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Kreispolitik

Schlachthof-Debatte: Geschäftsführer entschuldigt sich

Nach der Debatte über die Zukunft des Brucker Schlachthofs im Kreisausschuss hat sich Max Keil in schriftlicher Form zu Wort gemeldet. Der frühere Geschäftsführer der GmbH & Co. KG ist zwar Mitglied (ÖDP) im Ausschuss, durfte sich wegen seiner persönlichen Befangenheit aber nicht äußern, wiewohl er das gerne getan hätte und wiewohl er sogar einen entsprechenden Versuch startete, der aber unterbrochen wurde.

Fürstenfeldbruck –  Als die SPD den Verdacht ins Spiel brachte, im Schlachthof sei der Mindestlohn nicht bezahlt worden, entlockte das Max Keil ein Lächeln. Er verfolgte die Debatte von den Zuschauerplätzen aus, nachdem ihm nach deutlicher Kritik aus den Reihen der SPD auch Landrat Karmasin von Einlassungen zum Thema abgeraten hatte. Tags darauf erklärte Keil, was er dem Ausschuss hätte mitteilen wollen. In einem Schreiben übermittelt er im Namen der Verwaltungsgesellschaft „tiefes Bedauern“ über die Vorkommnisse im Schlachthof, die die Soko Tierschutz mit einer versteckten Kamera dokumentiert hatte. Durch die Verfehlung und deren Darstellung sei ein enormer Schaden entstanden, so Keil, der im Detail auf das „Fehlverhalten von unseren Beschäftigten, den Kontrolleuren, den Behörden und illegalen Überwachern“ nicht eingehen möchte, da dies Aufgabe der Justiz sei.

Keil entschuldigt sich persönlich „in aller Form für die Missstände, die unter meiner Verantwortung passiert sind“, wie es in dem Schreiben heißt. Er leide darunter, wenn er an die vielen Menschen und Institutionen denke, die zur Erfolgsgeschichte des Schlachthofs beigetragen hätten. Er wolle jetzt daran arbeiten, dass ein Neustart möglich wird. Für ihn persönlich komme eine „operative Beteiligung“ aber nicht mehr in Frage, so Keil.

„Weniger Tierunwohl“

Wie zuvor im Ausschuss deutlich geworden war, herrscht in der Frage eines Neustarts Einigkeit unter den Politikern. Martin Runge (Grüne) etwa erinnerte daran, dass der Landkreis in den späten 1990er-Jahren den Schlachthof unbedingt haben wollte, um „weniger Tierunwohl“, so Runge, zu erzeugen. Er erinnerte aber auch an seinen Protest gegen die Privatisierung der Fleischbeschau. „Die Verschlechterung des Tierschutzes war vorprogrammiert“, sagte Runge, wobei er keine direkte Kausalität zu den Geschehnissen jetzt – die Soko hatte massive Verstöße gegen den Tierschutz dokumentiert – herstellen wollte. Runge sprach von systemischen Mängeln, die es gelte, in den Griff zu bekommen. Landrat Karmasin („Es gab Kontrolleure, die die Kontrolleure kontrollierten, die wiederum kontrollierten wurden“) bestritt systemische Fehler. Der Verbraucher freilich müsse auch bereit sein, mehr Geld dafür zu bezahlen, wenn er Biofleisch möge und wolle, dass Tiere „tot gestreichelt“ werden. Für die FW bezeichnete Michael Leonbacher die Idee eines regionalen Schlachthofs als echte Bürgerbeteiligung – mit an Bord sind unter anderem Landwirte, Metzger sowie Verbraucher – und äußerte ein klares Ja zur aktuellen Form der Gesellschaft, wobei man die Art der Beteiligung des Landkreises (direkt an der KG?) überdenken könne.

Für die CSU erinnerte Huber Ficker an die Anfänge des Schlachthofs, dessen Entstehen vor allem auch dem Wirken des damaligen Landwirtschaftsministers Reinhold Bocklet zu verdanken gewesen sei. Zunächst sei es schwierig gewesen, genügend Kunden zu finden, da viele damals noch selbst geschlachtet hätten, erzählte Ficker. Die Privatisierung der Fleischbeschau sei auch vor diesem Hintergrund damals sinnvoll gewesen, weil es sonst zu größerer finanzieller Belastung der Kunden gekommen wäre. „Wir haben ein Erfolgsmodell geschaffen. Jetzt ist es leider zu Schwierigkeiten gekommen. Wir müssen aus Fehlern lernen“, sagte Ficker. Er plädierte für einen möglichst schnellen Neuanfang ohne systemische Änderung und Runge erzählte, dass bei der Gründung des Hofs sogar Kreisräte (auch der Landrat, wie dieser selbst versicherte) für je 100 Mark symbolische Bausteine gekauft hätten, um den Start des Hofs zu unterstützen.

Andreas Lohde (CSU) übrigens zog gegen Ende der Debatte einen von ihm angekündigten Wortbeitrag zurück. Es sei, so meinte er, alles gesagt. Thomas Steinhardt

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