Meterhoch türmt sich im März 2006 der Schnee auf einer Wiese nahe des Klosters Fürstenfeld auf. 	archivfoto: weber
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Meterhoch türmt sich im März 2006 der Schnee auf einer Wiese nahe des Klosters Fürstenfeld auf.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Helfer erinnern sich an das Schneechaos im Jahr 2006

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Nach frühlingshaften Temperaturen könnte es heute wieder ein bisschen schneien. Die Schneemengen sind allerdings nichts im Vergleich zu dem, was vor genau 15 Jahren herunterkam. Mehr als ein halber Meter der weißen Pracht bedeckte damals den Landkreis. Für Mensch und Natur begann ein Kampf gegen die Schneemassen.

Fürstenfeldbruck – Es lag etwas in der Luft an diesem Wochenende Anfang März 2006. Wärme aus dem Mittelmeer traf auf kalte Luft aus der Arktis – genau über dem Landkreis. Es entstand eine so genannte Luftmassengrenze – und die wollte sich einfach nicht mehr weiterbewegen. Die Folge: Schneefälle, wie sie in der Region noch niemand erlebt hatte. Am Sonntagmorgen ächzten Dächer und Bäume unter mehr als einem halben Meter Schnee. Auf Straßen und Schienen ging nichts mehr. Schulen blieben geschlossen.

Ein Anwohner in Puchheim befreit seine Bäume von der Schneelast. 

Peter Langenegger, heute Chef des Brucker Bauhofs und damals schon als Mitarbeiter dabei, erinnert sich noch genau an jenes Wochenende. „Es hat einfach nicht mehr aufgehört“, sagt Langenegger. Die Nacht auf Sonntag räumen die Bauhof-Mitarbeiter im Schichtbetrieb durch. Und auch am Sonntag selbst heißt das Motto räumen, räumen, räumen. Später laden die Männer in orange die weiße Pracht sogar auf Lastwagen und kippen sie auf den Volksfestplatz.

Die Dächer ächzten

Doch nicht nur auf den Straßen sorgen die Schneemassen für große Probleme. Auch viele Dächer ächzen unter der enormen Last. Alle haben zu diesem Zeitpunkt noch die Bilder der wenige Wochen zuvor eingestürzten Eishalle in Bad Reichenhall vor Augen. Das Gebäude war am 2. Januar 2006 unter der Schneelast zusammengebrochen. Insgesamt 15 Menschen kamen dabei ums Leben.

Für Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) beginnt das große Schaufeln. Andreas Riedel war damals Gruppenführer beim THW. Mit rund 30 Kollegen räumt der heute 42-Jährige das Dach der Amperoase in Fürstenfeldbruck ab. „Wir waren auch bei vielen Bürgern. Wo es nötig war, haben wir den Schnee entfernt.“

Weil auch auf der Schiene nichts mehr geht, endet die Fahrt für viele im Landkreis. Am Brucker Bahnhof etwa stranden rund 40 Fußball-Fans, die mit einem Regionalzug unterwegs sind. Für sie wird in der Wittelsbacher Halle eine Notunterkunft mit Feldbetten eingerichtet.

Feuerwehrleute schaufeln das Dach einer Schule ab. 

Doch nicht nur die Menschen haben ihre liebe Not mit den Schneemassen. Auch die Tiere trifft der brutale Wintereinbruch. „Das war eine Notlage für das Wild“, erinnert sich Gerhard von Hößlin, Chef der Brucker Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbands. Überall im Landkreis rücken die Waidmänner aus, um die Vierbeiner mit Futter zu versorgen. Zusätzlich machen ihnen die Zweibeiner das Leben schwer. Denn viele schnallen sich ihre Langlaufski an die Füße. Was sie nicht wissen: Allein durch ihre Anwesenheit schrecken sie viele Tiere auf, die dann die Flucht ergreifen und wichtige Energiereserven verbrauchen.

Für einige Tiere im Olchinger Vogelpark kommt gar jede Hilfe zu spät. Wegen der damals grassierenden Vogelgrippe dürfen die Flattermänner nicht mehr ins Freie. In ihrer Not hatten die Verantwortlichen Pavillons aufgestellt. Doch die halten den Schneemassen nicht stand und brechen zusammen. „Das war ein Drama damals“, erinnert sich Sascha Kuchenbaur, Spezialist für Eulen und Greifvögel. Mitten in der Nacht rücken die Helfer aus, um zu retten, was noch zu retten ist. „Die Stallpflicht war für viele Vögel ohnehin schon großer Stress“, sagt Kuchenbaur. Die einstürzenden Pavillons geben einigen Exemplaren dann den Rest.

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