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Nach der Regel-Änderung

Das sagen die Betroffenen: Smartphone in der Schule: Ja, aber ...

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Handys sind auf dem Schulgelände tabu – so steht es im Gesetz. Doch das soll sich ändern. Das Kultusministerium will die Schulen selbst entscheiden lassen. Keine leichte Aufgabe – da sind sich Schulleiter, Schüler und Eltern einig.

Fürstenfeldbruck – Ihr Smartphone muss nicht einmal klingeln. Allein wenn Theresa Bauer es in der Schule einschaltet, kann ein Lehrer es einkassieren. So steht es im „Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen“. Das findet die Schülersprecherin am Gymnasium Olching übertrieben. Geht es nach ihr, sollte das Handy-Verbot abgeschafft werden. „Das wäre sehr gut“, sagt die 16-Jährige, die momentan die Q11 besucht. „Dann könnten wir in den Pausen Nachrichten beantworten.“#

Im Olchinger Gymnasium bleibt das Handy-Verbot wohl

Schulleiter René Horak weist auf die Gefahren von Smartphones in Schulen hin. Zuallererst wehrt er sich gegen den Begriff des Handy-Verbots. Vielmehr sei es ein Gebot, sagt er. Dürften Jugendliche Smartphones überall nutzen, würden sie nicht nur chatten, sondern sich auch gegenseitig fotografieren und filmen. Das könne die Persönlichkeitsrechte gefährden. Wird das Gesetz gekippt, würden Schüler, Lehrer und Eltern zwar über Richtlinien diskutieren. An den Handy-Regeln am Gymnasium Olching werde sich aber wohl wenig ändern. Diese sind ohnehin liberaler geworden.

Handys werden zu einem festen Bestandteil des Unterrichts werden, glaubt Claudia Frisch, Leiterin der Kerschensteiner Schule in Germering. „Wir können uns den Smartphones nicht verschließen.“ Vor wenigen Jahren haben Schüler am PC im Netz recherchiert. Heute dürfen sie das via Handy – sofern Lehrer es erlauben.

Oberstufenschüler am Max-Born-Gymnasium nutzen Tablets

Verschicken die Schüler aber Nachrichten im Klassenzimmer, greifen die Lehrer an der Kerschensteiner Schule hart durch. „Gestern habe ich einem Schüler ein Handy abgenommen, weil er es verbotenerweise benutzt hat“, sagt Claudia Frisch. Abholen müssen es die Eltern.

In der Regel bekommen die Kinder ihr Smartphone nach Unterrichtsende wieder. Die Schüler der Grund- und Mittelschule Türkenfeld müssen drei Tage darauf verzichten, wenn sie das Handy in der Schule für andere Dinge als für Nachforschungen im Unterricht nutzen.

Das wüssten die Jugendlichen, daher sei es rechtens, sagt Rektor Markus Istenes. Nur selten müssten er und seine Kollegen zu dieser Maßnahme greifen. In dringenden Fällen dürfen die Jugendlichen telefonieren oder ihren Eltern eine Nachricht senden. Sie müssen nur vorher einen Lehrer um Erlaubnis fragen. „Und in der Mittagsbetreuung hören die Kinder unter Aufsicht Musik“, sagt Istenes.

Am Max-Born-Gymnasium in Germering gibt es Ausnahmeregelungen für Oberstufenschüler. „Sie arbeiten immer öfter mit Tablets“, sagt Schulleiter Robert Christoph. In dem Fall müsse man also abwägen und den Nutzen sehen, den die Schüler daraus ziehen. Allerdings dürften sie nicht überall auf dem Schulgelände damit arbeiten, sondern nur in bestimmten Bereichen.

Handyfreie Zeiten sorgen für Konzentration im Unterricht

Ähnliche Regeln gibt es an der Puchheimer Realschule, sagt Direktor Herbert Glauz. Ihre Handys dürfen Schüler dort nur nutzen, wenn es pädagogisch wertvoll sei, sagt Glauz. Es sei „der extrem verkehrte Weg“, wenn sie immer auf ihre Smartphones schauen dürften. „Dank handyfreier Zeiten wird die Konzentration im Unterricht nicht gestört.“ Zudem müssten Schüler lernen, ihr Smartphone eine Zeit lang auch aus der Hand zu legen. Das sei ein wichtiger Bestandteil der Medienerziehung.

Diese hält Heike Schwarzgruber für ausbaufähig. Mit Sorge beobachtet sie, dass Eltern ihren Kindern immer früher Handys kaufen. Fast jeder Fünftklässler besitzt heute ein Smartphone, sagt die Elternbeiratsvorsitzende der Puchheimer Realschule. Dabei wüssten viele jüngere Schüler nicht, wie sie mit den Mini-Computern umgehen sollen. „Außerdem entwickeln Kinder erst ab der 8. Klasse ein Wertegefühl für den respektvollen Umgang miteinander“, sagt Schwarzgruber. Wird das Handy-Verbot tatsächlich gelockert, müsste mehr Werte- und Medienerziehung an den Schulen stattfinden.

Bei Cyber-Mobbing kommt im schlimmsten Fall die Polizei

Dieser Ansicht ist auch Jakob Brunner vom SMV-Team des Max-Born-Gymnasiums in Germering. „Die Kompetenz der Schüler in Sachen Mediennutzung fehlt“, sagt der 15-jährige Zehntklässler. Wären Handys überall erlaubt, würde die Situation in den unteren Jahrgangsstufen außer Kontrolle geraten.

So etwas kann mitunter in einem Polizei-Einsatz enden. Gundula Socher, Vize-Leiterin der Brucker Ferdinand-von-Miller-Realschule erlebte das. Schüler, die sich gegenseitig in Chats beleidigen. „Wir Lehrer dürfen die Unterhaltungen auf den Smartphones nicht lesen.“ Besteht Verdacht auf Cyber-Mobbing, müsse die Schule die Polizei einschalten.

Das müsse freilich verhindert werden, sagt Theresa Bauer. Deshalb plädiert auch die Schülersprecherin des Olchinger Gymnasium nicht für einen Freifahrtschein in Sachen Smartphone. „Die Lehrer müssen darauf schauen, was die Schüler mit ihren Handys machen.“

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