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Amtsgericht Fürstenfeldbruck

Rentner prellt Krankenkasse um 75 000 Euro

 Insgesamt 72 000 Euro Tagegeld hat ein 78-Jähriger aus dem westlichen Landkreis über Jahre von seiner Krankenkasse kassiert. Doch das Geld stand ihm nicht zu. 

Fürstenfeldbruck – Denn der Mann war bereits Rentner, als er es einforderte. Zudem hat er Rezepte bei der Krankenkasse eingereicht, die ihm zwar von einem Arzt ausgestellt worden waren, die er aber niemals in einer Apotheke eingelöst hatte. Dies hatte ihm weitere knapp 3000 Euro eingebracht. Gestern wurde der Mann dafür am Brucker Amtsgericht wegen Betrugs, versuchten Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt.

Strafbar waren aber nicht die gesamten 72 000 Euro. Ein Großteil der Betrügereien war bereits verjährt. Nur rund 9000 Euro konnten strafrechtlich verfolgt werden. Auferlegt wurde ihm daher, 12 000 Euro in Raten an die Krankenkasse zurückzuzahlen.

Der 78-Jährige hatte die Taten unumwunden eingeräumt. „Es war die blanke Not“, erläuterte sein Verteidiger den Grund, warum sein Mandant die Krankenkasse betrogen hatte. Als der Mann 2005 in Rente ging, seien ihm 1600 Rente geblieben, er müsse aber 900 Euro Miete bezahlen. Allerdings hatte der 78-Jährige sein Einkommen aufgestockt. Er hatte sich nämlich mit Eintritt in die Rente als Handelsvertreter selbstständig gemacht. Zudem trägt seine Ehefrau mit 1100 Euro Rente im Monat zum Haushaltseinkommen bei.

Mitarbeiter der Krankenversicherung hatten den Betrug bemerkt. Einer Angestellten waren äußerst zahlreich eingereichte Rezepte ins Auge gestochen. Und ein Kollege wurde darauf aufmerksam, dass der Mann auch Jahre nach seinem 65. Geburtstag, dem damaligen Renteneintritt, angeblich noch immer keine Rente bezog. Der 78-Jährige hatte nämlich auf Formularen der Versicherung immer ein nein auf die Frage, ob er Rente beziehe, angegeben.

Er hatte die Frage aber nicht nur auf Formularen verneint, sondern auch in einem Schreiben explizit mitgeteilt, dass er kein Geld aus der Rentenversicherung beziehe. Bei Bezug von Rente verfällt nämlich das Krankentagegeld. Eine Nachfrage der Krankenkasse bei der Rentenversicherung ergab dann aber, dass er sehr wohl das Ruhegeld bezog.

Bis 2014, neun Jahre nachdem er die erste Rentenzahlung bezogen hatte, hatte der 78-Jährige auch Krankentagegeld kassiert. Durch verschriebene aber nicht eingelöste Rezepte hatte er sich eine weitere Einnahmequelle verschafft. In einer Apotheke am Ammersee hatte er die Rezepte angeblich eingelöst. Doch diese waren dort niemals eingereicht worden. Die Stempel der Apotheke und die Unterschriften darauf waren der Inhaberin völlig unbekannt.

Von dem Geld ist nichts mehr übrig. Zivilrechtlich wurde er zwar bereits dazu verurteilt die rund 75 000 Euro zurückzuzahlen. Bei der Versicherung aber ist bis heute kein Cent eingegangen. Wegen der Betrügereien kündigte ihm die Versicherung. Obwohl er Diabetiker und herzkrank ist, hat er noch keine Versicherung gefunden, die ihn aufnimmt.  sus

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