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Eine Schwimmnudel quer über dem Gepäckträger hält am Fürstenfeldbrucker Marktplatz Busse und Autos auf Abstand.

Mit dem Fahrrad durch Bruck

Hier müssen Radler erfinderisch sein

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800 Meter quer durch die Innenstadt Fürstenfeldbruck sind es von der Haustür bis in die Tagblatt-Redaktion. Mit Fahrrad und grüner Welle scheinbar eine lockere Sache von nur wenigen Minuten. Doch der Schein trügt.

Fürstenfeldbruck –Ein paar Meter hinterm Gartentürl befindet sich Brucks gefährlichste Kreuzung. Seit an der Ecke Feuerhaus-/Stadelbergerstraße Rechts vor Links gilt, kommt es zu kuriosen Szenen. Anfangs krachte es fast jede Woche. Inzwischen bleiben die Unfälle zwar aus, doch offenbar ist die Situation für Autofahrer noch verzwickt genug. Vor allem, wenn vier Pkw gleichzeitig an den vier Zufahrtswegen stehen und aus lauter Unwissenheit freundlicherweise dem jeweils anderen Vorfahrt gewähren wollen. Rauscht dann noch der 843er-Bus heran, wird’s richtig spaßig. Als Radler nimmt man dann das unwirsch zugewunkene „Fahr-doch-zua“-Signal dankend an und lässt die motorisierte Vierrad-Gang links liegen.

Der 843er bremst den Strampler jedoch ein paar Meter weiter gleich nach dem Abbiegen auf die Dachauer Straße stadteinwärts schon wieder aus. Der Zwangsstopp an der Haltestelle hinterm stinkenden Bus-Aufpuff bringt nicht unbedingt die zweite Luft. Zumal gleich danach die obligatorisch auf Rot stehende Ampel wartet. Ist es Absicht, dass der Busfahrer so weit nach rechts schwenkt, dass der Radler an der Verkehrsinsel nicht mehr vorbei kommt? Es wird nicht die letzte Begegnung von David und Goliath auf den folgenden 500 Metern bleiben.

Die Sicherheit auf dem Radl-Streifen ist trügerisch

Aber zunächst einmal wird über die endlich auf Grün gesprungene Ampel gestrampelt. Abbiege-Hand raus, links auf der Vorfahrts-Hauptstraße und weiter auf dem dank eines fahrradbegeisterten Ex-Oberbürgermeisters markierten Radler-Streifen. Doch der darf einen nicht in Sicherheit wiegen. Stets muss damit gerechnet werden, dass ein Autofahrer plötzlich einen freien Parkplatz entdeckt und das Steuer herumreißt. Oder ein querender Fußgänger in der Blechlawine auftaucht. Rechts warten Taxis sowie Kurzparker, deren Fahrer schon mal Hals über Kopf die Tür aufreißen, ohne zuvor in den Rückspiel zu schauen. Stuntman-reife Szenen vor Augen, hat der erfahrene City-Biker die Hand immer an der Bremse.

Wie schmerzhaft es werden kann, musste unlängst die grüne Vize-Bürgermeisterin Karin Geißler erfahren, die radfahrend einem Auto in die Quere kam. Endstation Krankenhaus. Der Pkw stand auf dem Mittelstreifen im absoluten Halteverbot, als sich die Beifahrertür öffnete.

Schwimmnudel auf dem Gepäckträger: Erfahrene Radler setzen auf selbst gebaute Abstandhalter

Ein ehemaliger Stadtrat hat schon lange die Konsequenzen gezogen: Durch die Innenstadt von Fürstenfeldbruck strampelt er nur noch mit einer Schwimmnudel quer über den Gepäckträger. Die Schaumstoffschlange soll eigentlich Nichtschwimmer vorm Ertrinken bewahren, wird aber im Verkehrsgewühl zum rettenden Abstandhalter für Radler.

Zurück auf den Arbeitsweg entlang der Hauptstraße: Es folgt vor der Kreuzung zur Schöngeisinger Straße das Einfädeln von der Fahrrad- auf die Autospur. Die muss man sich allerdings mit den Rechtsabbiegern teilen – und aufpassen, dass man nicht überrollt oder an den Rand gedrängt wird. Und dann folgt schon wieder die nächste Bushaltestelle. Da ist es ja wieder, das 843-Monster, das sich blinkend die Vorfahrt erkämpft.

Doch ab jetzt führt kein Weg mehr am Radler vorbei. Überholen auf der Amperbrücke? Keine Chance! Flott fliegt die Leonhardikirche vorbei. Achtung, Vollbremsung! Von der Bahnhofstraße biegt ein Bus ein, der sich rein gar nix um die Vorfahrt des Radlers schert (Nein, diesmal ist es kein Wagen der Linie 843). Noch ein paar Meter, dann ist die Redaktion erreicht. Doch das finale Stück muss nahe der Straßenmitte in Angriff genommen werden. Denn der klägliche Ein-Meter-Fahrbahn-Rest bis zum Gehsteig ist der reinste Flickerlteppich. So schaut also eine Bundesstraße aus. Notdürftig ausgebessert, löchrig. Und vor allem pfützenreich, weshalb es auch Fußgängern nass nei geht.

Regeln werden gebrochen - gezwungenermaßen

Der radelnde Redakteur ist nun am Ziel, winkt noch mal freundlich beim Abbiegen in den Stockmeierweg dem endlich vorbei ziehenden Bus hinterher und plant im Geiste schon die abendliche Heimfahrt. Die wird dann strecken- und verbotenerweise über den Gehsteig führen. Und zwar aus bürgerlichem Ungehorsam, weil keiner fähig ist, den Radfahrern einen sicheren Weg über die enge Amperbrücke zu ebnen.

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