Die Zuhörer bekamen kaum genug: Im Lichtspielhaus las die Gröbenzeller Schauspielerin Monika Baumgartner aus ihrer Biografie. Foto: weber
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Die Zuhörer bekamen kaum genug: Im Lichtspielhaus las die Gröbenzeller Schauspielerin Monika Baumgartner aus ihrer Biografie.

Autobiografie

Schauspielerin erzählt von Liebe, Leiden und Prominenz

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Sitzen die Gruber Lisbeth und die Baumgartner Moni aufm Bankerl vorm Bergdoktor-Hof in Tirol… Was wie der Einstieg zu einem Ösi-Witz klingt, ist der Prolog zur 300-seitigen Autobiografie einer Gröbenzeller Schauspielerin, die wegen ihrer bayrisch-münchnerischen Bodenständigkeit in ganz Deutschland beliebt ist.

Fürstenfeldbruck – Und das nicht erst, seit Monika Baumgartner als Lisbeth Gruber die Mutter von „Bergdoktor“ Hans Sigl in der gleichnamigen ZDF-Serie darstellt.

Momentan werden die letzten Einstellungen für die 14. Staffel gedreht, die ab Januar auf Sendung geht. Zwischen den Dreharbeiten fand die 69-Jährige Zeit, um im Lichtspielhaus bei einer Benefiz-Veranstaltung zugunsten von Donum Vitae aus ihrem gerade erschienenen Buch „Alles eine Frage der Einstellung“ zu lesen. Den coronabedingt mit Abstand und Maske im „ausverkauften“ Kinosaal lauschenden rund 50 Matinee-Besuchern gewährte Baumgartner Einblicke in ihr ebenso wunschgemäß wie schicksalhaft verlaufenes Leben.

Im Buch legt sie unverblümt ihr privates und prominentes Leben offen. Die geheimnisvolle Krankheit etwa, von der sie jahrelang gequält und die erst unter tatkräftiger Mithilfe ihres Serien-Doktors von einem echten Mediziner in Österreich gelindert wurde. Freimütig schildert Baumgartner auch, dass sie nicht nur laut Drehbuch in ihren Schauspielerkollegen Elmar Wepper verliebt war. Sie beschreibt die Höhen und vor allem späteren Tiefen ihrer gescheiterten Ehe mit einem irischen Schreiner und das späte Glück, das sie mit dem Gröbenzeller Rechtsanwalt Johann Böhmer fand. Ihm hat sie in dem gemeinsam mit der Autorin Shirley Michaela Seul entstandenen Buch ein eigenes Kapitel unter dem Titel „Verkuppelt“ gewidmet – eine filmreife Love Story auf sieben Seiten.

Johann Böhmer begleitete seine Lebenspartnerin auch bei der Lesung. Er nutzte die Gelegenheit, um den ebenfalls im Publikum sitzenden Allinger Landtagsabgeordneten Hans Friedl auf den Rechtsstreit zwischen der Gemeinde Gröbenzell und einer Rollstuhlfahrerin im Kampf um deren Terrasse zu sensibilisieren. Zurzeit bereiten Baumgartner/Böhmer eine Petition an den Landtag vor.

Baumgartner, die in über 150 Filmen vor der Kamera stand und sogar in einem für den Oscar nominierten Streifen mitwirkte (1991 an der Seite von Senta Berger in „Das schreckliche Mädchen“), schilderte den Zuhörern ihren Alltag. Wenn sie etwa in Gröbenzell beim Einkaufen als „Frau Gruber“ gegrüßt und gefragt wird, wie es ihrem Bergdoktor-Sohn geht. Im Buch schreibt sie, dass sie immer gern für ein Selfie posiert, „wenn ich gefragt werde“, aber fuchsteufelswild reagiert, wenn sie heimlich fotografiert wird.

„Soll ich jetzt aufhören?“ fragte Baumgartner nach einer halben Vorlesestunde. Schließlich sollte noch der Film Rumplhanni über die Leinwand flimmern, der den großen Karriere-Durchbruch brachte. Die Zuhörer wollten jedoch weiter lauschen. Etwa wie die Schauspielerin ihre zweiminütige Begegnung mit Papst Franziskus erlebt, warum sie ihre Fußball-Leidenschaft für die Münchner Löwen vom Elternhaus geerbt oder wie sie sich mit einem 550-Mark-Monatsgehalt als Büro-Azubi in einer Reifenfirma das Schauspielstudium selbst finanziert hat.

Von ihren Eltern trotz dürftiger Finanzlage gefördert, erfüllte sich Monika Baumgartner ihren Kindheitstraum – unterstützt von ihrem Lehrer Hubert Nowak, der früh das Schauspieltalent seiner Schülerin erkannte und vor wenigen Monaten verstarb. Fünf Stunden vor seinem Tod hatte ihm Baumgartner noch das druckfrische Buch ins Krankenhaus gebracht. „Wenn a rechter Schmarrn drin steht, sog’ i da bescheid“, waren die letzten Worte, als sie sich verabschiedeten.

Das Buch

„Alles eine Frage der Einstellung“ ist im Droemer-Knaur-Verlag erschienen, 300 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-426-21469-5

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