Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer aus Holz.
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Die Frau muss sich vor Gericht verantworten.

Erinnerung bruchstückhaft

„Vollkommener Blödsinn“: Psychisch Kranke attackiert Mann mit Messer - vor Gericht zeigt sie wenig Einsicht

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Eine psychisch kranke Frau hat in einer Bar einen Mann mit einem Messer attackiert. Die Einsicht ihrer Krankheit hätte vieles gut machen können. Doch die fehlt.

Fürstenfeldbruck – Respekt war für die Angeklagte (60) ein Fremdwort. „Hündchen“, nannte sie den Vorsitzenden Richter Thomas Bott, mit „Schätzchen“ sprach sie die Psychiaterin an. Sie konnte nicht anders aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung. Die hatte im Mai 2018 zu einer Messerattacke vor der Bar „Brucklyn Burger House“ in Fürstenfeldbruck geführt. Wie durch ein Wunder passierte nichts. Doch die 60-Jährige landete wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Messerattacke in Bar: Betrunkene Frau attackiert Mann - danach spricht sie von Blackout

„Ich möchte eigentlich gar nichts aussagen, weil es vollkommener Blödsinn ist“, stellte sich die kranke Kinderpflegerin stur. Doch dann plapperte sie ständig dazwischen, bis es dem Richter zu bunt wurde. Er verhängte ein Ordnungsgeld von 500 Euro gegen die Frau. „Mein Konto ist eh gepfändet“, entgegnete die Frau. Doch der Richter erklärte ihr, dass sie bei Nichtzahlung fünf Tage Ordnungshaft verbüßen müsse. Ihre Schwester, die am ersten Prozesstag ihren 70. Geburtstag feierte, schüttelte fassungslos den Kopf.

Die Gutachterin berichtete derweil ein wenig über die Angeklagte, die sich kaum hatte untersuchen lassen. Die Frau aus Germering leide an einer bipolaren Störung, die sich durch extreme Stimmungsumbrüche zeige, erklärte sie. Ihr zufolge könne die gelernte Kinderpflegerin sehr freundlich und im nächsten Moment sehr verstimmt reagieren. Das war wohl an besagtem Mai-Abend passiert.

Keine Einsicht vor Gericht: Frau nach Messerattacke festgenommen - sie ist psychisch krank

Stark betrunken hatte die Frau zunächst einmal die Polizei gerufen und den Diebstahl verschiedener Gegenstände aus der Obdachlosen-Unterkunft an der Maisacher Straße beklagt. Als die Polizisten eintrafen, beleidigte sie die Beamten. Stunden später ging sie mit einem Messer und einer Wodkaflasche zum Eingang der Bar. Dort hielt sie das Messer einem Kunden an den Hals. Laut Anklage sagte sie nichts, sondern starrte ihn nur an. Kurz darauf fuchtelte sie mit Stichbewegungen am Unterleib des Mannes herum und sagte: „Ich kann auch hier rumschneiden.“

Angeblich konnte sich die 60-Jährige nicht daran erinnern. Das hatte sie der Gutachterin erklärt, von einem Blackout gesprochen. Dass sie alkoholisiert war, wollte sie nicht wahrhaben. Polizisten hatten sie schließlich zu Boden gebracht, das Messer fanden sie in einem Nachbargarten. Tatsächlich aber kam sie damals von einer Feier.

Ausgeflippt war sie schon öfter. Ihr Zustand könnte durch einen medikamentösen Stimmungs-Stabilisator verbessert werden. Doch dafür bedarf es einer Krankheits-Einsicht, die der Frau noch fehlt. Der Prozess dauert an.  wal

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