Die Jury um Diana Rupprecht, Leiterin der Brucker Stadtbibliothek, sichtete die Videos.
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Die Jury um Diana Rupprecht, Leiterin der Brucker Stadtbibliothek, sichtete die Videos.

Wettbewerb

Puchheimer gewinnt Bezirksentscheid von Vorlesewettbewerb

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Clemens Reißenweber aus Puchheim belegte beim Bezirksentscheid im Vorlesewettbewerb der Stiftung Buchkultur und Leseförderung den ersten Platz.

Fürstenfeldbruck – Ein Vorlesewettbewerb, bei dem die Teilnehmer nicht auf einem Podium vor Publikum sitzen, sondern ihre Lesebeiträge per Videoclip einsenden: in Corona-Zeiten geht es nicht anders. Im Veranstaltungssaal der Stadtbibliothek in der Aumühle versammelten sich fünf Jurorinnen vor einer Leinwand, um die Vorlesevideos der elf Schüler auf sich wirken zu lassen. Alle hatten sich zuvor in ihrer Klasse, ihrer Schule und ihrem jeweiligen Landkreis unter allen Schulsiegern durchgesetzt.

Und am Ende gewann Clemens Reißenweber, mit einem Vortrag aus Michael Endes „Wunschpunsch“ – aber vor allem dank seines Talents, selbst ohne direkten Kontakt zum Publikum, einen Text lebendig werden zu lassen. Ihm war zunächst gar nicht klar, „dass das ein Wettbewerb ist, bei dem man weit kommen kann“. Er dachte, das Ganze sei eine Buchvorstellung im Deutschunterricht, man bekomme eine Note und aus. Brachte der Elfjährige die ersten Stufen des Wettbewerbs noch ganz lässig hinter sich, so sei er beim Kreisentscheid doch ein bisschen aufgeregt gewesen. „Ich wusste: Jetzt geht’s um was.“

Beim Bezirksentscheid ging es um noch mehr. Entsprechendes Engagement war den eingesandten Videos anzusehen. Am Schreibtisch, vor dem Bücherregal, auf dem Sofa oder auch vor einer neutralen Wand hatten sich die Sechstklässler filmen lassen. Hier und da verrieten ein Teddy oder ein Hufeisen am Bildrand, was die Kinder neben Lesen noch für Interessen haben.

Clemens hatte mit verschiedenen Hintergründen experimentiert, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verriet. „Im Sessel, am Pult, am Tisch“ hatte er seinen dreiminütigen Buchauszug vorgetragen, sich dann aber für einen zugezogenen Vorhang als Kulisse entschieden, das Buch vor sich auf einem Notenständer. Denn der Schüler des Gymnasiums Puchheim spielt Geige und mag in der Schule Musik sogar lieber als Deutsch.

Außer seiner Mutter kein Publikum gehabt zu haben, sei ein bisschen komisch gewesen. „Aber man hat viele Versuche, das ist der Vorteil.“ Flüssig lesen, richtige Pausen setzen, die Stimmung der Geschichte vermitteln und mit der gewählten Passage Neugier auf das ganze Buch wecken, waren nur einige der Kriterien bei der Bewertung.

Die verschiedenen Figuren in ihren Texten verschieden sprechen zu lassen – das gelang fast allen Wettbewerbsteilnehmern, aber keinem so gut wie Clemens. Mit hoher Fistelstimme ließ er die böse Geldhexe Tyrannja Vamperl aus Michael Endes letztem Roman auf ihren Neffen Beelzebub Irrwitzer einreden und schaltete zwischendurch mühelos in den seriösen Erzählmodus.

In den drei Bewertungskategorien Lesetechnik, Interpretation und Textstellenauswahl bescherte ihm das viele Punkte von der Jury, bestehend aus Bibliotheksleiterin Diana Rupprecht und ihrer Stellvertreterin Stefanie Vielweber, Stadträtin und Bibliotheksreferentin Irene Weinberg, Kathrin Schmidt von der Buchhandlung Treffpunkt Wagner und Bibliotheks-Azubi Michelle Pfeiffer. Außer Clemens ging Freya Buras aus Freising als zweite Siegerin durchs Ziel. Beide haben nun die Chance, beim Landesentscheid bester Vorleser Bayerns zu werden.

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