Graf-Rasso-Gymnasium

Rasso on Air – Eine Schule macht Radio

Radio hören – das ist im Unterricht eigentlich streng verboten. Nicht aber am Graf-Rasso-Gymnasium. Da ist es mehrmals im Jahr sogar Pflicht. Dann heißt es: Rasso on Air.

Fürstenfeldbruck – Alles hat mit einem Projekt-Seminar in der Oberstufe angefangen, erzählt Lehrerin Friederike Heine (53). Vor drei Jahren hat sie mit den Elftklässlern ein einstündiges Hörspiel vorbereitet. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich es unbedingt an unserer Schule weiterführen wollte.“ Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es deshalb die Radio-AG.

Unterstützt wird die Lateinlehrerin dabei von der bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Diese möchte mit ihrem Projekt „Schulradio Bayern“ bayrischen Jugendlichen den Radiojournalismus näherbringen. Die Zentrale hat es auch ermöglicht, dass im vergangenen Jahr Max Förster von Radio Trausnitz in Landshut die Radio-AG besuchen konnte. „Alle zwei Wochen haben wir uns mit ihm getroffen, und er hat uns alles Wichtige zum Radio erklärt: Wie schneide ich die Sendung, wie lasse ich die Beiträge natürlich klingen und so weiter“, erzählt Heine. Dieses Jahr könne Max Förster leider nicht mehr dabei sein, aber inzwischen habe sie so viel gelernt, dass es auch ohne professionelle Hilfe ganz gut klappe.

In diesem Schuljahr hat die Radio-AG nur vier Mitglieder, letztes Jahr hatten sich sieben Schüler angemeldet. Deshalb können sie heuer auch nur drei anstatt vier Sendungen im Laufe des Schuljahres produzieren. Trotzdem sind die vier mit Feuereifer dabei. Max Mai (15) war schon bei der Premiere von „Rasso on Air“ mit im Team. „Ich interessiere mich schon lange fürs Radio“, erzählt der Zehntklässler. „Später möchte ich beim Film arbeiten, aber vom Produktionsablauf her ist es da sehr ähnlich.“

Die Themen in den 20-minütigen Sendungen sind ganz unterschiedlich. Je nachdem, was im Schulalltag gerade aktuell ist, entscheiden sich die Schüler für ein Rahmenthema. Bei der Sendung, die am Donnerstag, 21. Dezember, um 9.05 Uhr ausgestrahlt wird, dreht sich alles um den Winter. Die Jugendlichen haben unter anderem ein Interview mit dem Besitzer eines Wintersportgeschäfts gemacht und auch ein Hörspiel über eine Skifahrt geschrieben. Die Reihenfolge der Themen regelt ein Skript, das Friederike Heine im Voraus verfasst hat.

Aufgenommen werden die Beiträge mithilfe eines Zoommikrofons. Dieses Aufnahmegerät verwenden auch die Profis. Da die Mikrofone ziemlich teuer sind, hat der Förderverein des Gymnasiums für die Radio-AG eines gekauft. „Mein Mann hat extra eine Wand aus Schaumstoff gebastelt, damit es beim Aufnehmen keine Störgeräusche gibt. Die verwenden wir jetzt als transportables Studio“, erzählt Heine.

Danach müssen die Beiträge bearbeitet und geschnitten werden. Dafür ist Max Mai zuständig. Er hat sich seine Fertigkeiten mithilfe erklärender Videos im Internet selbst beigebracht. Der 15-Jährige sorgt zum Beispiel dafür, dass in der Sendung auch Hintergrundgeräusche wie Musik oder Kaminprasseln zu hören sind.

Die fertige Sendung wird über die Schullautsprecher ausgestrahlt. Alle Lehrer werden rechtzeitig benachrichtigt und beenden ihren Unterricht etwas früher. „Die Reaktionen waren bisher meistens positiv“, erzählt Max Mai. „Inzwischen kommen sogar Lehrer auf uns zu und bieten uns für die Sendung Texte an, die sie mit ihren Schülern geschrieben haben.“

Levin Büttner (10) ist dieses Schuljahr zum ersten Mal in der Radio-AG. „Ich finde es toll, hinter die Kulissen einer Radiosendung zu schauen“, erzählt der Fünftklässler. Mittlerweile höre er sogar anders Radio. „Mir fällt zum Beispiel auf, wenn die Radiojournalisten beim Sprechen stocken. Dann haben sie nämlich einen Lesefehler gemacht, das passiert uns auch manchmal.“ (Katharina Wohlfahrt)

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