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Michael Fischer spürt verdächtige Dateien auf. 

Gefahr aus dem Internet

Rathaus wappnet sich für Cyber-Attacke

Die Cyber-Kriminalität boomt. Auch vor der Stadtverwaltung machen die Angriffe aus dem Netz nicht halt. Deswegen wurde im Rathaus eine neue Stelle geschaffen: Michael Fischer ist Informationssicherheitsbeauftragter, kurz ISB.

Fürstenfeldbruck Michael Fischer ist hauptsächlich damit beschäftigt, ein sogenanntes Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) zu implementieren. Hinter diesem weiteren Wortungetüm verbirgt sich ein Konzept zur Verbesserung der Datensicherheit. Die ersten Schritte sind bereits geleistet, konkret habe man zum Beispiel 300 Mitarbeiter geschult und so für das Thema sensibilisiert, so Fischer.

Warum es all diese Neuerungen braucht, erklärte der ISB nun den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses. Hauptgrund ist die steigende Cyber-Kriminalität. Dabei sollen durch böswillige Angriffe aus dem Internet vor allem Daten gestohlen oder verschlüsselt werden, um damit die Betroffenen zu erpressen. Aktuelles Beispiel ist die Kleinstadt Dettelbach in Unterfranken, wo ein solcher Angriff das Rathaus zwei Tage lang lahmlegte. Dort zahlte die Stadt schlussendlich rund 500 Euro an die Angreifer, der tatsächliche Schaden dürfte weitaus höher ausgefallen sein. „Auch kleinere Städte und Kommunen sind vermehrt diesen Angriffen ausgesetzt“, schlussfolgert Fischer deswegen.

Ein Beleg für Fürstenfeldbruck: Im Dezember 2016 bekam die Stadtverwaltung rund 489 000 Mails, wovon nur 10 000 an die Mitarbeiter gingen. Von diesen wurden wiederum fast 2000 als schadhaft eingestuft, so Fischer. Und im gefilterten Restbestand waren immer noch 76 Mails „mit einem Virus behaftet“. Schon ein Fehler könne gravierende Konsequenzen haben, warnte er: „Eine einzige schadhafte E-Mail reicht aus, um den Betrieb der Stadtverwaltung zu unterbrechen.“

Ein anderes Beispiel zeigt, dass Fürstenfeldbruck durchaus gezielt ins Visier von Kriminellen geraten kann: Im November 2016 bekam die Stadt fast 3500 Mails mit ZIP-Dateien als Anhang. Normalerweise sind es um die 50. Deshalb könne man von einem klaren Angriff ausgehen, so Fischer. Auf diese Problematik hat mittlerweile auch der Gesetzgeber reagiert. Im sogenannten bayerischen E-Government-Gesetz werden die Kommunen deshalb angewiesen, sich um die Sicherheit ihrer Systeme zu kümmern. Bei sicherheitsrelevanten Vorfällen müssen diese an eine spezielle Stelle gemeldet werden Der Freistaat fördert die Implementierung des ISM deswegen auch. Fürstenfeldbruck bekommt die Hälfte der Gesamtkosten ersetzt, wahrscheinlich werden dies insgesamt 30 000 Euro sein.

Doch die Stadt muss auch in Personal investieren. Denn der bisherige IT-Leiter Fischer hat wegen den neuen Anforderungen schlicht keine Zeit mehr für seinen bisherigen Job. Nach dem Rathaus wird er sich der Datensicherheit im Veranstaltungsforum widmen. Außerdem muss aus Gründen des Datenschutzes die Funktion des ISB von der IT-Abteilung getrennt werden, schließlich fungiert der Beauftragte als übergeordnete Kontrollinstanz. Deshalb die neue Stelle.

Die ganze Geschichte sei keine billige Angelegenheit, sagte OB Erich Raff (CSU) auf Nachfragen der Stadträte. Wenn er sich jedoch anschaue, dass ein Rathaus zwei Tage komplett ausfallen könne, so Raff mit Verweis auf Dettelbach, dann seien die Ausgaben für die Datensicherung unumgänglich.

von Fabian Dilger 

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