Protest gegen Zentralisierung der Asylhilfe

Flüchtlingshelfer prangern geplante Stellenstreichungen bei der Asylhilfe der Caritas an. In einem Brief an das Sozialministerium erklären sie, dass Ehrenamtliche diese Lücke nicht schließen können.

Fürstenfeldbruck – Wegen der wohl bevorstehenden Änderung in der staatlichen Asylförderung hatte die Brucker Caritas schon Ende vergangenen Jahres angekündigt, ihre Flüchtlingshilfe auf neue Beine zu stellen. Vereinfacht gesagt zentralisiert die Caritas ihre Arbeit in einem Zentrum für Asyl und Migration, das in der Brucker Innenstadt untergebracht ist. Für Geflüchtete, die in einer der rund 80 Unterkünfte im Landkreis leben, bedeutet das, dass sie weniger Besuch von Sozialarbeitern bekommen und wesentlich öfter nach Bruck fahren müssen, wollen sie sich beraten lassen.

Asylhelferkreise aus 22 Gemeinden protestieren nun gegen diese Änderung. Aufgrund der neuen Richtlinie des Sozialministeriums sollen im Landkreis die bisher 16,08 Stellen bis Ende des Jahres auf 9,43 abgebaut werden, heißt es in dem Schreiben. Für die Geflüchteten und die Asylhelferkreise bedeute dies einen massiven Einschnitt in die bisherige professionelle Beratung und Unterstützung. „Die ehrenamtlichen Asylhelfer können diese Lücke nicht ausfüllen.“

Auch wenn die meisten Flüchtlinge die ersten bürokratischen Hürden inzwischen genommen hätten, so bestehe nach wie vor ein unverändert hoher Beratungsbedarf durch ausgebildete Sozialarbeiter. Bei vielen Betroffenen führten Flucht und Fluchtursachen zu geringer Belastbarkeit und körperlichen Erkrankungen, häufig auch zu familiären Konflikten sowie psychischen Krisen und Traumata bis hin zur Selbstmordgefährdung. Die professionelle Sozialberatung könne durch ihre erfahrenen Sozialarbeiter hier stabilisierend eingreifen. Auch die Einleitung medizinischer und psychologischer Behandlungsmaßnahmen erfordere oft einen hohen bürokratischen Aufwand.

Perspektivlosigkeit, Ungewissheit und Hoffnungslosigkeit führe nicht selten zu persönlichen Krisen und zu massiven Konflikten in den größeren Einrichtungen. Insbesondere dort bestehe ein regelmäßiger, am besten täglicher, Beratungsbedarf und nicht selten bedürfe es auch einer professionellen Krisenintervention.

Die ehrenamtlichen Asylhelfer könnten eine professionelle Unterstützung niemals ersetzen, da sie weder über die fachlichen Kompetenzen noch über ausreichend Zeit verfügen, heißt es in dem Brief an die Ministerin.

Die Asylhelfer des Landkreises fordern daher das Sozialministerium auf, die Stellenstreichungen zurückzunehmen, sodass zumindest der frühere Personalschlüssel bei der Asylberatung erhalten bleiben kann. Der Landkreis selbst hatte eine Entscheidung über eine weitere Förderung der Caritas 2017 vertagt. Man wollte erst abwarten, wie sich die neuen Regeln genau gestalten. Die Caritas sieht in der Zentralisierung auch einen Vorteil: So könnten die Kräfte an einem Ort gebündelt werden, die Übergänge zwischen verschiedenen Beratungsbereichen würden fließender, die Möglichkeit der Vertretung bei Ausfällen sei größer.

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