Vorbereitungen, bevor die Autofahrer anrücken: Initiatorin Christina Schmiedel bespricht mit Benjamin Güttler aus dem Schnelltestteam, was noch zu erledigen und zu beachten ist.	fotos (2): Schmiedel
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Vorbereitungen, bevor die Autofahrer anrücken: Initiatorin Christina Schmiedel bespricht mit Benjamin Güttler aus dem Schnelltestteam, was noch zu erledigen und zu beachten ist.

Fürstenfeldbruck

Schauspielerin gab den Impuls zum Corona-Testzentrum

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Vor zwei Wochen hat das Corona-Schnelltestzentrum in Fürstenfeld geöffnet. Die Nachfrage ist groß, so dass immer mehr Standorte hinzukommen. Der Impuls kommt von einer Brucker Schauspielerin. Christina Schmiedel will den Bürgern mehr Sicherheit geben – und damit Kultur und Gastronomie wieder Perspektiven.

Fürstenfeldbruck – Es sind Sätze wie „Ich konnte endlich wieder eine Freundin im Garten treffen“, die Christina Schmiedel zeigen, wie sehr die Bürger ihr Engagement schätzen. Denn alle leiden unter Corona – auch die Schauspielerin und Trainerin, die normalerweise in Unternehmen und auf Bühnen arbeitet. Nach einer weiteren Premierenabsage sitzt sie an einem Freitagnachmittag frustriert im HNO-Zentrum FFB. „Wenn es so weitergeht, geht es nicht mehr weiter“, denkt die 35-Jährige. „Ich habe Energie, was kann ich tun?“ Da wird ihr klar: Eigentlich müsse man ein Schnelltestzentrum eröffnen, um etwas zu ändern.

Die Ärztin Dr. Sandra Kainzinger bietet ihr an, bei den Schnelltests in der Praxis zu helfen. Doch das reicht Schmiedel nicht. Sie fährt zu den Systementwicklern – die sie vom Theater kennt – und rückt mit ihrer Idee heraus: Eine Praxis für Schnelltests habe sie, es fehle eine Software. Die Systementwickler um Markus Ströhle sagen zu, es eine Woche zu versuchen. Sie entwickeln die Software. „Und dann ist es explodiert“, erinnert sich Schmiedel. Die Software funktioniert, Dr. Sandra Kainzinger und Dr. Stefan Gross kümmern sich um Hygieneplan und die Schulung des Personals. Mit Ströhle und Schmiedel gründen sie die Schnelltestzentrum KSGS GmbH, denn bei allem Wunsch in der Pandemie zu helfen, muss das Testzentrum auch wirtschaftlich sein. Trotzdem seien alle mit großer Freude dabei gewesen, es auf die Beine zu stellen. „Viele Leute sind uns dankbar, dass sie ein bisschen Freiheit gewinnen.“

Am Veranstaltungsforum

Nach nicht mal zwei Wochen eröffnet die erste Teststation am Veranstaltungsforum. Die Stadt mit ihrem Corona-Beauftragten, Veranstaltungsforums-Chef Norbert Leinweber, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Corona-Nachbarschaftshilfe packen mit an, damit alles rechtzeitig fertig wird. „Wir dachten, wir sind da mit einem Team und nehmen ein paar Tests“, erzählt Schmiedel, die sich um die Kommunikation kümmert. Doch die Nachfrage ist größer. Viele wollen den Bürgertest, um in die Arbeit zu fahren oder jemanden zu besuchen. Sie bringen Tee, Suppe, Trinkgeld und Süßigkeiten mit. „Im Drive-In ist eine Stimmung“, erzählt die 35-Jährige. Sicher sitzen alle in ihren Autos, doch man ruft aus dem Fenster, lacht und ist dem Team vor Ort dankbar.

Der Service spricht sich rum. Bürgermeister aus umliegenden Kommunen kommen und bitten um Hilfe. Inzwischen rücken die mobilen Teams aus, um im Landkreis Abstriche zu nehmen. Und sie unterstützen mit Klinik-Clown-Azubi Patricia Flür auch die Kinder der Pestalozzi-Schule bei ihren vorgeschriebenen Schnelltests. Für die beiden Teststationen an den Baumärkten werden Subunternehmer angestellt. Diesen Montag startet die Teststation am Volksfestplatz. Und auch im Modehaus Kohl soll es ein Testangebot geben.

Ob weitere folgen, müsse man mit der Stadt besprechen, sagt die Schauspielerin. Denn die unterstützt das Vorhaben, so gut es geht. Und auch in ihrem Metier geht es voran. So kann sie sich vorstellen, dass Impro-Theater und Musiker die wartenden Bürger am Veranstaltungsforum unterhalten. „Es geht darum, die Menschen wieder zum Lachen zu bringen.“ Und so hätten auch die Künstler eine Aufgabe.

Abstrich kostenlos

Die Abstriche im Schnelltestzentrum sind kostenlos. Nur, wer keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, zahlt 20 Euro. Erst, wenn die Tests knapp werden, gibt es eine Beschränkung auf einen Gratistest in der Woche, erklärt Schmiedel.

Registrieren können sich die Menschen über die Software der Systementwickler. Diese könnte auch im ganzen Stadtgebiet zum Einsatz kommen, sagt Schmiedel. Etwa, wenn sich die Menschen bei Ärzten, Apotheken oder in Geschäften testen lassen. So gelinge eine bessere Vernetzung und die Ausstellung des Tagestickets, mit dem nicht nur der Einkauf im Laden, sondern bei niedrigerer Inzidenz auch ein Besuch von Restaurant und Kulturveranstaltungen möglich sein sollen. Denn Schmiedels große Vision ist es, dass Kultur und Gastronomie wieder eröffnen können. „Wenn ich das nicht in München hinbekomme, will ich es wenigstens in Fürstenfeldbruck schaffen.“ Dann könnte sie nämlich auch wieder das tun, was ihr in der Pandemie am meisten fehlt: auf der Bühne die Menschen unterhalten.

Infos zum Testzentrum

stehen auf der Internetseite www.schnelltestzentrum-ffb.de.

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