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Die gute Seele des Vereins: Edigna hält ein Dorf zusammen

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Die Edigna-Spiele unter der Regie von Marcus Everding wurden im Jahr 2019 in einer modernen Inszenierung aufgeführt.
Die Edigna-Spiele unter der Regie von Marcus Everding wurden im Jahr 2019 in einer modernen Inszenierung aufgeführt. © Kellermann

Die Selige Edigna ist das Wahrzeichen des Brucker Stadtteil Puchs. Um ihr Andenken und die Dorfgemeinschaft kümmert sich der Edigna-Verein. Von Anfang an dabei ist Edigna Kellermann – als Akteurin bei den Festspielen, aber auch als jahrzehntelange Vorsitzende.

Puch – Der Legende nach kam die Selige Edigna vor über 900 Jahren auf einem Ochsenwagen nach Puch. Dort ließ sich die Einsiedlerin nieder und lebte bis zu ihrem Tod ein einfaches Leben in einer hohlen Linde. Diese Legende wird seit dem Jahr 1959 alle zehn Jahre mit den Edigna-Spielen groß gefeiert. Zehn Jahre später, als die Spiele das zweite Mal aufgeführt wurden, gründete sich der Edigna-Verein (Kasten).

Als Mitglied der ersten Stunde und Darstellerin auf der Bühne war damals auch Edigna Kellermann mit von der Partie. Die heute 67-Jährige ist ein Pucher Urgestein und seit über 50 Jahren eine gute Seele des Vereins. Seit über 40 Jahren führt sie ihn als Vorsitzende. „Es hat mich geprägt, so lange in diesem Verein zu sein“, sagt Kellermann im Rückblick. „Vor allem auch das Zwischenmenschliche mit den Puchern, das dadurch entstanden ist und weiterhin entsteht, bedeutet mir viel.“ Ihr ist es wichtig, dass der Verein für alle da ist und mit den Festspielen, aber auch darüber hinaus, ein belebendes Element für die Gemeinschaft in Puch darstellt. Egal, ob Alteingesessene oder neu Hinzugezogene, hier sollen sich alle willkommen fühlen.

Ein großer Baustein in der Vereinstätigkeit ist neben der Organisation der Festspiele die Kontaktpflege mit Vertretern aus der Ukraine. Aus diesem Staat soll nämlich Edignas Mutter stammen. Für die Ukrainer handelt es sich somit auch um eine wichtige historische Person, an die es zu erinnern gilt. Edignas Vater soll der französische König Heinrich I gewesen sein. „Durch ihre Wurzeln, die in der Ukraine, Frankreich und Deutschland liegen, ist sie eine europäische Integrationsfigur“, erklärt Kellermann.

Der Vorstand des Vereins: (h.v.l.) Sylvia Tränkl, Andreas Lohde, Ulrike Buttner, Willi Dräxler, Simone Sedlmayr, Edigna Maria Kellermann, Aziz El Kobzi, (v.v.l.) Margit Liebermann, Brigitte Diebel, Edigna Kellermann und Andre Lenz.	fotos: kellermann
Der Vorstand des Vereins: (h.v.l.) Sylvia Tränkl, Andreas Lohde, Ulrike Buttner, Willi Dräxler, Simone Sedlmayr, Edigna Maria Kellermann, Aziz El Kobzi, (v.v.l.) Margit Liebermann, Brigitte Diebel, Edigna Kellermann und Andre Lenz. © Kellermann

Im Jahr 2007 kam sogar der damalige ukrainische Staatspräsident Viktor Yushchenko zur Seligen Edigna nach Puch – für Kellermann und die anderen Pucher ein großer Höhepunkt. Auf Einladung des ukrainischen Außenministers Pavlo Klimkin nahmen Edigna Kellermann und der stellvertretende Vorsitzender Andreas Lohde im Jahr darauf am Anna-Edigna-Festival in Kiew teil. „Zwischen der Ukraine und dem Edigna-Verein besteht eine freundschaftliche Verbindung, die in den letzten Jahren immer weiter vertieft wurde“, sagt die Pucherin.

Neben der verbindenden Kraft, die Edigna sowohl auf europäischer Ebene wie auch innerhalb des Dorfes versprüht, ist die Vorsitzende vor allem vom Selbstbewusstsein fasziniert, das die Selige bereits im 11. Jahrhundert ausgestrahlt hat. In Puch landete Edigna nämlich nur, weil sie vor einer Zwangsheirat floh, um ein eigenständiges Leben zu führen.

Der Mythos rund um Edigna hat somit eine enorme Strahlkraft, die auch Kellermann bis heute umtreibt. Um den Verein am Leben und am Puls der Zeit zu halten, denkt die 67-Jährige darüber nach, den Vorsitz in näherer Zukunft abzugeben. „Ich überlege, den Vorsitz an ein junges Team zu übergeben, das innovative Angebote für die Pucher schafft“, erzählt Kellermann. „Die Dorfgemeinschaft soll durch den Verein weiterhin belebt werden.“ Ihrer Verehrung für die Selige Edigna – immerhin wie bei vielen Pucherinnen auch ihre Namenspatronin – wird ein Rücktritt von der Spitze des Vereins keinen Abbruch tun.

Die Festspiele und übrigen Aktivitäten

Im Februar 1959 wurde anlässlich des 850. Todestages der Seligen Edigna zum ersten Mal das „Gedenkspiel Edigna zu Puch“ von der Gemeinde unter Bürgermeister Bernhard Braumiller aufgeführt. Angeregt wurde dies vom damaligen Kreis-Heimatpfleger Wolfgang Völk. Das Stück verfasste der Autor Franz S. Wagner und Regie führte, wie auch 1969, der Pucher Max Paintner.

Seitdem werden die Edigna-Spiele im zehnjährigen Turnus auf die Bühne gebracht. Die Dorfbewohner verkörpern die Rollen. In den Jahren 1979, 1989 und 1999 hatte Hardy Baumann die Spielleitung inne. 2009 wurden die Edigna-Spiel dann ein Stück weit professionalisiert. Der Theaterregisseur Marcus Everding verfasste das Stück „Selig die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“.

Bei den Festspielen 2019 brachte Everding mit „Ex Voto Edigna – Was vom Baum blieb“ eine moderne Version auf die Bühne. Dabei wurde Edigna aus der Legende in die Gegenwart geholt. Das Stück wurde als ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft inszeniert und sollte die Zuschauer animieren, über Prioritäten und Werte des Lebens nachzudenken.

Neben den Edigna-Spielen ist der Verein mit Veranstaltungen im Gemeindehaus, bei Festgottesdiensten, Ausstellungen der Malgruppe sowie bei der Leonhardifahrt mit Ochsenwagen und Fußtruppe vertreten. Außerdem versucht der Verein den Puchern Zeit zu schenken, beispielsweise durch Geburtstagsgratulationen oder kleinen Präsenten an Weihnachten.

Der Zusammenhalt vor Ort – gerade durch das gemeinsame Vorbereiten und Durchführen der Edigna-Spiele – den Mitgliedern eines der größten Anliegen. Die nächsten Edigna-Spiele finden 2029 statt. chr

Vereinssteckbrief: Gründung: 1969; Mitgliederzahl: 296; Internet: www.edigna-puch.de.

(VON CHRISTOPH RIEGEL)

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