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Oberstleutnant a.D. Harald Meyer steht vor seinem Schulungsflugzeug, einer Piaggio 149 D. Diese ist vor dem Richard-Higging-Gebäude auf dem Fliegerhorst auf einem Sockel aufgebaut. In dem Gebäude ist auch die Lehrgeschichtliche Sammlung untergebracht.

Fursty

Pilot hält Fliegerhorst-Geschichte lebendig

Wenn sich einer mit der Geschichte und den Erinnerungsorten des Fliegerhorstes auskennt, dann ist es Harald Meyer. Der ehemalige Pilot ist selbst von Fursty aus abgehoben und sogar einmal abgestürzt.

FürstenfeldbruckSeine Fliegerkarriere begann der gebürtige Niedersachse Harald Meyer als Flugschüler 1974 in Fürstenfeldbruck. Nach diversen Auswahltests durfte er auf dem linken Sitz der Piaggio 149 D (Flugschüler und Lehrer saßen bei diesem Schulflugzeug nebeneinander) Platz nehmen. „Die Luftwaffe hatte damals einen hohen Bedarf an Jetpiloten“, erinnert sich Meyer. Dementsprechend frequentiert war Fursty als eines der wichtigsten Ausbildungsgeschwader – noch dazu, weil nur eine Start- und Landebahn zur Verfügung stand.

„Nach dem morgendlichen Start sind wir oft nach Oberpfaffenhofen ausgewichen, um in sogenannten Platzrunden immer wieder Starts und Landungen zu trainieren“, erzählt Meyer. Der Screening genannte Ausbildungsabschnitt funktionierte so, dass sich der Flugschüler alle Fertigkeiten selbst beibringen musste. Der neben ihm sitzende Fluglehrer griff nur dann ein, wenn etwas schief zu laufen drohte.

Nur ein „Zwischenfall“

Schon in der zehnten Flugstunde passierte am 21. März 1974 ein Malheur in Oberpfaffenhofen, das weder der Schüler noch der Lehrer verschuldete. Bei der dritten Landung klappte das Bugfahrwerk plötzlich ein und die „Pitschi“, wie das von Italien hergestellte Flugzeug liebevoll genannt wurde, landete auf der Nase. Oberfähnrich Meyer und sein Fluglehrer, Hauptfeldwebel Ralph Gutzmer konnten unversehrt aus dem Cockpit klettern, nachdem die Flugplatzfeuerwehr das Dach aufgewuchtet hatte.

„Meine Sorge war groß, dass ich jetzt von der Ausbildung abgelöst werde“, erinnert sich Meyer. „Aber es stellte sich heraus, dass es keine harte Landung war, sondern der Verriegelungsmechanismus des Fahrwerks schlichtweg zu schwach dimensioniert war.“ Wichtig sei auch gewesen, dass die Reparaturkosten unter 50 000 D-Mark lagen, denn so war es kein Flugunfall, sondern ein für die Statistik nur harmloser Zwischenfall.

Seine weitere Ausbildung führte den 66-Jährigen (Spitzname „Meyer the Flyer“) nach Sheppard Air Force Base in Texas. Als Lehrgangsbester konnte er sich den Jet, mit dem er fliegen wollte, selbst aussuchen. Er entschied sich für die vom Italiener Giuseppe Gabrielli konstruierte Fiat G 91. Denn in dieser einsitzigen Maschine konnte er – wie bei dem in Fursty stationierten Nachfolgemodell Alpha Jet – sein eigener Herr bleiben. „Ich wollte wie schon beim Segelfliegen immer allein im Cockpit fliegen.“

Seinen letzten Flug absolvierte er 1995 mit einer Phantom F-4F als stellvertretender Kommandeur im Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ in Wittmund. Nach einer Zwischenverwendung bei der NATO in Ramstein und Dänemark kam er wieder nach Bruck, wo er auch nach seiner Pensionierung 2006 als Fluglehrer im Simulator arbeitete.

An der Schießanlage wurden die Bordkanonen neu justiert

Ein in der Breite ziemlich monströses Fursty-Bauwerk steht östlich der Shelterschleife. Die beiden Flügel der Anlage sind in der Mitte geknickt und beschreiben im Grundriss einen nach Osten gerichteten 120-Grad-Winkel. Die sieben Meter hohe Fassade ist mit mittlerweile stark verwitterten Holzbrettern verkleidet. Daran angebracht ist ein grauer Mast, an dem Symbole für die jeweils geltende Alarmart aufgezogen wurden.

In das torartige Loch (links) der Bretterwand wurde mit der Bordkanone des Alpha Jet geschossen, um selbige neu mit der Visiereinrichtung im Cockpit zu justieren.

 Ein rotes Quadrat steht für Luftalarm, ein schwarzes Dreieck für ABC-Alarm. Eine breite Betonpiste weist genau in die Richtung des mittigen Knickes der Anlage, endet jedoch weit davor. Herzstück ist ein riesiges, dunkles Loch in der Bretterwand. Die Wände bestehen aus nacktem Beton, ein Sandberg ist an die rückwärtige Wand geschüttet. „Das Bauwerk wurde von der Luftwaffe im Zuge der Einführung des Alpha Jet um das Jahr 1980 errichtet“, erzählt der ehemalige Alpha Jet-Pilot Harald Meyer.

 Das torartige Loch in der Mitte diente als „Kugelfang“ für die 27 Millimeter-Projektile der Mauser-Bordkanone. Denn nach einem Ausbau der Kanone oder Teilzerlegung des Flugzeugs musste die Kanone neu justiert werden, um die Visiereinrichtung im Cockpit mit der tatsächlichen Ausrichtung der Kanone zu harmonisieren. „Der Bomber wurde in einiger Entfernung vor dem Bauwerk positioniert, anschließend gab man Probeschüsse ab und überprüfte die Einschläge“, erklärt Meyer. Bei modernen Jets erfolgt das längst mit einer Laser-Visiereinrichtung, sodass echte Schüsse nicht mehr notwendig sind. (mjk)

Die Serie

Alte Tower, Fliegerhorstkirche, Kilometerbau: Diese Orte auf dem Fliegerhorst kennen die meisten. Doch dort befinden sich viele weitere, kaum bekannte Gebäude, die im Kalten Krieg eine besondere Rolle gespielt haben. Harald Meyer von der Traditionsgemeinschaft Fursty stellt sie bei einem Spaziergang vor (Kasten). Mit ehemaligen Kameraden betreibt er eine private Lehrgeschichtliche Sammlung auf Fursty und bietet zweieinhalbstündige Führungen an. Anfragen unter meyerffb@arcor.de.

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