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Von innen an die Scheiben geklebt: Bilder des türkischen Präsidenten hängen in einem Geschäft im AEZ Buchenau.

In der Buchenau

Rätsel um Erdogan-Plakate in Fürstenfeldbrucker Einkaufszentrum

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Im AEZ Buchenau prangt derzeit der türkische Präsident Recep Erdogan auf Plakaten im Schaufenster eines leer stehenden Ladens. Die Hintergründe der Aktion sind etwas rätselhaft – die Aufregung, die sie erzeugt, ist handfest. Die Inhaber des AEZ wollen die Plakate loswerden.

Fürstenfeldbruck – Seit Ende Oktober steht der Laden, in dem vorher die Post war, im AEZ-Center Buchenau leer. Dennoch tauchten letzte Woche an den Scheiben ein Dutzend Plakate auf, von denen der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan auf die Besucher der Einkaufspassage herunterschaut. Stilisiert in schwarz-weiß, entschlossen in die Ferne blickend, ist das Motiv bei Erdogan-Anhängern beliebt. Unter dem Bild ist die Unterschrift „Recep“ zu sehen.

Kunden, Geschäftsbesitzer und Angestellte wunderten sich über die Plakate. „Ich habe mich gleich gefragt, wer so jemanden aufhängt“, erzählt ein Café-Besitzer. Seine Angestellte stimmt ihm zu. „Was soll das denn bringen?“ Auch die Kunden wussten nicht, wie sie die Plakate einordnen sollten. Eine Passantin pflichtete ihr bei. Was die Politiker im Landkreis Fürstenfeldbruck dazu sagen, ist nicht bekannt.

Die Plakate müssen von der alten Betreiberin stammen, einer Deutschen 

Die neuen Mieter der Ladenfläche scheiden als Anbringer der Plakate aus, da diese von Innen an die Scheiben geklebt wurden. „Wir haben noch keinen Schlüssel“, erklärten diese. „Deswegen können wir die Plakate auch nicht abhängen.“ Selbst die Inhaber des AEZ haben derzeit keinen Zugang zum Ladeninneren.

Der Hausmeister des AEZ Buchenau mutmaßt: „Die Plakate können nur von der alten Betreiberin der Post stammen. Sie hat als Einzige Zugang.“ Über die Motive der Frau ist er sich unklar. „Ich weiß nicht, was sie damit erreichen will.“ Auch die anderen Mitarbeiter des AEZ können sich den Vorgang nicht erklären. „Die Frau ist Deutsche“, erklärt einer. „Ich kann mir nicht vorstellen, warum sie sich für türkische Innenpolitik interessieren sollte.“

Als das Tagblatt die Frau in ihrer noch bestehenden Postagentur, ebenfalls in Fürstenfeldbruck, antraf, gab sich diese bedeckt. „Die Plakate haben ihren Zweck erreicht. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“ Politisch motiviert sei die Aktion allerdings nicht. „Mit Herrn Erdogan haben wir nichts zu tun. Wir haben private Gründe.“ Anschließend verwies sie auf ihre anstehende Mittagspause und beendete das Gespräch.

Zuerst überklebte man die Plakate von außen – jedoch ohne Erfolg

Die Verantwortlichen des AEZ Buchenau weisen auf einen anderen Zusammenhang hin. „Offizieller Inhaber der alten Postagentur war der Ehemann der Betreiberin, ein Türke“, erklärt Inhaber Udo Klotz. „Seine Frau ist die Geschäftsführerin. Wir wissen nicht genau, warum die beiden das machen. Aber es scheint klar, dass der offizielle Inhaber seine politischen Vorlieben ausdrücken will.“ Über die Kampagne im AEZ sei man nicht glücklich. „Wir haben den Herrn informiert, dass es für Geschäftsleute sehr unüblich sei, politische Werbung durchzuführen, noch dazu für ausländische Politiker“, meint Udo Klotz. „Wir haben ihn auch gebeten, die Plakate abzuhängen. Darauf hat er nicht reagiert.“ Dennoch bleibt AEZ-Inhaber Klotz gelassen. „Wir warten jetzt ab. Der Vertrag läuft bald aus. Dadurch löst sich die Situation von selbst. Rechtliche Mittel würden zu lange brauchen.“

Die Inhaber der alten Post erklären auf Nachfrage, dass der türkische Geschäftsführer in der Türkei sei und weder ein Telefon noch eine E-Mail-Adresse besitze. Auch sonst wollte sich niemand zu dem Vorgang äußern.

Der Hausmeister der Einkaufspassage versuchte derweil eine pragmatische Lösung. Er überklebte die Plakate von außen. „Das funktionierte nicht lange“, berichtet Klotz. „Schon am nächsten Tag kam ein Mann und legte die Plakate wieder frei.“ Wer der Mann war und was ihn motivierte, wisse niemand. „Er murmelte, dass er die Fenster freimachen müsse“, berichtet ein Café-Mitarbeiter. Nach derzeitigem Stand werden die Erdogan-Plakate im AEZ Buchenau wohl eine skurrile Episode bleiben.

von Christian Masengarb

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