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Wie der Ministerpräsident empfangen wurde Krüglredner Jürgen Kirner alias Bruder Barnabas mit dem Bayerischen Defiliermarsch.

Salvator-Starkbierfest in Fürstenfeldbruck

Ein Fischkopp rockt den Krüglredner

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Es war schon gewagt von Harry Stadlmayer, einen waschechten Fischkopp aus Bremen ausgerechnet bei einem urbayerischen Starkbierfest wie dem Fürstenfeld-Salvator aufs Paulaner-Podium zu holen. Doch der Münchner Brauerei-Manager mit Brucker Wurzeln hat damit ebenso einen Glücksgriff gemacht, wie vor elf Jahren, als er den heuer besonders bitterbösen Krüglredner Jürgen Kirner erstmals verpflichtet hatte.

Fürstenfeldbruck – Nagelritz ist der Künstlername eines neuen Comedian-Senkrechtstarters, der schon beim Paulaner-Solo vor wenigen Wochen an gleicher Stelle im Veranstaltungsforum das Publikum vom Hocker gehauen hat. Dirk Lange (so heißt er Gaudibursch von der Waterkant im normalen Leben) hatte in Bruck seine Premiere als Starkbier-Umschmücker. In Norddeutschland ist er schon bekannt wie ein bunter Hund, nach diesem Salvator-Auftritt wird er es bald auch südlich des Weißwurst-Äquators sein. Verständnisprobleme gibt es ohnehin keine: „Meine Verwandten leben im Allgäu, ich versteh’ schon, was die Leute hier sagen.“

Klare, aber auch so bitterböse Worte wie noch nie hatte zuvor Bruder Barnabas alias Jürgen Kirner an Brucks Stadtpolitiker gerichtet. Wobei zum Bedauern etlicher Gäste die lokalen Rüffel etwas zu kurz kamen. Kirner, ein treuer Parteigänger der CSU und am 10. Mai mit seinen TV-erprobten „Brettl-Spitzen“ erneut in Fürstenfeld, teilte vor allem kräftig gegen seine schwarzen Kollegen aus. Weshalb Landrat Thomas Karmasin hinterher befand: „Wie er mit dem Ministerpräsidenten umgegangen ist, war schon sehr hart.“

Grün, Schwarz, Bunt und Rot waren von links nach rechts an den Tischen schön übersichtlich aufgereiht.

Auch OB Erich Raff, der extra für den Salvator seinen Urlaub unterbrochen hatte, bekam von Kirner einiges eingeschenkt, reagierte jedoch gelassen („Ich nehme die Kritik wahr“) und prophezeite: „Bei diesem Stadtrat wird sich nichts ändern.“ Was den Krüglredner dann auch 2020 vor keine Pointen-Probleme stellen dürfte. „Denn schon im elften Jahr meines Daseins hier tut man sich schwer, sanftere Worte zu finden über ein kommunales Parlament, das einem Kindergarten gleicht. Bei CSU-Fraktionschef Andreas Lohde ist es angekommen: „Barnabas hat uns zur Umkehr aufgerufen. Wir sind dabei.“ Angesprochen fühlten sich zwar alle, doch Grüne und SPD-Genossen grinsten eher genüsslich. Uli Schmetz: „Kirner war besser als in den Jahren zuvor.“ Landratskandidat Christoph Maier: „Eine spritzige Rede, wir spüren Potenzial.“

Mit 35 Gefolgsleuten zahlenmäßig am stärksten vertreten war die BBV, die dafür von Stadelmayer mit der Goldenen Ananas ausgezeichnet wurde. Den Promi-Reigen ergänzten Bundes-, Landes-, Kreis- und Stadtpolitiker (je 22 CSU- und SPDler, 16 Grüne, 14 von der FDP) und 18 Freie Wähler. Deren Stadtrat Georg Stockinger war per Los zum Anzapfen auserkoren worden und erfüllte seine Aufgabe mit drei Schlägen und ohne Spritzer („Obwohl es das erste Mal in meinem Leben war“).

Was Nagelritz und Kirner angeheizt hatten, erledigten zum glorreichen Abschluss „Die bayerischen Löwen“, fünf Blasmusik-Burschen, die schon den Nockherberg mit ihrem „Thermomix“-Brüller gerockt haben.

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