„Die einzige Sorge meiner Frau: Ich soll nicht wieder90 Stunden arbeiten.“pfarrer Niclas Willam-Singer In der Erlöserkirche war Niclas Willam-Singer elfeinhalb Jahre für alle seelsorgerischen Belange verantwortlich. Foto: Tobias Gehre

Niclas Willam-Singer wird Springer im Dekanat 

Pfarrer-Wechsel in der Erlöserkirche

Nach fast zwölf Jahren verlässt Pfarrer Niclas Willam-Singer die evangelische Erlöserkirche. Der 61-Jährige stellt sich noch einmal einer neuen Herausforderung: Er wird Springer im Dekanat – und hilft aus, wo Not am Mann herrscht.

Fürstenfeldbruck – Eigentlich könnte Niclas Willam-Singer so langsam an seinen Ruhestand denken. Doch wer rastet, der rostet: „Es ist eine gewisse Routine eingetreten“, sagt der Pfarrer. „Ich möchte in den letzten drei Jahren noch einmal die Ärmel hochkrempeln.“ Seine neue Aufgabe führt ihn durch das ganze Dekanat von Gauting bis Herrsching. Als Springer wird Willam-Singer im gesamten Gebiet eingesetzt. Er vertritt Kollegen, die länger krank sind, oder Kolleginnen in Elternzeit. Und er ist für die Gläubigen da, wenn eine Pfarrstelle länger nicht besetzt werden kann.

Diese Springerstellen gibt es in der evangelischen Kirche bislang kaum, erklärt Dekan Stefan Reimers. Da sich das Dekanat ohnehin in einem strukturellen Entwicklungsprozess befinde, habe man die Chance, etwas Neues auszuprobieren. „Es gibt immer wieder Mangel an Personal, und die Gläubigen brauchen einen Seelsorger.“ Daher ist er froh, drei Jahre Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, wie man eine solche Stelle künftig in den Dekanaten gestalten kann.

Er hat seinen Kollegen gefragt, und Willam-Singer hat nach einer Bedenkzeit auch zugestimmt. Man müsse flexibel sein und immer in neue Situationen springen. „Da braucht man jemanden mit viel Ahnung, der viele Gemeinden kennt.“ Das passt gut zu Niclas Willam-Singer, der immer mit viel Elan an seine Aufgaben herangeht. „Ich freue mich darauf, nochmal anzugreifen“, sagt er.

Erste Tätigkeitsfelder gibt es bereits: Montags wird er in den evangelischen Altenheimen in Olching und Puchheim anzutreffen sein. Dazu entlastet er 14-tägig die Gemeinden in Eichenau (dort ist eine halbe Stelle unbesetzt) und in Puchheim bei Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Denn der Puchheimer Pfarrer Markus Ambrosy muss als stellvertretender Dekan nach Reimers Abschied Ende März im Dekanat die Stellung halten. Dazu kommen weitere Vertretungen bei Vakanzen. „Ich werde viel auf Achse sein.“

Sein Büro bleibt aber in den Räumen des Pfarramtes, und Willam-Singer bleibt auch in Fürstenfeldbruck wohnen – in seinem Alterssitz, wie er es ausdrückt. Daher kam ein Wechsel in eine andere Pfarrei für ihn auch nicht in Frage. Seine Frau unterstützt ihn in seinem Vorhaben. Ihre einzige Sorge: „Ich soll nicht wieder 90 Stunden in der Woche arbeiten.“ Das war früher schon einmal der Fall und habe ihm nicht gut getan. Auf eines freuen sich beide: „Ich habe weniger Abendtermine, und wir freuen uns auf gemeinsame Abende.“

In der Erlöserkirche war Niclas Willam-Singer elfeinhalb Jahre für alle seelsorgerischen Belange verantwortlich. Und auch als Facility-Manager, wie er es nennt, hat er sich einen Namen gemacht und vieles repariert. Sein Wissen wird er nun an die Hausmeister weiter geben. Bis Jahresende will er zudem die Seniorenkreise der Gnadenkirche und der Versöhnungskirche weiter führen.

Ein Nachfolger ist mit Valentin Wendebourg bereits gefunden (. „Das war eine Bedingung für den Wechsel“, sagt Dekan Stefan Reimers.

Und auch in drei Jahren soll für Willam-Singer nicht ganz Schluss sein. Denn trotz Ruhestand kann er ehrenamtlich weiter als Pfarrer arbeiten. „Ich mache gerade eine Ausbildung zum Notfall-Seelsorger“, erklärt er. Dann will er bei Unfällen und anderen Katastrophen den Menschen beistehen. Nicht umsonst lautet sein Motto: Wer rastet, der rostet.

Verabschiedung

Pfarrer Niclas Willam-Singer wird am Sonntag, 25. Februar, um 15 Uhr in der Erlöserkirche verabschiedet. Seine neue Aufgabe im Dekanat tritt er bereits am 28. Februar an. Nachfolger ist Valentin Wendebourg. Er stammt aus einer Pfarrersfamilie. Sein Vater arbeitet in der Genezareth-Kirche in Unterschleißheim (Kreis München).

 Im Vikariat war Valentin Wendebourgh in Berlin, derzeit sammelt er in der Vertretung der Evangelischen Kirche Deutschland in Brüssel Auslandserfahrung. In Kürze wird er zurückkommen. Die Erlöserkirche ist Wendebourgs erste Pfarrstelle. „Wir brauchen jemanden, der mit Familien und jungen Leuten arbeitet“, sagt Dekan Stefan Reimers. Genau diese Aufgaben soll Valentin Wendebourg auch übernehmen. Wer auf Stefan Reimers als Dekan in Bruck folgt, ist noch offen. Die Stelle ist ausgeschrieben, derzeit läuft das Bewerbungsverfahren

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