Fürstenfeldbruck

Land unter an der Amper: Erinnerung an das Pfingsthochwasser vor 20 Jahren 

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Tagelanger Regen, Schneeschmelze in den Bergen und vollgesogene Böden: Vor 20 Jahren brach das Pfingsthochwasser über den Landkreis herein. Zum Jahrestag kommen bei vielen schmerzliche Erinnerungen hoch – und der Blick in die aktuellen Wetterkarten verheißt für die kommenden Tage nichts Gutes.

Fürstenfeldbruck – Regen, Regen, Regen: Der Estinger Landwirt Franz Hartl kann sich noch gut erinnern an jene Tage im Mai 1999. Von seinem Hof in Esting bis zur Amper ist es nur ein Steinwurf. An Pfingsten vor 20 Jahren fließt der Strom aber mitten hindurch. 

„Ohne Feuerwehr wären wir abgesoffen“

In Windeseile bringen die Hartls Schweine und Hühner in Sicherheit. „Wir hatten Angst, dass sie ersaufen“, sagt Hartl heute. Ihre Tiere kann die Familie retten. Und auch die teuren Maschinen bringen sie ins Trockene. Die Hartls kommen mit einem blauen Auge davon. „Die Feuerwehr hat damals ganze Arbeit geleistet“, sagt der heute 60-Jährige. „Ohne die wären wir abgesoffen.“

Doch die Retter können nicht überall sein. Und an vielen Stellen sind sie auch machtlos gegen die Gewalt des Wassers. Im Landkreis wird der Katastrophenfall ausgerufen. Grafrath, Schöngeising, Fürstenfeldbruck und Olching melden „Land unter“. In der Kreisstadt steigt der Pegel der Amper auf über 2,50 Meter – fast das Vierfache des Normalwertes. Es herrscht Ausnahmezustand.

Selbst auf Beistand von ganz oben können die Menschen in diesen Tagen nicht zählen. Denn auch vor Gotteshäusern machen die braunen Fluten nicht Halt. In der Nikolaus-Kapelle in Wildenroth steht die Brühe einen halben Meter hoch, erinnert sich Mesner Marcus Krautner. Der damals 22-Jährige rettet noch die Altardecken. Mehr kann er nicht tun.

Dass das Gotteshaus damals ein Opfer der Fluten wird, wundert Krautner nicht. Schließlich steht die Kapelle auf einer Insel in der Amper, dem so genannten Spitz. Und es ist auch nicht das erste Mal. „Die Kapelle hat schon mehrere Hochwasser überstanden“, sagt der 42-Jährige. Vielleicht liegt das auch an ihrem Namensgeber. Der heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron der Seeleute. „Der Segen hilft offenbar auch an der Amper“, sagt Marcus Krautner schmunzelnd.

Amper genau unter die Lupe genommen

Auf Segen und Gebete wollen sich die meisten der Anwohner des Flusses nicht verlassen. Auch nicht die Behörden. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt hat die Amper seit der Katastrophe genau unter die Lupe genommen. So wurden etwa für Grafrath und Olching so genannte Basisstudien erstellt. Darin haben die Experten ermittelt, wie die Amper bei Hochwasser sicherer gemacht werden kann. Viel passiert ist aber nicht, muss Behörden-Chef Christian Leeb einräumen. Das Problem: Beim Hochwasserschutz werden die Kosten für Maßnahmen den zu erwartenden Schäden gegenüber gestellt. So ergibt sich für ganz Bayern eine Prioritätenliste – und auf dieser rangiert die Amper im Landkreis relativ weit hinten.

Behörde muss das Ganze betrachten

Natürlich habe er Verständnis für jeden Anwohner, der sein Hab und Gut in Gefahr sieht. „Doch als Behörde müssen wir das Große Ganze im Blick haben“, sagt Christian Leeb. Zudem habe man an der Amper eine vergleichsweise lange Vorwarnzeit. Grund ist der Ammersee, der bei starken Hochwassern aus den Alpen als Puffer dient.

Diese Funktion des 47 Quadratkilometer großen Gewässers könnte jetzt wieder viel wert sein. Denn fast genau 20 Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser braut sich neues Unheil zusammen. Der Deutsche Wetterdienst hat für das Einzugsgebiet der Ammer die höchste Warnstufe ausgerufen. Bis Mittwoch sollen dort 100 Liter und mehr pro Quadratmeter vom Himmel kommen. Und auch im Landkreis werden bis zu 80 Liter erwartet. Jetzt heißt es abwarten und hoffen, dass es nicht so schlimm kommt wie vor 20 Jahren.

Das Drama um die Fünf-Löcher-Brücke

Besonders prekär war die Lage an der Fünf-Löcher-Brücke in Olching. Züge, die über das alte Bauwerk fuhren, sollten das Tempo drosseln. Ein Haus an der Schöngeisinger Straße in Fürstenfeldbruck wäre fast eingestürzt. Die Bewohner wurden evakuiert. Regelrecht abgesoffen ist die Stadtbibliothek in der Brucker Aumühle. Und mit dem Wasser kamen die Ratten. Am Ende waren rund 1000 Medien zerstört – darunter 500 Kinderbücher. Im Olchinger Vogelpark kamen zahlreiche Tiere in den Fluten ums Leben. Das Volksfest in der Amperstadt musste wegen des Hochwassers abgesagt werden. Die Kläranlage in Geiselbullach wurde abgeschaltet. Das Abwasser floss in die Amper. Weil Treibgut ein Wehr in Esting verstopfte, drohte dieses zu brechen. Ein mutiger Feuerwehrmann seilte sich von einem Hubschrauber ab und verhinderte so Schlimmeres.

Auch aktuell regnet es teilweise extrem in Bayern: Die aktuelle Lage rund um Regenfälle, Hochwasser und Überschwemungen gibt es im News-Ticker.

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