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Vortrag in Bruck

Rolle der Frau im Islam sorgt für Diskussionen

Mit einem so kritischen Publikum in einer Kirchengemeinde hatte die Referentin offenbar nicht gerechnet: Beim Brucker Zeitgespräch zum Thema „Frau im Islam“ kam es zu kontroversen Debatten.

Fürstenfeldbruck – „Ich bin ein bissl erstaunt. Ich wollte Ihnen was Schönes erzählen und merk’ hier ganz viel Anti-Einstellung“, sagte sie ungefähr in der Mitte ihres von Zwischenfragen unterbrochenen Vortrags. Und tatsächlich schlug Maria Zepter beim Zeitgespräch der evangelischen Kirche in Bruck anfangs fast so etwas wie Wut entgegen. Thema der Münchner Psychotherapeutin bei dem Abend in der Erlöserkirche war die Rolle der Frau im Islam. Die gebürtige Tirolerin ist selbst schon vor Jahrzehnten konvertiert.

Zepter, die aus der Frauenbewegung kommt und bei einer ersten Orientreise eigentlich unterdrückte Frauen suchte, brachte zahlreiche Belege aus Koran und Mohammeds Anweisungen an die Gläubigen, die den besonderen Wert des weiblichen Geschlechts im Islam dokumentieren sollten.

Frau und Mann sind gleich vor Gott, nur ihrem Wesen nach unterschiedlich, zuhause hat die Frau das Sagen, schweigt nur in der Öffentlichkeit. Die Tochter hat Anspruch auf ihr eigenes Erbe und wer ihr die gleiche Ausbildung zukommen lässt wie den Söhnen, verdient sich einen besonderen Platz im Paradies. Die größte Liebe und Fürsorge aber gebührt der älteren Frau, der Mutter. „Das alles steht nicht auf dem Papier, das wird gelebt“, hat Zepter erfahren. „Nur lesen wir wenig darüber und hören wenig davon in den Talk-Shows.“

Nicht wenige Zuhörer warfen der Referentin daraufhin vor, ein verklärtes Bild ihrer Religion zu zeichnen. Warum haben Mädchen keinen Zugang zur Schule, wieso sind die Gebetsräume für Frauen in der Brucker Moschee so viel schlichter, wurde gefragt. Vier von fünf muslimischen Mitschülerinnen ihrer Tochter an der Berufsschule wollten nach der Ausbildung heiraten und nicht etwa arbeiten, berichtete eine Mutter. Zwischen Theorie und Praxis sei im Islam offenbar eine ähnliche Kluft wie im Marxismus, meinte ein Besucher. Noch deutlicher wurde der Brucker Grünen-Stadtrat Christian Stangl: Überall, wo der Islam „politisch wirksam“ werde, sei er „mittelalterlich, radikal, terroristisch“. Der Referentin warf er Schönfärberei vor: „Es ist unredlich zu behaupten, alles Negative hat nichts mit dem Islam zu tun, nur alles Positive.“

Natürlich gebe es Missstände, Unterdrückung und Gewalt, meinte Zepter – im Islam wie in anderen Religionen. Aber Mord und Terror verbiete der Koran, auch wenn er im Namen des Islam praktiziert werde. Ehrenmorde, wie sie übrigens auch in Südamerika oder Sizilien vorkämen, haben demnach eben sowenig mit der Religion zu tun wie die Genitalverstümmelungen an Mädchen in einigen Ländern Nordostafrikas. Vier von fünf islamischen Rechtsschulen würden sogar die Frauenbeschneidung verbieten, „nur steht das nicht in unseren Zeitungen“.

Und auch die angebliche Kopftuch-Pflicht ist eine Legende, viele Menschen hierzulande seien vom dem Thema aber geradezu besessen. Dabei fühlten sich Mädchen geschützt, wenn sie ihre Haare verdeckten, und könnten sogar einen freieren Umgang mit Jungs pflegen, weil sie nicht ständig angebaggert würden. Im Übrigen: „Warum soll ich kein Kopftuch tragen, wenn ich auch tätowiert und gepierct und mit Hot Pants in die Schule gehen kann?“

Ob der Islam vielleicht eine Zeit der Aufklärung brauche wie das Abendland nach dem Mittelalter, wurde gefragt. Wenn der Islam wieder zu seinen Ursprüngen zurückfinde, zu der „Religion der Liebe“, und seine Aussagen nicht pervertiert würden wie etwa von den Salafisten, dann brauche es keine Aufklärung, ist Zepter überzeugt. Ihren Zuhörern empfahl sie, Muslime persönlich kennenzulernen, „das Abenteuer der Begegnung“ zu suchen.

Am Ende des Abends war die Stimmung versöhnlicher. Vielleicht sollte man mehr das Gemeinsame zwischen Christentum und Islam suchen, meinte der BBV-Stadtrat Wilhelm Dräxler, nicht so sehr die Unterschiede herausstellen. Die Referentin sah es genauso: Der Gedanke „Ich bin besser als die anderen“ sei die eigentliche Ursünde.

Olf Paschen

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