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Felix Pawlik soll bald mit dem Rad in die Schule fahren. Deshalb möchte seine Mama Iris, dass die Verkehrserziehung doch stattfindet. 

Fürstenfeldbruck

Radl-Unterricht fällt flach: Eltern in Sorge

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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In der vierten Klasse entscheidet sich nicht nur die weitere Schullaufbahn. Zum Ende der Grundschulzeit lernen Kinder auch, sich richtig im Straßenverkehr zu verhalten. Wegen Corona fällt der Fahrrad-Unterricht heuer aber großteils flach. Eltern machen sich große Sorgen.

Fürstenfeldbruck – Mit dem Drahtesel ist Felix schon länger unterwegs. Bisher fährt er aber meist noch in Begleitung seiner Familie. Doch bereits im kommenden Schuljahr soll der Viertklässler auch allein zum Unterricht strampeln. Seine Mama hat kein gutes Gefühl, wenn sie daran denkt. „Es ist wichtig, dass er die Gefahren im Verkehr kennt“, sagt Iris Pawlik. Das richtige Verhalten würde der Grundschüler jetzt normalerweise in der Verkehrserziehung an seiner Schule vermittelt bekommen. Doch die Regelkunde fällt heuer großteils aus – wegen des Coronavirus.

Das Kultusministerium hat mit dem Innenministerium entschieden, aus Gründen des Infektionsschutzes die praktische Verkehrserziehung in den verbleibenden Wochen des Schuljahres auszusetzen. Ein Sprecher des Kultusministeriums verweist auf diverse Vorgaben im Hygieneplan für die Schulen. So sollten sich etwa die Schüler, die in Lerngruppen aufgeteilt sind, möglichst wenig im Schulhaus und auf dem Gelände bewegen.

Wohl mehrere hundert Kinder betroffen

Wie viele Kinder genau im Landkreis von dem abgesagten Sicherheitstraining betroffen sind, ist unklar. Denn einige Schüler haben die Ausbildung, an deren Ende es eine Urkunde gibt, schon durchlaufen. Philipp Rapatz, Jugendverkehrserzieher bei der Germeringer Polizei, schätzt, dass rund die Hälfte der 56 Klassen, für die er und sein Kollege Jürgen Dost von der Olchinger Polizei zuständig sind, die Schulung noch nicht bekommen hat – also mehrere 100 Kinder. Das bereitet dem Beamten Kopfzerbrechen. „Die Kinder müssen ein Gefühl für den Verkehr bekommen“, sagt er. Wie fährt man an? Wie biegt man korrekt ab? Was bedeutet rechts vor links? Es sind Fragen wie diese, die die Polizisten normalerweise mit dem Nachwuchs klären. Und das zeigt Wirkung – die Unfallrate mit Kindern konnte signifikant gesenkt werden.

Die Gefahr des toten Winkels

Momentan sei lediglich geplant, den Kleinen die Gefahren des so genannten Toten Winkels nahe zu bringen – am Beispiel eines echten Lastwagens. Der Aha-Effekt, wenn die Kinder erkennen, dass der Lkw-Fahrer sie in bestimmten Situationen nicht sehen kann, hält Rapatz für extrem wichtig. „Der Tote Winkel ist eine der größten Gefahren für Kinder“, sagt der Polizist.

An die Eltern appelliert Rapatz, möglichst oft die theoretischen Inhalte in der Praxis mit dem Nachwuchs zu trainieren, um den ausgefallenen Sicherheits-Unterricht zu kompensieren. Es hätten sich auch schon einige Mütter und Väter bei ihm gemeldet und sich erkundigt, was sie machen könnten. „Das ist ein großes Thema für viele Eltern“, sagt der Beamte.

Doreen Hetges und Michael Ritter von der Fürstenfeldbrucker Polizei legen den Eltern ein Online-Angebot des Polizeipräsidiums nahe. Auf www.polizei.bayern.de gibt es unter dem Menüpunkt Verkehrssicherheitsarbeit mehrere Videos zum Üben. Diese könnten dann auf einem der Verkehrsübungsplätze an Schulen trainiert werden. Solche Plätze gibt es unter anderem in Jesenwang, Türkenfeld, Mammendorf oder Germering. Die Verkehrserzieher empfehlen allerdings, sich vorher bei den Schulen zu erkundigen, ob und wann die Plätze frei zugänglich sind.

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