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Immer wieder werden bei Reichsbürgern Waffen-Arsenale entdeckt

Verdacht gegen einen 61-Jährigen

Polizisten entdecken Waffen-Arsenal - Reichsbürger muss seine Knarren abgeben

Ein 61-Jähriger aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck muss seine Waffen abgeben. Er wird der Reichsbürger-Szene zugeordnet. Der Mann verneint das allerdings.

Fürstenfeldbruck Unter großen Sicherheitsvorkehrungen wurde am Dienstag am Amtsgericht gegen einen 61-jährigen Fürstenfeldbrucker verhandelt. Mehrere Polizisten und Justizwachtmeister saßen im Gerichtssaal, jeder Zuhörer musste sich ausweisen. Der Angeklagte stand unter dem Verdacht, der Reichsbürgerszene anzugehören.

Mann folgt Aufforderung zur Waffenabgabe nicht

Im Sommer 2018 hatte das Landratsamt ihm daher den kleinen Waffenschein sowie die Waffenbesitzkarte entzogen. Ihm wurde auferlegt, die zahlreichen Waffen, die er als Sportschütze legal im Besitz hatte, abzugeben oder unbrauchbar zu machen. Doch der 61-Jährige hatte darauf nicht reagiert. Deshalb wurde er wegen unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt.

Lesen Sie auch: Vor Monaten war er mit seinen zwei Kindern untergetaucht: Nun hat die Polizei einen 50-jährigen Reichsbürger in Oberfranken festgenommen - in einem Erdbunker.

Polizisten bringen Reichsbürger zur Verhandlung

Beim ersten Verhandlungstermin im März war der Mann nicht erschienen. Um sicherzustellen, dass er diesmal kommt, standen am gestrigen Dienstagmorgen Polizisten vor seiner Wohnungstür und nahmen ihm zum zweiten Verhandlungstermin mit. Der 61-Jährige saß meist schweigend auf der Anklagebank. Vehement bestritt er aber, ein Reichsbürger zu sein. „Ich weiß nicht, was Reichsbürger sind“ betonte er. „Ich bin auch keiner.“

Doch ein Schreiben des Bruckers an einen Gerichtsvollzieher ließ auf etwas anderes schließen. Darin hatte er nach Manier der Reichsbürger unter anderem erklärt, „die BRD ist kein Staat, sondern eine alliierte Treuhandverwaltung für ein besetztes Land“. Auch die Rechtmäßigkeit eines Schreibens des Gerichtsvollziehers an ihn bezweifelt der Mann. Das Schreiben erwecke lediglich einen amtlichen Anschein.

Wohnung auf Waffen durchsucht

Die Waffen sind dem Mann mittlerweile abgenommen worden. Das Landratsamt hatte eine Wohnungsdurchsuchung beantragt, als er vier Wochen nach dem Entzug der Erlaubnis die Waffen immer noch nicht abgegeben hatte. Polizisten waren daraufhin im Herbst 2018 auf seiner Arbeitsstelle in Haar erschienen und hatten den 61-Jährigen mit in seine Wohnung genommen.

Dort war der Brucker kooperativ. Er zeigte den Beamten nicht nur die Tresore für die Waffen, sondern auch die Schlüssel. In den Tresoren entdeckten die Polizisten dann ein richtiges Waffenarsenal, so die Staatsanwältin: zwei halbautomatische Kurzwaffen, zwei Repetierbüchsen, eine Einzelladebüchse, eine Einzelladeflinte und hunderte Patronen Munition. 

Gefängnisstrafe beantragt

Die Staatsanwältin beantragte, den 61-Jährigen für den unerlaubten Besitz der Waffen für ein Jahr ins Gefängnis zu schicken. Sie konnte weder eine positive Sozialprognose erkennen, noch dass der Brucker von der Anklage und der Verhandlung beeindruckt wäre.

Doch der Richter beließ es bei einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe. Der Mann sei nicht vorbestraft und habe sich bei der Durchsuchung durch die Polizei kooperativ gezeigt. Auferlegt wurde ihm außerdem die Ableistung von 80 Sozialstunden.  sus

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