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Im Gruppenraum der Tagesklinik (v.l.): Dr. Peter Brieger, Ärztlicher Direktor des Kbo-Isar-Amper-Klinikums, Pflegedienstleiterin Christine Ernst-Geyer, Bezirkstagspräsident Josef Mederer und Chefarzt Dr. Nicolay Marstrander. 

Isar-Amper-Klinik

Psychiatrie-Projekt in Fürstenfeldbruck hat sich etabliert

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Vor zwei Jahren wurde das Kbo-Isar-Amper-Klinikum in Fürstenfeldbruck eröffnet. Mitten in der Stadt werden psychisch kranke Menschen betreut – stationär und ambulant. Ein Pilotprojekt, das neue Wege der Versorgung aufzeigt und sich etabliert hat.

Fürstenfeldbruck– Die Klinik an der Stadelbergerstraße steht für die Abkehr von den bisherigen psychiatrischen Einrichtungen: „Früher gab es ein Rundum-Sorglos-Paket vor den Toren der Stadt“, berichtet Chefarzt Dr. Nicolay Marstrander. Doch für die Angehörigen bedeutete das oft eine weite Anfahrt, Kontakte für die Ärzte und Therapeuten waren schwer zu knüpfen. Die Bilanz nach zwei Jahren: „Fürstenfeldbruck ist schon ein fester Begriff in ganz Deutschland geworden“, sagt Dr. Peter Brieger, Ärztlicher Direktor des Kbo-Isar-Amper-Klinikums.

Ziel des Pilotprojektes war, eine neue, offene Psychiatrie mit integrierten Behandlungen zu schaffen. Und das in der Mitte der Gesellschaft, nicht hinter verschlossenen Türen und nicht an ein Krankenhaus angeschlossen. „Die Trennung ist kein Makel, sondern ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Die Stationen sind offen. Auf jeden Patienten wird ein individueller Behandlungsplan abgestimmt, an dem er auch mitarbeiten soll. „Mündig machen im Umgang mit der Krankheit“ nennt Marstrander das. Auch das duale Pflegesystem ist neu: „Ein Oberarzt und eine pflegerische Fachkraft leiten eine Station“, erklärt die Pflegedienstleiterin Christine Ernst-Geyer. Mit diesem Modell seien alle sehr zufrieden.

Die vollstationäre Betreuung ist nur ein Baustein. Rund 2000 Patienten werden jährlich in der Klinik, die für die Landkreise Bruck und Dachau zuständig ist, versorgt. Einige der 88 Betten werden frei gehalten, falls ein Patient dringend aufgenommen werden muss. Die Verweildauer liegt im Schnitt bei 21 Tagen – wobei es einige Patienten gibt, die länger bleiben, aber auch viele, die nur ein bis zwei Tage dort sind.

Der weitaus größte Baustein ist die Ambulanz, in der die Kranken je nach Bedarf wöchentlich, aber auch seltener zur Sprechstunde oder Therapie einbestellt werden. Dieses Angebot nutzen pro Jahr rund 1500 Menschen. Ein Team aus Ärzten, Pflegern, Ergotherapeuten und weiteren Fachkräften kümmert sich um die teils chronisch kranken Patienten. Sie machen auch Hausbesuche, damit die Menschen möglichst in ihrem Umfeld bleiben können. Durch die Nähe können die Menschen zu Fuß zur Therapie oder Suchtberatung gehen. Auch die Wege zu komplementären Diensten wie der Caritas oder dem sozialpsychiatrischen Dienst sind nicht weit. Man steht in Kontakt, um für jeden Patienten das perfekte Paket zu schnüren. Dreimal am Tag ist eine Stunde für die Krisensprechstunde geblockt – eine Ergänzung zum telefonischen Krisendienst, der rund um die Uhr angerufen werden kann.

Daneben gibt es eine Tagesklinik mit 25 Betten, in die im Jahr rund 500 Menschen kommen. Sie werden werktags vom Frühstück weg bis zum Nachmittag betreut. In Dachau gibt es an der Helios-Klinik ebenfalls eine Ambulanz, die jährlich rund 500 Menschen aufsuchen sowie eine Tagesklinik mit rund 400 Patienten. Künftig soll es in jedem Landkreis eine Ambulanz und Tagesklinik für psychisch kranke Menschen geben, fordert Mederer. „Die Nähe zu den Menschen ist wichtig.“

Diese Nähe führte in der Bevölkerung anfangs zu Ressentiments. Doch inzwischen hat sich die Situation beruhigt. Zwar gebe es noch Nachbarn, die Probleme hätten, sagt Marstrander. Doch alle hätten sich an die Realität angepasst. „Ich erlebe die Nachbarn überwiegend konstruktiv.“ Man sei im Gespräch und löse Probleme.

Der Kontakt

zur Bevölkerung ist der Klinikleitung wichtig. Denn es könne jeden treffen, sagt Brieger. „Wir wollen zeigen, dass es eine gute Versorgung gibt und die Schwelle niedrig halten.“ Daher ist die Caféteria und auch der Eingangsbereich für alle Menschen zugänglich. Zudem öffnet die Kbo-Klinik am Freitag, 12. Oktober, nachmittags ihre Türen. Neben Vorträgen soll auch eine Hausführung möglich sein.

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