Alexander Isenmann (l.) und Christian Kraus von der Amperoase hoffen, dass die Kurse im Winter pandemiebedingt nicht wieder ausfallen müssen.
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Alexander Isenmann (l.) und Christian Kraus von der Amperoase hoffen, dass die Kurse im Winter pandemiebedingt nicht wieder ausfallen müssen.

Landkreis FFB

Plätze in Schwimmkursen heiß umkämpft

Bereits ausgebucht: Diese Auskunft hören Eltern oft, wenn sie ihre Kinder für Schwimmkurse anmelden wollen – derzeit noch öfter als sonst. Denn als die Bäder endlich wieder öffnen durften, begann ein wahrer Ansturm auf die ohnehin schon überlaufenen Angebote. Und dabei gibt es neue Corona-Einschränkungen für die Trainer.

Fürstenfeldbruck – Als der Corona-Lockdown im Mai zu Ende ging, begann der Ansturm. „Innerhalb von zehn Minuten waren alle Plätze über das Internet ausgebucht“, erinnert sich Alexander Isenmann, Leiter der Amperoase. Als Reaktion darauf stukturierte das Fürstenfeldbrucker das Bad sein Angebot um. Statt 21 Kurse mit 60-Minuten Einheiten gab es 34 Kurse mit jeweils 30 Minuten. „Gleichzeitig haben wir die Teilnehmerzahl von acht auf fünf Kinder reduziert, damit wir die hohe Qualität weiter sichern“, erzählt Isenmann.

Im Freibad Maisach ist die Nachfrage ähnlich erdrückend. Wer dort vor Pfingsten einen Platz für einen Kurs im August bekam, hatte Glück. „Wir konnten dieses Jahr ausnahmslos Vorschüler und Erstklässler unterrichten“, erzählt Freibadchef Michael Spring.

Spring ist einer der drei Schwimmtrainer in Maisach. Noch bis zur Schließung des Bades Mitte September geben er und seine Mitstreiter so viele Kurse wie möglich. Doch das ist nicht so leicht. Nagip Malguitou hat in 33 Badesaisonen in Maisach noch nie derartige Einschränkungen erlebt: „Die Schwimmlehrer dürfen bei uns derzeit nicht mit ins Wasser“, erklärt er. Das sei sehr bedauerlich. So müsse man versuchen, möglichst viel vom Beckenrand aus zu erreichen. Schwimmanfänger etwa werden in Maisach mit Videos vorbereitet. Die Fortgeschrittenen dürfen den Kleineren vorschwimmen. Die Ausstattung – etwa Schwimmnudeln – müssen die Kinder selbst mitbringen.

Strenge Auflagen

Die Brucker Amperoase konnte hingegen erreichen, dass ihre fünf Schwimmlehrer mit ins Becken dürfen: „Aber unter strengen Auflagen“, betont Bäderchef Alexander Isenmann. Anfangs sollten die Trainer noch mit Maske ins Wasser. Ein Unding: Wird die Maske nass, kann man nicht mehr atmen. Inzwischen sind sämtliche Lehrer geimpft und werden ständig getestet. So könne der Betrieb beinahe normal ablaufen.

Allerdings nur beinahe. Es gibt auch Probleme auf Seiten der Kinder. „Man merkt, dass viele noch nicht so weit sind“, sagt der Brucker Schwimmlehrer Christian Kraus.

Gerade nach der lange Schließung der Bäder in der Pandemie offenbarten sich Defizite in allen Schwimmklassen. Es schiene, als verschöben sich die Fähigkeiten der Mädchen und Buben um einen Jahrgang, so Kraus.

„Anfangs haben wir gemerkt, dass die Kinder über den Winter nicht an das Wasser gewöhnt wurden“, pflichtet ihm Schwimmlehrer Michael Spring aus Maisach bei. Aber: „Die motorischen Defizite konnten wir im Sommer so gut es eben geht auffangen.“

Nie aus den Augen lassen

Daher sei man im Großen und Ganzen mit den Fortschritten doch zufrieden. Dies gilt auch für die Trainer der Amperoase. Ihnen ist die Vorbereitung ihrer Schützlinge auf die Zeit nach den Kursen wichtig, wenn sie dann ohne ständigen Aufsicht im Wasser sind. Kurse seien nur der Grundstein. Die Trainer appellieren an Mütter und Väter, Schwimmanfänger gerade im Meer oder See nie aus den Augen zu lassen: „Auch Eltern sind in der Pflicht, ihre Kinder weiter anzuleiten“, fordert Christian Kraus.

Gleiches betont die Wasserwacht, die sich eng mit den Bädern abstimmt. Die Brucker Abteilung etwa gibt selbst vermehrt Schwimmkurse in der Amperoase. Und die Sektion Olching bietet zumindest einmal im Jahr einen Tag, an dem Kinder ihre bisherigen Fähigkeiten auffrischen können. Auch dort waren alle Plätze binnen kürzester Zeit ausgebucht.

Viele Nichtschwimmer

Glücklicherweise war das Lerndefizit der vergangenen beiden Sommer laut Florian Heininger, Technischer Leiter der Kreiswasserwacht, bisher noch nicht an vermehrten Badeunfällen abzulesen: „Auch diese Saison liegen wir in einem normalen Bereich.“ Allerdings befürchte man eine „riesige Horde Nichtschwimmer“ im kommenden Jahr. Das Problem fehlender Plätze in Schwimmkursen sei bereits Corona akut gewesen, die Situation hätte sich nun aber noch weiter verschlimmert, sagt Heininger.

Die Wasserwachten arbeiteten mit dem Landratsamt mit Hochdruck an einer Lösung, nur seien die Möglichkeiten beschränkt. Dass Defizite im Herbst und Winter in Hallenbädern aufgeholt werden können, glaubt Heininger nicht. Viel eher fürchte man eine erneute Schließung der Bäder und damit ein Ende der Schwimmkurse wegen schlechter Inzidenzwerte. (Matthias Kast)

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