Stefan Reimers ist Dekan der evangelischen Kirche in Bruck.

Das aktuelle Interview

Reicht es jetzt nicht mit Luther?

 Martin Luther ist in den vergangenen Monaten zum Star der evangelischen Kirche geworden. Anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation fanden unzählige Veranstaltungen und Aktionen statt.

Fürstenfeldbruck – Zum Beispiel konnte man in Utting durch ein Luther-Labyrinth laufen. In Bruck schrieben Jugendliche Luthers Thesen auf den Asphalt. In Olching startet heute das Kulturfestival „Losing my Religion?!“ (Seite 4). Wird es nicht langsam etwas zuviel? Das Tagblatt hat den Brucker Dekan Stefan Reimers gefragt, wie er das Reformationsjahr erlebt hat.

-Das Reformationsjahr geht mit dem 31. Oktober zu Ende. Sie als Dekan hatten einiges zu tun. Wie anstrengend war das Jahr für Sie persönlich?

Es war gar nicht viel anstrengender als andere, es hat aber viele interessante Begegnungen gegeben. Wir haben sowohl Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit angeboten als auch Fortbildungen für Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte oder Studientage für die hauptamtlich Mitarbeitenden. Dabei haben viele interessante Gespräche dazu geführt, dass Menschen in und außerhalb der Kirche sich ganz neu und intensiv mit ihren Glaubensfragen auseinandergesetzt haben. Letztlich ist das eines der großen Ziele des Reformationsjubiläums gewesen, Menschen zum Nachdenken zu bringen. Das fand ich bereichernd, obwohl es für mich mit vielen zusätzlichen Terminen verbunden war.

-Es gab unzählige Aktionen. Jetzt kommt der Endspurt und es gehen noch mehr Veranstaltungen über die Bühne. Haben die Leute jetzt nicht genug von Martin Luther und seinen Thesen?

Bestimmt werden manche sagen: Nun ist’s aber auch mal gut mit Luther und der Reformation. Das verstehe ich gerade bei denjenigen, die viele Veranstaltungen organisiert haben. Aber auch wenn dieses spezielle Jahr nun zu Ende geht, endet nicht unser Auftrag, von Christus zu erzählen. Das war übrigens auch das einzige wirkliche Ziel Luthers: Christus zu verkündigen und sonst nichts.

-Die Brucker Erlöserkirche wollte unter dem Motto „Luther und Bier“ einen Gottesdienst beim Wirt in Biburg veranstalten, der allerdings abgesagt werden musste. Während des Gebetes hätte man essen und trinken können. Muss sich die Kirche neu erfinden, damit sich wieder mehr Menschen für Religion interessieren?

Die Zugehörigkeit zu einer Kirche oder die Teilnahme an Gottesdiensten sind nicht mehr selbstverständlich. Wir müssen uns als Kirchen gut überlegen, wie wir auf Menschen zugehen können. Dabei geht es nicht darum, uns neu zu erfinden, sondern darum, Menschen aufmerksam zu machen auf unseren Glauben und unsere Überzeugung, dass der Glaube an Christus das Leben vertieft. Nicht alle Einladungen treffen auf Interesse – das ist schade, aber ganz normal. Gleichzeitig erleben wir etwa, wie intensiv Jugendliche, die doch immer als kirchenkritisch gelten, in unseren Kirchengemeinden aktiv sind. Wir müssen uns nicht neu erfinden, aber neugierig, lebendig und vielfältig müssen wir schon sein.

-Das katholische und das evangelische Dekanat Fürstenfeldbruck laden am 31. Oktober zu einem gemeinsamen Festgottesdienst ein. Wie ist Ihrer Ansicht nach die Verbindung zwischen katholischen und evangelischen Christen?

Prima! Ich genieße den vielfältigen Austausch und die Überzeugung, dass wir gemeinsam als Kirchen dazu beitragen wollen, dass wir eine menschenfreundliche und aufgeschlossene Gesellschaft sind, die niemanden fallen lässt oder ausschließt. Darin trennt uns nichts. Gerade hier in unseren Dekanatsbezirken in der Region freue ich mich über ganz viel gelebte ökumenische Nähe.

-Wie fällt Ihr persönliches Fazit zum Lutherjahr aus?

Es hat sich gelohnt.

Die Fragen stellte

Thomas Radlmaier

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