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„Wie bei einer leichten Grippe“: So beschreibt Florian Bauer die Symptome bei der Stammzellenentnahme. 

In Fürstenfeldbruck

Polizist spendet Knochenmark

Anderen helfen – für Polizist Florian Bauer ist das selbstverständlich. Jetzt hat der Brucker Kriminalhauptmeister einem Wildfremden womöglich das Leben gerettet. Allerdings nicht in einer waghalsigen Rettungsaktion – sondern mit seinen Stammzellen.

Fürstenfeldbruck – Wer mit Drogen zu tun hat, bekommt es früher oder später mit ihm zu tun. Seit 2009 ist Florian Bauer im Polizeidienst. Bei der Brucker Kripo kümmert er sich um Betäubungsmittel-Delikte. Den Kampf gegen verbotene Rauschmittel sieht der 26-Jährige als Dienst an der Gesellschaft. Seinen bisher wohl bedeutendsten Kampf hat der Ermittler allerdings nicht im Einsatz geführt – sondern im Krankenbett. Florian Bauer hat seine Stammzellen gespendet.

Im Sommer 2017 lässt sich der Polizist bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren. „Ich fand, das ist eine gute Sache. Man kann mit wenig Aufwand anderen helfen“, sagt Bauer. Von der DKMS bekommt er in einem Umschlag ein Wattestäbchen geschickt. Einmal kurz damit durch den Mund fahren und wieder zurückschicken – fertig.

Geistig hat der 26-Jährige das Thema schon bald abgehakt. Doch bereits wenige Wochen nach der Registrierung bekommt er Post. Er ist als Spender für einen Erkrankten geeignet. Ein 40-jähriger Deutscher. Mehr erfährt Bauer nicht. Er zögert nicht lang. Womöglich ist er die letzte Hoffnung für diesen Mann. Jetzt ist es an ihm zu entscheiden, ob er sich auf die Prozedur einlässt.

Der Ermittler gibt sein OK. Wenig später schickt ihm die DKMS ein Blutabnahmeset. Beim Hausarzt wird ihm Blut abgezapft und zur genauen Untersuchung in ein Labor geschickt. Schnell steht fest: Er ist definitiv als Spender für den Mann geeignet.

Wochen vergehen, ohne dass Bauer etwas von der DKMS hört. Im Januar dann der Anruf: Es ist soweit. In einem speziellen, auf Stammzellenspenden spezialisierten Krankenhaus in Ulm lässt sich der Polizist untersuchen. Die Spezialisten wollen herausfinden, ob es Anzeichen gibt, dass er die Spende nicht vertragen könnte. EKG, Blutabnahme, Ultraschall: Bauer wird komplett durchgecheckt. Er erfährt dabei, dass er vollkommen gesund sei. „Ein schöner Nebeneffekt.“

Die Polizei Oberbayern Nord hat auch ein Video mit Florian Bauer gedreht.

Jetzt beginnt die Vorbereitung. Fünf Tage vor der Spende muss sich Bauer täglich zwei Spritzen verpassen. Der Wirkstoff soll vereinfacht gesagt Stammzellen aus dem Knochenmark lösen und ins Blut transportieren. Die Prozedur ist nicht ohne Nebenwirkungen. Wie bei einer Grippe hat Bauer leichte Gliederschmerzen, fühlt sich etwas abgeschlagen. Die eigentliche Entnahme der Stammzellen verläuft ohne Probleme. Eine spezielle Maschine extrahiert aus Bauers Blut die begehrten Zellen. Das Blut wird anschließend wieder zurück in den Körper gepumpt. „Das war wirklich entspannt. Ich lag in einem Zimmer und habe Fernsehen geschaut“, erzählt Bauer. Als die Prozedur vorbei ist, sind auch die Nebenwirkungen weg – das war’s.

Ob seine Zellen dem Empfänger geholfen haben, weiß Florian Bauer nicht. „Man erfährt da recht wenig“, sagt er. Doch der Gedanke lässt ihn nicht los. Über die DKMS schreibt der Brucker Polizist dem Empfänger einen Brief. Eine Antwort hat er noch nicht bekommen. Treffen würde er den Mann schon einmal gerne. Schließlich sind sich die beiden genetisch sehr ähnlich. Die DKMS spricht sogar von genetischen Zwillingen. Bauer: „Das ist schon faszinierend, dass meine Zellen jetzt in jemand anderem weiterleben.“ (Tobias Gehre)

Informationen

zum Thema Stammzellenspende gibt es im Internet unter www.dkms.de.

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