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Ein Kühlschrank und Regale mit Lebensmitteln, die verschenkt werden: Vize-Marktleiterin Dragana Cosic und Marktleiter Michael Schipper werben für das Projekt.

Pilotprojekt im AEZ Buchenau 

Zu alt für die Kasse, aber zu gut für den Müll

Viele Lebensmittel, die wir einkaufen, landen am Ende im Müll. Jetzt soll ein Pilotprojekt im AEZ Fürstenfeldbruck dies verhindern. Hier werden nun Lebensmittel verschenkt, die kurz vor ihrem Ablauf stehen.

Fürstenfeldbruck –Laut einer Studie der Universität Stuttgart wirft jeder Deutsche im Jahr 82 Kilogramm an Lebensmitteln in den Müll. Davon sollen mindestens zwei Drittel noch verwertbar sein. Ein ähnliches Problem hat auch der Handel. Er muss Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten haben, aus den Regalen nehmen und entsorgen. Sogar die Tafeln dürfen keine abgelaufenen Lebensmittel weitergeben. Denn ein EU-Recht sagt, dass nach Ablauf des MHD die Haftung auf den Herausgeber (also Tafel oder Supermarkt) übergeht.

Um dennoch die unnötige Verschwendung von noch brauchbaren Nahrungsmitteln zu vermeiden, startet das AEZ in der Buchenau ein Pilotprojekt, das nach eigener Aussage deutschlandweit einzigartig ist. Waren, deren MHD abläuft, werden verschenkt. „Solch eine Aktion gibt es nur einmal in Deutschland. In Baden-Württemberg und in Norddeutschland gibt es zwar Läden, die ihre Ware nach Ablauf des MHD verschenken, aber damit gehen sie auch das Risiko ein, verklagt zu werden“, sagt der AEZ-Geschäftsführer Udo Klotz.

Alle Kunden sollen ihr Kauf- und Wegwerfverhalten überdenken

Im Kassenbereich des AEZ in der Buchenau gibt es einen Kühlschrank und Regale, in die deshalb nur kurz vor dem Ablauf stehende Lebensmittel täglich neu eingeräumt werden. „Bei beispielsweise Molkereiprodukten werden die Waren am Tag des MHD dort einsortiert. Bei Konserven oder anderen länger haltbaren Nahrungsmitteln erst am Ende ihres Ablaufmonats“, erklärt Klotz.

Diese Aktion soll nicht nur etwas für Bedürftige sein, sondern alle Kunden einladen, ihr Kauf- und Wegwerfverhalten zu überdenken. Außerdem, so Klotz, „spart man so vielleicht den ein oder anderen Euro im Haushaltsgeldbeutel und kann sich beim Einkauf auch mal teurere Waren gönnen.“ Marktleiter Michael Schipper ist von der Aktion begeistert, auch wenn es für ihn und seine Mitarbeiter ein wenig mehr Arbeit bedeutet. „Lieber verschenke ich die Lebensmittel, als sie in die Tonne zu werfen.“

Das sich jetzt aber nicht jeder kostenlos seinen Kühlschrank oder seine Speisekammer voll machen kann, muss auch klar sein. „Wir verkaufen weiterhin kurz vor dem Ablauf stehende Produkte preisreduziert. Nur wenn sie am Tag ihres MHD nicht verkauft wurden, verschenken wir sie. Wir sind schließlich ein Handelsunternehmen und müssen auch Umsatz machen“, sagt der AEZ-Geschäftsführer. „Manchmal kann es sein, dass der Gratis-Kühlschrank voll ist. Es kann aber auch passieren, dass nur drei Joghurts drin stehen. Das ist immer tagesabhängig.“

Das Pilotprojekt läuft nun zwei Monate. Dann entscheidet sich, ob die Aktion weitergeht und auf alle AEZ-Filialen ausgeweitet wird. „Wir können noch nicht sagen, wie es laufen wird. Es kann natürlich sein, dass hier Missbrauch passiert und einer alles mitnimmt, oder es wird gar nicht angenommen. Wir sind gespannt“, sagt Klotz. Doch für ihn ist solch ein Projekt zeitgemäß und richtig. Außerdem wünscht er sich ein Umdenken bei der EU, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. 

von Tom Eldersch

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