Auch räumliche Probleme

Die gesetzlich vorgeschriebene Aufsichtspflicht sei nur schwer zu gewährleisten, es sei nicht möglich, die erforderliche Qualität bei der Arbeit sicherzustellen. Das betreffe die täglichen Aufgaben im Gruppenalltag und die Förderziele. „Sicherheit und Gesundheit der Kinder sei gefährdet, da die Aufsicht nicht gewährleistet sei. Die Mitarbeiter sorgen sich um die psychische und physische Gesundheit der Arbeitnehmer sowie Kinder und um die Sicherstellung der heilpädagogischen Förderung der Gruppe. Aufgrund ihrer Überlastung glauben die Mitarbeiter die Verantwortung für auftretende Fehler im Rahmen der Arbeitsleistung nicht übernehmen zu können.

Nach Tagblatt-Informationen geht es übrigens nicht nur um die Personalsituation, sondern auch um räumliche Probleme. Nach einer EDV-Verlagerung beziehungsweise Ausweitung steht demnach der Bewegungsraum nicht mehr in dem Umfang zur Verfügung, wie es nötig erscheint.

Reaktion der Verantwortlichen

Die Stiftung Kinderhilfe wollte am Donnerstag gegenüber dem Tagblatt zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen. Man bitte um Bedenkzeit bis Januar und wolle erst intern das Gespräch suchen, hieß es. Der Bezirk Oberbayern, der die Tagesstätte mit Finanzmitteln fördert, hatte bisher keine Kenntnis von der Überlastungsanzeige, wie es in einer Antwort auf eine entsprechende Anfrage heißt. Die Sozialverwaltung werde der Angelegenheit aber nachgehen. Außerdem werde der Bezirk Oberbayern unverzüglich die Regierung Oberbayern als Rechts- und Fachaufsichtsbehörde über die Meldung unterrichten. „Des Weiteren nehmen wir Kontakt mit der Geschäftsführung der Einrichtung auf, um den Sachverhalt zu klären“, so eine Sprecherin. Insgesamt sei Personalmangel aber ganz allgemein ein Dauerthema in sozialen Einrichtungen.

Die Überlastungsanzeige ist am heutigen Donnerstag bei der Regierung von Oberbayern eingegangen, wie ein Sprecher auf Nachfrage erklärte. Diese werde derzeit geprüft. Da die heilpädagogische Tagesstätte in den Weihnachtsferien bis Anfang Januar geschlossen ist, könne die Prüfung einige Zeit in Anspruch nehmen. „Derzeit liegen der Regierung von Oberbayern keine Erkenntnisse vor, dass die Personalausstattung nicht der Betriebserlaubnis entspricht“, heißt es weiter.

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