Claudia Frisch Philharmonischer Chor
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Claudia Frisch Philharmonischer Chor

Interview

Sehnsucht nach gemeinsamen Proben

Fürstenfeldbruck – Über vier Jahrzehnte ist Claudia Frisch Teil des Philharmonischen Chors Fürstenfeld und seit 2016 Vorsitzende. Für die 63-Jährige bedeutet Singen nicht nur Freude, sondern auch Ausgleich zu ihrem Beruf als Rektorin an der Kerschensteiner Schule in Germering. Besonders die persönlichen Kontakte zu anderen Chormitgliedern und die Konzerte fehlen Claudia Frisch in der Corona-Pandemie.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn sich nach Corona das Leben wieder normalisiert?

In Präsenz zu proben und endlich wieder Konzerte veranstalten zu können. Ein Chor lebt davon, sich zu präsentieren. Im vergangenen Jahr mussten wir zwei Veranstaltungen kurzfristig canceln. Das war bitter, aber die Inzidenzen waren zu hoch, und wir mussten fünf Tage vor dem Auftritt absagen. Jetzt hatten wir für Mai ein Konzert geplant, das abgesagt werden musste. Außerdem freuen wir uns auf die Präsenzproben und das gemeinsame Singen ohne Abstand und Maske. Wir proben jeden Montag virtuell, aber das dient eher dazu, dass die Stimme nicht einrostet und wir den Kontakt nicht verlieren. Eine virtuelle Probe kann keine Vorbereitung auf ein Konzert sein.

Was werden Sie unternehmen, wenn wieder alles erlaubt und geöffnet ist?

Auf alle Fälle werde ich wieder intensiver die Kontakte im Freundeskreis pflegen. Ansonsten wegfahren, ohne schlechtes Gewissen, dass man sich mit Tausenden anderen am Chiemsee auf den Füßen steht. Das mache ich momentan nicht. Man läuft eher zum hundertsten Mal dieselbe Strecke daheim. Und Urlaub muss auch mal wieder sein. Einfach raus. Im schulischen Kontext freue ich mich auf die Kinder und Kollegen in Präsenz. Es kommt derzeit auch schneller zu Missverständnissen, etwa bei virtuellen Konferenzen. Da hatten wir schon Klärungsbedarf. Virtuell ersetzt nicht Präsenz.

Haben Sie während des Lockdowns etwas Positives gemacht, das Sie sonst nicht gemacht hätten?

Ich denke, dass wir uns alle beim Thema Digitalisierung voran bewegt haben. Wenn man ehrlich ist, ist so ein Chor wie unserer stark überaltert. Bestimmte Teile klinken sich da einfach aus, alleine wegen der Technik. Ein Großteil macht aber gut mit. Es gibt auf unserer Homepage zwei Stücke zu hören. Unsere Mitglieder haben ihre Stimmen in das Handy eingesungen, und der Chorleiter hat diese Stücke zusammengeführt. Und ich habe mich wieder auf eine traditionelle Kommunikation eingelassen. Alle Sänger haben von mir einen Weihnachtsbrief bekommen. Darauf habe ich durchweg positives Feedback erhalten. Kommunikation ist einfach wichtig. Wenn jemand über 80 ist und zwei Jahre nicht gesungen hat, kann es gut sein, dass er danach nicht noch einmal anfängt. Das wollen wir vermeiden.

Gibt es Verhaltensweisen, die Sie auch nach der Pandemie freiwillig beibehalten werden?

Wenn ich mich auf meine Arbeit als Rektorin beziehe, da gibt es Konferenzen, die muss man nicht in Präsenzform machen. Bei Elternabenden gibt es Infos, für die Eltern nicht unbedingt in die Schule kommen müssten. Um es richtig zu verstehen: Elternabende sind keinesfalls obsolet, aber vielleicht muss man gewisse Dinge überprüfen. Wir hatten schon vor Corona eine tolle Kommunikation über unser Schulportal. Das soll auch nach der Pandemie beibehalten werden. Was den Chor angeht, kann ich nur sagen, das Singen ist digital unbefriedigend.

Interview: Christoph Riegel

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